Chronik | Wien
06.05.2018

Buben auf Instagram genötigt - Haft

Verdächtiger forderte aufgenommene Sexszenen. Polizei geht von über 120 Fällen aus.

Ein Wiener dürfte laut Polizei mehr als 120 unmündige Buben über das Internet genötigt haben, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen.

Dabei hatte der 18-Jährige auf sozialen Medien Burschen im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren angeschrieben. Anfangs gab sich der Mann als netter Kontakt aus, wurde aber während der Konversationen dann immer direkter. „Er verleitete, beziehungsweise nötigte seine Opfer, geschlechtliche Handlungen an sich selbst vorzunehmen, diese zu fotografieren und zu filmen“, schildert Polizeisprecher Harald Sörös. Danach forderte er seine Opfer auf, die Fotos und Videos an ihn zu schicken. Dabei soll der Beschuldigte vorwiegend Instagram (Medium zum Teilen von Fotos und Videos, Anm.) verwendet haben.

Instagram reagierte mit einer Stellungnahme auf die Vorfälle: "Es ist unsere oberste Priorität, dass Instagram ein sicheres und unterstützendes Umfeld bietet. Daher haben wir für Mobbing oder Belästigungen keinerlei Toleranz. Wir haben eine gut funktionierende Infrastruktur um unerwünschte Beiträge zu melden, welche die mehr als 800 Millionen Menschen auf Instagram vor beleidigenden oder möglicherweise gefährlichen Inhalten schützt. Beiträge, die gegen unsere Gemeinschaftsrichtlinien verstoßen, werden umgehend gelöscht", so ein Sprecher.

Festnahme am Freitag

Die Ermittlungen hatten in Deutschland ihren Ausgangpunkt: Zwei Buben – sie sind zehn und zwölf Jahre alt – waren von dem damals Unbekannten dazu verleitet worden, die sexuellen Handlungen an sich vorzunehmen und das Material weiterzuleiten. Die Opfer hatten sich an die deutsche Polizei gewandt.

Die Behörden in Deutschland nahmen daraufhin die Ermittlungen auf, die sie bis nach Österreich führten. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Mannheim konnte dann das Landeskriminalamt Wien – zuständig war der Ermittlungsbereich Sexualdelikte – den gebürtigen Österreicher ausforschen.

Der 18-Jährige wohnt im Bezirk Favoriten, wo es am Freitag von der heimischen Exekutive zu einer Hausdurchsuchung gekommen ist. Die Staatsanwaltschaft Wien hatte diese kurz zuvor angeordnet.

Bei den Durchsuchungen der Räumlichkeiten wurden große Mengen elektronischer Beweismittel – diverse Datenträger – sichergestellt, schildert Harald Sörös. Der Festgenommene hatte außerdem ein umfangreiches Geständnis abgelegt und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.

Weitere Opfer gesucht

„Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt der Polizeisprecher. Denn laut den laufenden Ermittlungen geht man von rund 120 weiteren Betroffenen aus.

Sie dürften alle aus dem deutschsprachigem Raum stammen. Die Polizei rät weiteren Opfern, sich an die nächste Polizeiinspektion zu wenden.