© Birgit Seiser

Chronik | Wien
05/21/2019

Drei Frauenleichen in Gemeindebau gefunden: Viele Spekulationen

Die Polizei spricht von einem "bedenklichem Todesfall". Es dürfte sich um eine Mutter und ihre Töchter handeln.

Die Nachbarschaft in der Werndlgasse in Wien-Floridsdorf ist am Dienstag in Aufruhr. Gegen 8.30 Uhr waren plötzlich Polizei und Rettung mit einem Großaufgebot vorgefahren. In einer Wohnung auf Stiege 24 waren  drei Tote gefunden worden. Laut ersten Informationen der Polizei  könnte es sich um eine 45-Jährige und ihre beiden Töchter im Teenageralter handeln.

Anzeichen von Verwesung

Eine Nachbarin erzählt, dass sie die Familie oft streiten gehört habe, was in dem Gemeindebau aber nicht ungewöhnlich sei. Seit zwei Wochen war aus der Wohnung im zweiten Stock aber nichts mehr zu hören. Das würde mit KURIER-Informationen übereinstimmen, wonach die Leichen der Frauen schon deutliche Anzeichen von Verwesung gezeigt haben sollen.


Eine andere Frau, die im Nebenhaus des Tatorts lebt, sagt, dass ihr ein Polizist während des Einsatzes am Morgen erzählt hätte, jemand sei erschossen worden. Offiziell bestätigt wird diese Angabe von der Polizei aber nicht.  Die Sache wird aber als „bedenklicher Todesfall“ eingestuft. Eine Obduktion der Leichen soll Aufschluss über die Todesursache bringen.  Fehlende Informationen entfachen in dem riesigen Gemeindebau mit 520 Wohnungen natürlich Spekulationen.  

Der ehemalige Mieterbeirat Thomas Trampitsch  lebt seit 25 Jahren im Gemeindebau. Er kannte die Familie  zwar nicht sehr gut, will aber wissen, dass die Frau und ihre beiden Töchter eigentlich nie unangenehm aufgefallen seien. „Bei uns gibt es schon fast jeden Tag Polizeieinsätze. Das ist eben so, wenn so viele Menschen wo wohnen. Da wird eben gestritten.“ Die anderen Nachbarn stimmen Trampitschs  Aussage zu.

Mutter möglicherweise überfordert

Eine Bewohnerin des Gemeindebaus, die direkt unter der Familie lebt, vermutet, dass die Mutter überfordert gewesen sein könnte. Laut Angaben der Frau, die anonym bleiben möchte, dürften die Teenager-Mädchen geistig behindert gewesen sein. Das könnte zu einer Überforderung der Mutter geführt haben.  
All diese Aussagen beruhen aber rein auf Vermutungen.  Eine Anfrage beim Jugendamt, ob die Familie  Unterstützung bekommen habe, konnte am Dienstagabend aus zeitlichen Gründen  bis zum Redaktionsschluss nicht mehr beantwortet werden.

Die Spurensicherung war Dienstagnachmittag noch im Gange.

Also  bleibt die Lage vorerst ungewiss, wie so oft in solchen Situationen. Die Gemeindebaubewohner überlegen, was passiert sein könnte. Jeder hat seine eigene Theorie.  Eines haben sie aber alle gemeinsam: Der Tod von drei Frauen in ihrer direkten Nachbarschaft macht traurig und betroffen.