Chronik | Wien
03.11.2018

„Das Denkmalamt braucht mehr Exekutivkraft“

Werner Asmus von der LoftCity über die Entwicklung der Brotfabrik in Favoriten

KURIER: Sie haben sich seit Jahren auf die Revitalisierung von historischen Gebäuden spezialisiert. Dann entstand die Idee, Lofts in ehemaligen Produktionsstätten zu errichten. Wie kam es dazu?

Werner Asmus: Vor allem kleine Manufakturen innerhalb des Wiener Gürtels habe ich aufgekauft und zu Wohnungen umgebaut. Im Zuge dessen habe ich bemerkt, dass es einen extrem interessanten Markt gibt, der kaum von den Bauträgern betreut wurde: Flächen für die Kreativwirtschaft. Ein Projekt in der Bürgerspitalgasse war dann mein Pilot. Einige der Etagen habe ich als Lofts angeboten und in Rekordzeit verkauft. Damit war klar, dass es eine Nachfrage gibt und ich wollte das Angebot dafür schaffen.

Die ehemalige Ankerbrot Fabrik hätte eigentlich abgerissen werden sollen und doch ist es schließlich gelungen, das zu verhindern.

Stimmt, die Gebäude waren Teil der Konkursmasse der Firma Anker. Die Bankengruppe, die dahinter stand wollte das Gebäude dem Erdboden gleichmachen. Die Konzepte der Eigentümer waren klar definiert. Wir wollten einen positiven Mehrwert schaffen und waren bereit, dafür hohe Investitionen zu tätigen. Schließlich konnte das überzeugen und das Ensemble blieb erhalten.

Die Kosten-/Nutzenrechung ist oft ein Argument, dem man vor allem beim Erhalt historischer Substanz nur schlecht entgegenwirken kann, oder?

Bedingt, ein gutes Beispiel liefert etwa die Expedithalle. Jahrelange konnte sich niemand vorstellen, was damit passiert. Rein theoretisch hätten wir an derselben Stelle einen 28 Meter hohen Wohnturm errichten können. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, weil wir diese Qualität dort nicht haben wollen.

Welche Anreize wären Ihrer Ansicht nach in Wien wünschenswert, damit solche Projekte nicht dem Sparstift zum Opfer fallen?

Es wäre wünschenswert, dass gerade bei historischen Projekten das Denkmalamt mehr Exekutivkraft erhält und nicht je nach Belieben von der Politik beiseitegeschoben werden kann. Wir stellen Haltestellen unter Denkmalschutz, große Areale werden oft geschliffen.

Historische Gebäude machen diese Stadt so einzigartig, man darf das nur nie vergessen. Doch die Verlockung ist leider groß.