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Reportage
10/11/2019

Badeschluss: Warum dem Wiener Dianabad die letzte Saison droht

Ob die mehr als 200 Jahre alte Institution nach Oktober 2020 noch als Schwimmbad geführt wird, ist ungewiss.

Der Badewaschel sieht alles. Immer und überall. Auch im Dianabad. Ein schriller Pfiff tönt von seinem Posten – einer strohgedeckten Hütte inmitten eines Dschungels aus Plastikpalmen – zum Becken hinunter. Der blonde Bub, der gerade vom Rand ins Wasser geköpfelt ist, schaut kurz zum Bademeister. Dann grinst er und taucht in die nächste Welle.

Solche Spielchen werden dieser Tage auch wieder in anderen Hallenbädern ausgetragen: Die Freibäder haben seit einem Monat geschlossen – Schwimmer und Planscher zieht es nun nach drinnen. Ins Dianabad in der Lilienbrunngasse im zweiten Bezirk aber voraussichtlich nur noch diesen Winter. Für das traditionsreiche Bad dürfte die letzte Hallenbadsaison begonnen haben.

Aktuell ist nämlich ungewiss, ob das Haus künftig als Bad weitergeführt wird. Bis Oktober 2020 sei jedenfalls geöffnet, heißt es von Raiffeisen.

Die Bank besitzt und betreibt das Dianabad gemeinsam mit der Versicherung Uniqa.

Definitiv noch für ein Jahr: Die Stadt Wien förderte den Umbau des Bads im Jahr 2000 mit 14,5 Millionen Euro – unter der Bedingung, dass es mindestens 20 Jahre in Betrieb ist. Wie es weitergeht, soll laut Raiffeisen bis Frühling 2020 entschieden sein.

Erst im Juli sperrte übrigens ein historisches Bad in Währing zu: Die Bundesimmobiliengesellschaft hat das Tröpferlbad in der Klostergasse gekauft, um das angrenzende Gymnasium zu erweitern.

Besucher: "Hört das schon seit Jahren"

Dass das auch dem Dianabad passieren könnte, will einer der älteren Gäste im Wellenbecken nicht glauben. „Man hört schon seit Jahren, dass es zusperrt“, sagt er. Der Pensionist schwimmt hier täglich seine Runden. Morgens, wenn es noch ruhig ist, geht das. Aber: „Am Nachmittag und am Wochenende ist mehr los. Da wird es laut. Besonders, wenn die da an ist“, sagt er und deutet nach oben.

Dort verläuft die Hauptattraktion: der „Master Blaster“. Die Rutsche ist 125 Meter lang – und respekteinflößend. „Ihnen passiert nichts“, steht vorsorglich auf einem Schild. Gerutscht wird in gelben Reifen – durch Tunnel, stückweise sogar bergauf. „Schon ein bisschen arg“, sagt eine Frau, die aus dem Auslaufbecken steigt. Sie rutscht trotzdem noch einmal – kreischend.

Walzer im Pool

Ausgelassen geht es im Dianabad seit jeher zu – zumindest, was die Becken betrifft. 1810 als Badehaus mit rund 150 Kabinen und Wannen eröffnet, wird das Gebäude in den 1840ern zum ersten Mal umgebaut – unter anderem von Otto Wagner. Im Innenhof entsteht eine Sommerschwimmhalle.

Weil sich der Badebetrieb im Winter nicht rechnet, wird sie in dieser Zeit zum Ball- und Konzertsaal umfunktioniert. Und erlebt als solcher die Uraufführung des berühmtesten Walzers der Welt. Am 15. Februar 1867 ertönt im „Dianasaal“ zum ersten Mal der Donauwalzer – aber noch mit anderem Text. Zum Welterfolg avanciert er erst, als Johann Strauß mit dem Stück unter dem Titel „Die schöne blaue Donau“ auf der Pariser Weltausstellung auftritt.

1913 wird das Dianabad abgerissen und später neu aufgebaut – was sich in den 1970ern wiederholt. 1995 zerstört ein Brand das Gebäude. In einem Neubau eröffnet schließlich das Diana-Erlebnisbad – inklusive Saunawelt.

Stadt fördert sportliches Schwimmen

Pro Jahr zählt es rund 130.000 Besucher. Ein potenzieller Retter für „ihr“ Bad hat bereits abgesagt: die Stadt Wien. Man werde das Dianabad nicht übernehmen, weil teure Investition anstünden, sagt Martin Kotinsky, Sprecher der Wiener Bäder.

Und: „Das Dianabad ist ein reines Spaßbad. Es hat kein Sportbecken und eignet sich nicht für Vereine und Schulen. Zum Planschen gibt es Thermen.“ Soll heißen: Die Stadt will vor allem das sportliche Schwimmen fördern.

Im Vorjahr verzeichneten die 12 städtischen Hallenbäder 1,3 Millionen Gäste – das sind 300.000 mehr, als noch vor zehn Jahren.

Was nicht bedeutet, dass sie beliebter werden: „Wien wächst“, sagt Kotinsky. Insgesamt besuchten im Vorjahr rund 4,6 Mio. Menschen eines der 38 öffentlichen Bäder. Dazu zählt auch das Brausebad in Ottakring, wo man für 2,60 Euro duschen kann. Und vier Saunen. Mit ihnen versucht die Stadt, beim Wellnesstrend mitzumischen.

Eine andere Folge dieses Trends könnte die tägliche Schwimmrunde des Herren im Dianabad sichern. „Sollte es wirklich schließen, fahre ich einfach in die Therme Wien.“