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Chronik Wien
05/22/2019

Erinnerungs-Bilder an NS-Opfer in Wien mit Hakenkreuzen beschmiert

Teile der Installation "Gegen das Vergessen" auf Wiener Ringstraße verunstaltet - Initiatoren "entsetzt und empört".

Auf der Wiener Ringstraße sind Teile einer Ausstellung zur Erinnerung an die Opfer der NS-Gräuel mit Hakenkreuzen beschmiert und beschädigt worden. Die Installation "Gegen das Vergessen" mit Porträtfotos von Überlebenden der NS-Verfolgung ist seit Anfang Mai zu sehen. Seitens der Initiatoren vom Psychosozialen Zentrum ESRA zeigte man sich in einer Stellungnahme gegenüber der APA entsetzt.

Die Foto-Ausstellung "Gegen das Vergessen" des deutsch-italienischen Fotografen und Filmemachers Luigi Toscano ist direkt auf der Ringstraße vor dem Heldenplatz platziert und bis Ende Mai zu sehen. Sie wurde vom Zentrum ESRA, das seit 25 Jahren Überlebende der NS-Verfolgung und andere traumatisierte Menschen betreut und behandelt, nach Wien geholt; die Eröffnung erfolgte durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Bereits einige Tage nach der Ausstellungseröffnung wurden mehrere Porträts mit Messern beschädigt, gab ESRA am Mittwoch bekannt. Am gestrigen Dienstagnachmittag wurden dann mehrere Tafeln unter anderem mit Hakenkreuzen beschmiert.

ESRA sprach von einem "antisemitischen und respektlosen Akt der Zerstörung". Das Zentrum zeigte sich "entsetzt und empört, dass eine sensibel-künstlerische Erinnerung an die Shoah zynische und zerstörerische Aggression bei Menschen hervorruft". Es zeige "Respektlosigkeit vor Kunst und es zeigt vor allem Respektlosigkeit vor den porträtierten Menschen. Vor Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden", so ESRA in der Stellungnahme.

Die Polizei wurde bereits über diesen Vorfall informiert, hieß es gegenüber der APA. ESRA hoffe auf Aufklärung und die Ausforschung der Täter. Abgesehen von einer Bestrafung sei es als unerlässlich, solchen Menschen die Geschichte zu erklären und auch, welches Leid das NS-Regime, seine Anhänger und Mitläufer über Millionen von Menschen brachte, sagte ESRA-Geschäftsführer Peter Schwarz laut der Stellungnahme.

"Wer diesen Teil der österreichischen und europäischen Geschichte nicht verstanden hat, läuft Gefahr heutigen totalitär und menschverachtend denkenden und skrupellosen PolitikerInnen zu erliegen", warnte ESRA.