Der Angeklagte sagte: "Ich liebe sie noch"

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Totschlag
12/21/2016

Acht Jahre Haft für Kellner, der seine Ehefrau erdrosselte

Totschlag: Er litt unter ihr und tötete sie mit Gurt. Berufungssenat hob die Strafe um zwei Jahre an.

von Ricardo Peyerl

Die Staatsanwältin hatte beinahe so etwas wie Mitleid mit dem Angeklagten: Seine Ehefrau, die er mit dem Gurt einer Tasche erdrosselt hatte, sei "charakterlich nicht in Ordnung" gewesen.

Tatsächlich hat Neyat Y. in der Ehe gelitten. Sie betrog den Kellner, sie kritisierte ihn, sie nutzte ihn finanziell aus. Der 35-Jährige arbeitete fast rund um die Uhr und bekam dann gesagt, er habe zu wenig Zeit für die Familie.

Als er einmal mit einem der drei gemeinsamen Kinder einen Tag im Prater verbringen wollte, soll die Frau für ihre Zustimmung 2500 Euro von ihm verlangt haben.

Am Schluss behauptete die Slowakin, die drei Kinder seien gar nicht von ihm. Und eine Niete im Bett sei der 35-Jährige auch. Sie kündigte an, sich scheiden zu lassen. Am 7. Oktober 2015 nahm Neyat Y. den Gurt, schlang ihm seiner Frau um den Hals und zog zu. "Ich war außer Kontrolle", sagte er später vor Gericht. Und: "Ich wollte das nicht. Ich liebe sie noch." Er sei doch kein Mörder.

Nach der Tat rief er noch die Rettung und versuchte unter Anleitung eines Notruf-Mitarbeiters vergeblich, seine Frau zu reanimieren. Die Anklage lautete trotzdem auf Mord. Immerhin muss er den Gurt laut Gerichtsmediziner vier Minuten lang zugezogen haben, bis die Ehefrau tot war.

Explodieren

Die Geschworenen aber folgten dem Plädoyer des Verteidigers Timo Gerersdorfer, der eine "allgemein begreifliche, heftige Gemütsbewegung" geltend machte, also Totschlag. Irgendwann einmal könne man schon "explodieren".

Die Mordanklage wurde mit 7:1 Stimmen verworfen, das Urteil fiel mit sechs Jahren Haft (bei bis zu zehn Jahren Strafdrohung) mild aus.

Am Dienstag wurde im Oberlandesgericht Wien der Schlusspunkt gesetzt. Die Staatsanwaltschaft akzeptierte den Schuldspruch wegen Totschlag zwar, forderte für Neyat Y. aber mehr Strafe. Der Berufungssenat kam dem nach und legte zwei Jahre drauf. Als Erschwerungsgründe wurde gewertet, dass es sich beim Opfer um die eigene Frau gehandelt und dass sich diese nicht habe wehren können.

Verteidiger Gerersdorfer empfindet das so, als hätte man den Mord "durch die Hintertür" doch noch ins Urteil miteinbezogen.

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