© APA/GEORG HOCHMUTH

Chronik Wien
12/05/2011

Exorzismus am SMZ-Ost?

Laut "Falter" soll ein Wiener Oberarzt und Psychiater seine Patienten gemeinsam mit einem Exorzisten behandelt haben.

Von einer brisanten angeblichen Zusammenarbeit berichtet die Stadtzeitung Falter: Ein Exorzist der Diözese Wien soll mit einem Psychiater am Donauspital zusammengearbeitet haben.

Im Jahr 2007 hat in Graz der Kongress "Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie" stattgefunden. Auf der Veranstaltung sei darüber diskutiert worden, ob es eine "Besessenheit jenseits der Psychose" gebe. "Die Organisatoren eines der Workshops beantworteten diese Frage mit Ja", schreibt der Falter. Was keiner großen Erwähnung wert wäre, würde es sich bei einem der Seminarleiter nicht um einen Oberarzt an der Neuropsychiatrischen Station im Sozialmedizinischen Zentrum Ost (SMZ-Ost), dem zweitgrößten Krankenhaus Wiens, handeln.

"Besessenheits"-Workshop

Der Mediziner habe den "Besessenheits"-Workshop gemeinsam mit einem Exorzisten der Erzdiözese Wien geleitet. Auf der Internetseite des Grazer Kongresses geben die beiden an, sie würden bei gewissen Patienten zusammenarbeiten.

Eine andere Geschichte, die sich auf der Station des Oberarztes ereignet haben soll, handelt von der ehemaligen Besitzerin einer Abtreibungsklinik in Leopoldstadt. Nachdem katholische Fundamentalisten, die vor Abtreibungskliniken protestieren, der Frau über Jahre nachgestellt hatten, erkrankte sie psychisch und wurde ins SMZ-Ost Station eingeliefert. Kurze Zeit später tauchten an ihrem Krankenbett zwei Abtreibungsgegner auf, um sie, mit Rosenkränzen bewaffnet, eine "Massenmörderin" zu heißen.

"Befreiungsgebet"

"Im Wiener Krankenanstaltenverbund finden Behandlungen ausschließlich nach wissenschaftlich anerkannten Methoden statt. Dies gilt selbstverständlich auch für den Bereich der psychiatrischen Versorgung." So reagierte der Wiener Krankenanstaltenverbund am Mittwoch. "Der betreffende Oberarzt wurde 2007 dienstrechtlich im Rahmen einer Niederschrift auf seine Dienstpflichten aufmerksam gemacht. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, dass er bei Verstößen mit der Beendigung seines Dienstverhältnisses zu rechnen habe", sagten der Ärztliche Direktor des Donauspitals, Lothar Mayerhofer, und der Vorstand der Psychiatrischen Abteilung, Peter Fischer.

Die Erzdiözese stritt am Mittwoch einen Exorzismus im SMZ-Ost ab. Bei einem Exorzismus handle es sich um ein "Befreiungsgebet", von dessen Kraft die katholische Kirche ausgehe, erklärte der Sprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller. "Es ist nie Ersatz für eine medizinische Behandlung und hat im Krankenhaus nichts verloren", so Prüller.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.