Chronik | Wien
20.10.2017

Ermittlungen: FP-Abgeordneter soll eine Frau verprügelt haben

Erhebungen nach Anzeige im August, die FPÖ vermutet hingegen eine "Schmutzkübelaktion".

Im Parlament setzte sich der FPÖ-Abgeordnete Andreas Karlsböck für das "Vorgehen gegen kulturell bedingte Gewaltpraktiken" ein. "Der internationale Kampf gegen Misshandlungen von Frauen und Mädchen" sei ihm ein wichtiges Anliegen, erklärte er in einer Debatte.

Nun ist der Obmann des Wirtschafts- und Obmann-Stellvertreter des Gesundheitsausschusses im Parlament selbst mit Misshandlungsvorwürfen konfrontiert, wie das Magazin Vice berichtet. Demnach soll sich der Vorfall bereits im März 2016 in einem Wiener Hotelzimmer ereignet haben. Das mutmaßliche Opfer (50) behauptet, 20- bis 30-mal geschlagen worden zu sein. Der FP-Mandatar soll ihr außerdem zwei Mal für mehrere Sekunden das Kissen auf das Gesicht gedrückt haben, so die Version der 50-Jährigen.

Angezeigt wurde der Fall allerdings erst im vergangenen August. Damals soll Karlsböck der Frau aufgelauert und sie zu einer "Aussprache" gezwungen haben, sagt sie. Die Frau ging daraufhin – offenbar mit dem Krankenhaus-Befund von 2016 – zur Polizei. In dem Befund ist zu lesen, dass sie Hämatome und vier ausgeschlagene Zähne hätte. Einige Wochen nach der Anzeige landete diese dann bei einer Boulevardzeitung, die den Fall zunächst anonymisiert veröffentlichte. Da dies vor der Wahl geschah, ortete die FPÖ dahinter ein Wahlkampfmanöver und eine Intrige der Dame.

Bestätigung

Vice outete nun den vollen Namen des Abgeordneten. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt ein "laufendes Ermittlungsverfahren". Der Anwalt von Karlsböck, Manfred Ainedter, spricht gegenüber dem KURIER von "Vorwürfen, die von A bis Z nicht stimmen. Das ist ein Rachefeldzug, aus welchen Gründen auch immer".

Die Frau habe bereits nach dem Vorfall bei der Polizei eine Aussage getätigt und dabei etwas ganz Anderes ausgesagt. Ainedter rechnet damit, dass von den Vorwürfen nichts übrig bleiben wird. Karlsböck, selbst für eine Stellungnahme nicht erreichbar, wurde bekannt durch einen Besuch bei der Angelobung des US-Präsidenten Donald Trump – gemeinsam mit den FPÖ-Granden HC Strache, Harald Vilimsky und Norbert Hofer.