Der Nikolaus in Geldnot

Die Stadt kürzt das Bastelgeld der Wiener Kindergärten. Die Leiterinnen sind sauer, der Magistrat beruhigt. Mit wenig Erfolg.
Der Nikolaus in Geldnot

Keine Taschentücher, keine bunten Servietten für Geburtstagsfeiern und "das Nikolo-Sackerl wird heuer wohl nur halb so groß werden", sagt Sabine S. (alle Namen von der Redaktion geändert) , eine Wiener Hort-Leiterin, dem KURIER. Es ist Montag, neun Uhr. Der Saal in der Berufsschule Längenfeldgasse ist gedrängt voll - ganz anders als die Konten der 360 städtischen Kindergärten. Denn die wurden vor knapp zwei Wochen über Nacht vom Magistrat geleert. Bei dem Krisentreffen hofften die verärgerten Kindergarten-Leiterinnen zu erfahren, wie es weitergehen soll.

"Wir haben erst danach per eMail erfahren, dass uns die Kindergarten-Konten geräumt worden sind", sagt S. "Es war ein Schock." Das Geld wurde zwar hauptsächlich für momentane Ausgaben wie Spielzeug, Bastel- und Malsachen genutzt, "wir haben aber auch alle gespart, um auf die höheren Ausgaben zu Weihnachten vorbereitet zu sein", sagt S. Auch den anderen Leiterinnen fehlt das Geld - auch für den täglichen Betrieb. Eine klagt über nötige Klobürsten, eine andere über fehlende Jausensackerln. Martina W. hat ein noch fataleres Problem: Sie hat vor der unangekündigten Konto-Leerung einen Erlagschein aufgegeben, der erst danach abgebucht wurde. Jetzt fehlen 2000 Euro im Kindergarten-Budget. Neben der Konto-Plünderung gab es auch Kürzungen bei dem Monatsbetrag, der den Kindergärten selbst zur Verfügung steht: Statt vorher etwa sieben Euro pro Kind, bekommen sie monatlich ab sofort nur mehr 1,50 Euro für Bastelmaterial und diverse Kleinausgaben. Große Anschaffungen können dafür
zentral bestellt werden.

50.000 Euro sparen

Als Robert Oppenauer den Saal betritt, herrscht Hochspannung. Mehrere hundert verärgerte Kindergarten-Pädagoginnen warten nun gespannt auf das Statement jenes Beamten, der die Sparpolitik im Auftrag der rot-grünen Stadtregierung exekutiert. Vergeblich versucht er die anwesenden Frauen und wenigen Männer zu beruhigen. Seine Magistratsabteilung entschuldigt sich - so wie zuvor schon Jugendstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) - für die abrupte Handlungsweise. Oxonitsch hat bereits mit 120 Euro pro Kindergartengruppe Entschädigung für die Weihnachtszeit reagiert. Die Kritik an der Aktion weist Oppenauer zurück: "Es hat keine Vorinformation gegeben, damit das System einheitlich eingerichtet werden kann", sagt er dem KURIER und ergänzt, dass dazu alle Kindergärten auf demselben Budgetlevel stehen müssten. Von dem neuen System ist er überzeugt, damit könne man 50.000 Euro pro Jahr sparen - durch zentrale Verwaltung der Gelder. Große Ausgaben wie Schreibtische müssen nun zentral angefordert werden. Wenn es das Budget erlaubt, wird bestellt. Die Vorteile: Mengenrabatte, Vorsteuerabzüge, die Planbarkeit könnte erleichtert und die Leiterinnen entlastet werden.

Doch eine Frage bleibt: Sind diejenigen, die in den vergangenen Monaten mühsam Geld auf die Seite gelegt haben, jetzt die Angeschmierten? Oppenauer versteht die Aufregung nicht: "Sparen ist nicht Sinn und Zweck, das Geld war für momentane Ausgaben gedacht."

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