Chronik | Wien 09.05.2018

Auch die neuen Pläne für das Winterthur-Haus sorgen für Kritik

© Bild: Kurier/Gerhard Deutsch

Das Haus der Zurich Versicherung soll fünf Meter von der Kirche abrücken. Dem Platz helfe das nicht.

Einfach hat es niemand, der am Karlsplatz etwas verändern möchte. Auch die nun beschlossene Abrückung des Winterthur-Gebäudes steht bereits in der Kritik. Und auch bei der Platzgestaltung kommen Zweifel auf.

Zur Erinnerung: Vor drei Wochen wurde im Gemeinderat die Finanzierung des Wien-Museum-Umbaus auf Schiene gebracht. Damit konnte vergangene Woche der Flächenwidmungsplan für das Wien Museum und das Winterthur-Gebäude im Gemeinderatsausschuss für Stadtplanung beschlossen werden. 2016 hatte die Zurich Versicherung ja bekannt gegeben, zeitgleich mit dem Wien-Museum-Umbau auch das benachbarte Winterthur-Gebäude sanieren und aufstocken zu wollen. Das sorgte für einen Aufschrei von Stadtbild- und Denkmalschützern: Die Karlskirche würde bedrängt, das Weltkulturerbe gefährdet.

Der nun beschlossene Flächenwidmungsplan stellt einen Kompromiss dar: Das Winterthur-Gebäude kann wie geplant um drei Stockwerke – davon ein zurück versetztes Staffelgeschoß – aufgestockt werden, wird aber fünf Meter von der Karlskirche abrücken. Dieser Plan soll im Juni im Gemeinderat beschlossen werden.

„Sehr eigenartig“

Christian Kühn
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Architekt Christian Kühn von der TU Wien findet diese Maßnahme „sehr eigenartig“. Denn: „Zum einen wird dadurch zwischen Winterthur-Haus und Karlskirche die Ausfahrt der Tiefgarage freigelegt. Zum anderen wird der Blick auf die dahinterliegende Hoyosgasse frei, eine kleine Gasse, die an der nächsten Kreuzung in einer hässlichen Feuermauer endet.“ Beides wäre dem Ensemble des Karlsplatzes nicht zuträglich. Kühn fürchtet, dass mit dem Abrücken nur punktuell auf den Aufschrei der Opposition reagiert wurde – ohne das große Ganze im Blick zu haben. Er ergänzt: „Die Karlskirche ist so stark, dass sie in Ihrem Umfeld keine Symmetrie braucht. (Rechts der Karlskirche ist aktuell drei mal so viel Platz bis zum nächsten Gebäude wie links, Anm.) Meiner Meinung nach rückt das Winterthur-Haus auch bei einer Aufstockung nicht zu nahe an die Kirche.“

Gleichzeitig sorgt ein weiterer Punkt für Irritationen: Die Zurich Versicherung wird die Kosten für die Neugestaltung des öffentlichen Platzes vor den beiden Gebäuden mittragen und nach Fertigstellung auch für dessen Pflege verantwortlich sein.

Karlsplatz, Reportage
© Bild: Kurier/Franz Gruber

Das kritisiert Johannes Pasquali, Obmann der ÖVP Wieden: „Die Stadt lässt sich den teuren Umbau des Museums von einem Privatinvestor mitfinanzieren. Gleichzeitig erhält ein Schweizer Finanzdienstleister (durch den Raumgewinn bei der veränderten Flächenwidmung, Anm.) einen Gewinn in Millionenhöhe.“

Auch Markus Landerer von der Initiative Denkmalschutz meint: „Es ist ein Armutszeugnis für die Stadt, wenn sie sich Platzgestaltung nicht mehr selbst leisten kann.“

Das sieht wiederum Architekt Christian Kühn anders: „Die Zurich Versicherung macht durch die Flächenwidmungsänderung einen Gewinn. Dass sie etwas davon abgibt, indem sie sich an der Platzgestaltung beteiligt, sollte selbstverständlich sein.“

Ein anderer Punkt bereitet Kühn mehr Sorgen: „Mich wundert, dass der Gemeinderat das Budget für den Museumsumbau freigegeben hat, ohne das Projekt gleichzeitig der Öffentlichkeit vorzustellen.“ Kühn fürchtet, dass da noch viele Fragen, auch bezüglich der Kosten, offen sind. „Da sollten die Fakten auf den Tisch.“

( kurier.at , amb ) Erstellt am 09.05.2018