Chronik | Wien 22.04.2012

Doppelte Power für die Polizei

© Bild: Gerhard Deutsch

Blonde Haare, blaue Augen, gepaart mit einem Kämpferherz. Mirneta und Mirnesa sorgen bei der Polizei für Verwirrung.

Schon als kleine Mädchen wollten wir Kriminalfälle lösen – so wie in Tatort" – dieser Kindheitstraum ist für die eineiigen Zwillinge Mirneta und Mirnesa Becirovic in Erfüllung gegangen. Seit Anfang des Jahres sorgen die Jiu-Jitsu- Kampfsportlerinnen bei der Wiener Polizei für optische Verwirrung.

"Polizistin zu sein ist ein knallharter Beruf, aber wir sind ja zu zweit", sagt Mirneta. Auch abseits der Arbeit "schlagen" sie sich erfolgreich durchs Leben. Mittlerweile sind die Zwillinge das stärkste Jiu-Jitsu-Duo, das Österreich zu bieten hat.

Blonde Haare und blaue Augen – dahinter schlagen zwei Kämpferherzen. Geboren in Bosnien-Herzegovina und aufgewachsen in Pressbaum, NÖ: Mirneta und Mirnesa waren acht Monate alt, als sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Österreich kamen. In einer kleinen Wohnung im Pfarrhaus Pressbaum fanden die Becirovics ein geeignetes Plätzchen. "Die Ortsbewohner halfen uns sehr, hier Fuß zu fassen, wir hatten kaum Geld", erzählt Mirneta.

Schaukampf

Im Alter von sechs Jahren entdeckten sie dann Jiu Jitsu. "Jiu ist ein Schaukampf. Es wird geworfen, gehebelt, geschlagen und gewürgt. Eigentlich sind es zwei Sportarten in einem – Judo und Karate. Die Bewegungsmuster von Jiu Jitsu faszinieren uns noch heute", erklärt Mirnesa, die als die Tonangebende gilt. "Mirnesa ist eindeutig die Dominante bei uns, ich bin dafür die Ältere", sagt Mirneta. Die Beziehung der 20-jährigen Zwillinge zueinander ist sehr innig. "Wir verstehen uns ohne Worte, waren nie, keinen einzigen Tag, getrennt", sagt Mirnesa, "außer ein Mal, bei einem schweren Verkehrsunfall."

Glück im Unglück. Mirneta erinnert sich: "Es war kurz vor unserer ersten Junioren Weltmeisterschaft. Zwischen Pressbaum und Auhof-Center ist es passiert. Der Kleinwagen eines Maler-Unternehmens rammte uns von hinten." Der Wagen kam ins Schleudern und knallte einige Male gegen die Leitplanke. Der Fahrer des Malerwagens war sofort tot.

Mirneta hatte schwere Prellungen und wurde ins Hanusch Krankenhaus gebracht. Ihre Schwester kam per Helikopter ins SMZ-Ost – bei ihr waren ein Drittel der Lunge gequetscht und die erste Rippe gebrochen. Sie lag zwei Tage im Koma. "Ich hatte Angst um meine Schwester. Als ich entlassen wurde, bin ich sofort zu ihr ins Spital. Ich habe auch bei ihr übernachtet, ich wollte sie nicht alleine lassen", sagt Mirneta.

Mehr als acht Monate wurde mit einem Trainer- und Ärzteteam am Comeback gearbeitet. Bei ihrer ersten Jugend-Europameisterschaft haben sie dann wieder "zugeschlagen" und sind mit Bronze nach Hause gefahren. Heute sind die Zwillinge auf Platz eins der Weltrangliste.

Schülerinnen

Seit 1. Jänner hängt neben der Jiu-Jitsu- auch die Polizei-Uniform im Kleiderschrank. In Selbstverteidigung sind die Zwillinge natürlich Einser-Schülerinnen. "So viel Action wie bei der Polizei gibt es sonst in keinem Beruf", sagt Mirneta. Doch bevor die Action kommt, wird das Gesetz gelernt. "Derzeit sind wir am Paragrafenbüffeln und von den Paragrafen gibt es viele", sagen die Zwillinge.

Erstellt am 22.04.2012