© APA/Hans Klaus Techt

Wien
03/01/2016

18-Jährige wollte IS-Kämpfer heiraten: Sechs Monate

Die bedingte Strafe für die gebürtige Tschetschenin fiel eher milde aus und ist bereits rechtskräftig.

Am Dienstag ist im Wiener Straflandesgericht der "Terror"-Prozess gegen eine 18-Jährige über die Bühne gegangen, die im Juli 2014 nach Syrien reisen wollte, um dort einen IS-Kämpfer zu heiraten. Die gebürtige Tschetschenin ist wegen Mitwirkung an einer terroristischen Vereinigung verurteilt worden. Die Strafe von sechs Monaten auf drei Jahre bedingt ist bereits rechtskräftig.

Die Verurteilte war am 4. Juli 2014 als Mitglied einer größeren Gruppe an der rumänisch-bulgarischen Grenze aufgegriffen worden. Vor Gericht bestritt die junge Frau jedoch, dass ihr Ziel Syrien gewesen sei. Sie hätte in die Türkei reisen und dort einen jungen Mann heiraten wollen - über dessen Identität sie jedoch überhaupt nichts sagen konnte.

Zurück nach Wien geschickt

Die Angeklagte habe sich der Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) anschließen wollen und sei "als Einzige dieser Gruppe nicht sehr weit gekommen", erklärte hingegen Staatsanwalt Leopold Bien. Sie war damals noch minderjährig und wurde aufgrund dessen von den Grenzbeamten zurück nach Wien geschickt.

Wie Bien in seinem Schlussplädoyer ausführte, hätte er der jungen Frau beinahe geglaubt. Doch Aussagen anderer Terrorverdächtiger sowie eines LVT-Beamten, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit einvernommen wurde, zeichneten ein anderes Bild. Demnach handelt es sich bei der Angeklagten um jene "Schwester Fatima", die in Chats die Ziele des IS vertreten hatte.

Ideologie abgeschworen

Damit soll es jedoch vorbei sein: Der Geschworenensenat unter dem Vorsitz von Norbert Gerstberger glaubte ihr dieser Ideologie abgeschworen zu haben. "Wir haben nicht den Eindruck, dass es sich bei ihr um eine gefährliche Schläferin handelt, die sich auf dem Stephansplatz in die Luft sprengen wird", so der Richter. Ihr Vorhaben reiche jedoch nach der aktuellen Judikatur für eine Verurteilung wegen Mitwirkung an einer terroristischen Vereinigung.

Die gebürtige Tschetschenin war sieben Jahre alt, als ihre Familie aufgrund der Bürgerkriegswirren in den Westen flüchtete. Mittlerweile hat die junge Frau eine eigene Wohnung, ein geregeltes Leben und eine Arbeit - als Kindergartenhelferin in einem islamischen Kindergarten. Um ihr die beruflichen Chancen nicht zu nehmen und weil nur Milderungsgründe vorlagen, fiel die Strafe so milde aus, führte Gerstberger aus. Damit war die junge Frau ebenso einverstanden wie die Staatsanwaltschaft.

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