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Chronik Wien
04/30/2019

16 Banküberfälle in Österreich geklärt: Schwede in Haft

Der Schwede soll für die bewaffneten Überfälle jedes Mal aus dem Ausland nach Österreich gereist sein.

von Birgit Seiser

Die Wiener Polizei konnte Anfang des Jahres eine Raubserie klären, die von einem einzelnen Mann verübt worden sein soll. Der Schwede Olaf S. hatte es vor allem auf Banken abgesehen und laut Kronen Zeitung in ganz Österreich zugeschlagen. Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) machte den Fahndungserfolg höchstpersönlich in einer Pressekonferenz öffentlich. Er verwies auch auf die hohe Aufklärungsquote von Banküberfällen im letzten Jahr, die 75 Prozent beträgt. Österreich sei laut Kickl kein "lukrativer Markt" für Bankräuber.

300.000 Euro Beute

Das erste Mal schlug Olaf S. 2009 in Österreich im 4. Bezirk in Wien zu. Bis 2018 sollten 15 Überfälle in Wien, Linz und Graz folgen. Laut Kriminalist Michael Mimra, suchte sich der Täter immer eher "exotisch liegende Bankfilialen" aus - also solche, die nicht an Hauptverkehrsrouten liegen. Meistens floh er mit einem Fahrrad oder mit dem Taxi vom Tatort. Der Täter hatte hauptsächlich Österreich im Fokus, verübte aber auch Raubüberfälle in Deutschland. Beute machte er vergleichsweise wenig: Insgesamt dürfte er 300.000 Euro bei den Überfällen erbeutet haben.

Täter studierte Deutsch

In seinem Heimatland Schweden und auch in Dänemark war der 54-Jährige kein unbeschriebenes Blatt. Auch dort hatte er in den 90er Jahren mehrere Banküberfälle begangen und saß deshalb auch im Gefängnis. Österreich und Deuschtland dürfte er sich als neues Hauptgebiet ausgesucht haben, weil der Deutsch studiert hat. Deswegen suchten die österreichischen Ermittler anfangs auch nach einem heimischen Täter.

Der entscheidende Hinweis zu Olaf S. kam schließlich nach einer Sendung von Aktenzeichen XY. Ein schwedischer Verbindungsbeamter erkannte den Mann wieder. Festgenommen wurde er schließlich in Berlin. Nach seiner Auslieferung befindet sich Olaf S. seit März in der Justizanstalt Josefstadt. Er ist geständig und gab an, mit dem erbeuteten Geld seinen Lebensunterhalt finaziert zu haben. Der 54-Jährige reiste gerne in Europa und Theiland herum. Zu seinen Coups ist S. aus dem Ausland immer öffentlich angereist.

Hauptsächlich hielt sich der Täter in Berlin auf und machte sich von dort aus zu seinen Überfällen auf. Er benutzte abwechselnd eine Gas- und eine Schreckschusspistole. Eine Anklage liegt laut Staatsanwaltschaft Wien noch nicht vor.

Zwei Raubüberfälle an einem Tag

Gleich zwei Mal innerhalb eines Tages schlug am Montag ein anderer Täter in Graz zu: Ein maskierter und mit einem Messer bewaffneter Mann hat in der Nacht sowie wohl auch Montagvormittag Raubüberfälle versucht. In der Nacht bedrohte er einen Tankstellen-Mitarbeiter, wenige Stunden später zwei Frauen in einer Trafik. Beide Male flüchtete der Täter ohne Beute, teilte die Landespolizeidirektion Steiermark mit.

Kurz vor 2.00 Uhr betrat der Maskierte die Tankstelle am Eggenberger Gürtel. Er hatte das Messer bei sich und forderte vom 51-jährigen Angestellten Geld. Das Opfer leistete allerdings nicht Folge. Daraufhin ergriff der Täter die Flucht in Richtung Stadtzentrum. Eine Fahndung blieb ohne Erfolg, doch nur wenige Stunden später - gegen 10.30 Uhr - dürfte derselbe Mann wieder zugeschlagen haben: Er betrat eine Trafik und bedrohte zwei Angestellte im Alter von 34 und 48 Jahren. Die beiden Frauen schrien laut um Hilfe. Da bekam der Täter Panik und lief davon.

Der Verdächtige ist etwa 20 bis 30 Jahre alt und 1,70 bis 1,75 Meter groß. Da er steirischen Dialekt sprach, dürfte es sich vermutlich um einen Inländer handeln, so die Polizei. Er trug eine dunkelgrüne Kapuzenjacke und darunter rote Kleidung. Außerdem hatte er eine schwarze Jogginghose, dunkle Sportschuhe und weiße Latexhandschuhe an. Über das halbe Gesicht hatte er ein dunkles Tuch gezogen und dazu eine Sonnenbrille aufgesetzt. Er hatte ein 30 bis 50 Zentimeter langes Messer dabei.

Hinweise werden beim Journaldienst des Landeskriminalamts unter 059133/60-3333 erbeten.