© HelloBello/HelloBello/Chris Filgertshofer

Chronik Wien
01/06/2021

Fressen nach Maß: So wollen Wiener am Hundefuttermarkt punkten

Bio und regional – was als gesunde Ernährung bei Menschen gilt, steht nun bei den österreichischen Hunden auf dem Speiseplan

von Anna-Maria Bauer

 Angefangen hat es mit der Labradorhündin seiner Schwester. Bei Spaziergängen fielen Wolfgang Maurer Mias Verdauungsprobleme auf. Das glanzlose Fell, die für ihr Alter ungewöhnliche Schlappheit. Sie war gesund, woran könnte es liegen, fragte er sich – und vermutete rasch das Futter. Auf der Suche nach Alternativen ergab die Recherche: einen undurchschaubaren Hundefutter-Dschungel.

Diesem hat er mit „HelloBello“ nun ein weiteres Produkt hinzugefügt. Allerdings eines, das sich von der Konkurrenz abheben soll.

Nach dem jeweiligen Geschmack

Denn: „Wir produzieren frisches, nachhaltiges, regionales Hundefutter, das auf den jeweiligen Hund zugeschnitten ist“, sagt Alexa Hammerschmidt.

Die Grundrezepte wurden von einer Veterinärin konzipiert, die Besitzerinnen und Besitzer füllen online einen Konfigurator aus und erhalten auf den eigenen Hund zugeschnittes Futter, das alle zwei oder vier Wochen angeliefert wird und gekühlt gelagert werden muss.

Mias Fell glänze seitdem wieder.

Mit 3,70 Euro pro Tag für einen zwölf Kilo schweren Hund ist das Angebot nicht gerade billig, doch qualitativ hochwertige Nahrung hat ihren Preis – und offensichtlich nicht nur beim Menschen. Und diesen Preis sind immer mehr Hundebesitzer auch bereit, zu zahlen.

120 Euro im Monat

790 Euro im Jahr geben Österreicher mittlerweile für einen mittelgroßen Hund aus, das hat eine Umfrage von Online-Portal ProntoPet ergeben. Im Schnitt entfallen dafür 60 Euro im Monat auf Futter. Für „HelloBello“ sind es mindestens doppelt so viel.

Nach oben sind bei Ausgaben für Haustiere aber (wie anderswo) keine Grenzen gesetzt. Wer Services wie Hundepflege in Anspruch nimmt, gibt zusätzlich nicht selten 2.300 Euro im Jahr aus.

Der Hundemarkt

Mit rund 827.000 österreichischen Haustier-Hunden – 55.000 davon in Wien – ist der Markt für Hundeprodukte zudem ein großer. Durch die Pandemie wird die Zahl wohl noch einmal zunehmen: In Krisenzeiten geben Haustiere Halt.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass „HelloBello“ nicht der einzige Neueinsteiger auf dem Markt ist. Seit Juli bietet das Wiener Unternehmen „CanisBowl“ „komplett individualisiertes, von Tierärzten erstelltes Hundefutter“ an. Aus sechs Bio-Fleischsorten könne man wählen.

Die Vorgangsweise: „Wir führen zuerst eine Bedarfserhebung durch“, sagt Geschäftsführerin Martina Steinberger-Voracek. „Es gibt einen Fragebogen und ein Erstgespräch, anschließend wird der Hund von einem Tierarzt untersucht.“

Krankheiten beseitigen

Denn selbst gesundheitliche Probleme wie Nierensteine könnten durch die richtige Ernährung verschwinden: „In dem Fall muss meist der Phosphatgehalt im Fressen reduziert werden.“

Die Nachfrage spreche für sich. Nach einem halben Jahr habe man rund 100 Kunden. Erst vor wenigen Tagen habe Helmut Pechlaner, vormaliger Direktor des Tiergarten Schönbrunn, die nächste Ration für seine Hündin Banny geholt. Sie habe nun keine Blähungen mehr.

Durch fettarme Ernährung könne „CanisBowl“ auch beim Abnehmen helfen. Und das ist wichtig, weil 40 Prozent der Hunde und Katzen in den Industrieländern Mitteleuropas laut Experten zu dick sind.

Nicht nur Futterproduzenten nehmen sich übrigens dem Hundehüftspeck an: Die oberösterreichische Firma Tractive ortet Haustiere per GPS. Seit Kurzem bietet sie einen neuen Service an: Ein Aktivitätstracking für Hunde und Katzen.

Die Tiere

Rund 827.000 Hunde leben in Österreich. Sie sind nach Katzen die beliebtesten Haustiere im Land

Die Kosten

Für einen  mittelgroßen Hund werden im Jahr 790 Euro ausgegeben. Wer Services in Anspruch nimmt, zahlt nicht selten zusätzlich 2.300 Euro 

Die Diäten

Rund 40 Prozent der mitteleuropäischen Hunde und Katzen sind zu dick. Die häufigsten Gründe: Bewegungsmangel und falsche Ernährung

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