Co-Housing in Wien: Wie 100 Bewohner Alltag und Autos teilen

Rund 100 Kinder und Erwachsene leben in einem Gebäude, in dem jeder eine eigene Wohnung hat, man sich aber auch ein Auto, das Gym oder Großeinkäufe teilt. Ein Erfahrungsbericht.
Sieben Stock Dorf, Leopoldstadt, Wohnprojekt

Zehn Jahre lang lebte Barbara Nothegger in dem Haus in der Leopoldstadt, das aus 700 Quadratmetern Gemeinschaftsfläche besteht. In 39 Wohnungen leben rund 100 Kinder und Erwachsene unterschiedlicher Generationen zusammen.

Im Buch „Sieben Stock Dorf“, das im vergangenen Jahr neu aufgelegt wurde, beschreibt Nothegger das Zusammenleben. „Wir haben viele Gemeinschaftsflächen, es gab eine gemeinsame Bibliothek, eine Sauna, einen Meditationsraum, große Veranstaltungssäle, auch das Dach war für die Gemeinschaft“, schildert Nothegger im Gespräch. 

Barbara Nothegger lehnt entspannt an einer Backsteinmauer und blickt in die Kamera.

Barbara Nothegger hat ihr Buch "Sieben Stock Dorf" im vergangenen Jahr neu aufgelegt. 

Die Bewohner teilen sich auch ein E-Auto und Lastenräder. Dies sei die „Hardware“ des Gebäudes gewesen, auf persönlicher Ebene habe das Tauschen und Teilen im Vordergrund gestanden. Der Mehrwert des innovativen Wohnprojekts zeigte sich vor allem im täglichen Leben. Kinder spielen gemeinsam, Nachbarn springen kurzfristig als Babysitter ein, im Krankheitsfall füreinander eingekauft oder mitgekocht, erzählt die Autorin.

Warum die Autorin wieder auszog

Das Modell funktioniere – aber nicht reibungslos. „Natürlich gibt es Konflikte“, sagt die Autorin. Themen wie Sauberkeit, Lärm oder die Frage, wer wie viel zur Gemeinschaft beiträgt, gehören zum Alltag. Der Unterschied zu klassischen Wohnformen: Konflikte werden strukturiert bearbeitet. Es gibt klare Entscheidungsprozesse, Arbeitsgruppen und sogar Ombudspersonen. 

„Die Gruppe lernt, damit umzugehen.“ Gerade in Zeiten wachsender Vereinsamung hätten derartige Projekte viel Potenzial – „man weiß, dass immer jemand die Tür aufmacht“. Wieso sie dann nach zehn Jahren ausgezogen ist? „Wir haben noch ein Kind bekommen und hatten zu wenig Platz. Kontakt zu den Menschen dort haben wir aber immer noch.“

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