Am Kuala Lumpur International Airport schreiben Trauernde Nachrichten an ihre Angehörigen

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Malaysia Airlines
03/13/2014

Wieder falscher Alarm um angebliche Wrackteile

Womöglich sendeten aber die Triebwerke noch Daten. Gerüchte um Sicherheitsprobleme machen die Runde.

Erneut gab es bei der Suche nach der in Südostasien verschwundenen Passagiermaschine einen Hoffnungsschimmer, der nur kurz anhielt. Ein chinesischer Satellit hatte drei "schwimmende Objekte" entdeckt - die im Meer zwischen Vietnam und Malaysia georteten Teile hätten eine Spur zu der am Samstag verschollenen Maschine mit 239 Menschen an Bord gewesen sein können. Kurz darauf entpuppten sich die Teile im Meer aber als falsche Fährte. Bisher hatten sich alle Hinweise auf schwimmende Gegenstände im Meer schon als falsch erwiesen.

Neue Gerüchte lassen indes aufhorchen: Wie AFP berichtet, warnten US-Prüfer Monate vor dem Verschwinden der Maschine vor einem Problem mit der Boeing 777, nachdem sich bei einem Modell im Rumpf unterhalb der Satellitenantenne ein Riss ereignet haben soll. "Risse und Rost" könnten zu Brüchen und zum drastischen Fallen des Kabinendrucks führen. Das wiederum könne schlimme Konsequenzen für Passagiere und Crew haben - etwa Ohnmacht und damit einhergehender Kontrollverlust.

Dazu habe es eine Airworthiness Directive, eine Anordnung zur Flugtauglichkeit, der Federal Aviation Administration (FAA) gegeben, die wiederholte Inspektionen der betroffenen Stelle empfahl.

Beispiele für Flugzeug-Crashs durch Ohnmacht gab es in der Vergangenheit mehrere: Etwa 1999, als ein Learjet mit dem Golf-Profi Payne Stewart in den USA verunfallte, nachdem er mehrere Stunden lang unkontrolliert umher geflogen war. Die Besatzung war durch den Sauerstoffmangel ohnmächtig geworden.

Riss von 40 Zentimetern

Das Thema wird auch im Internet diskutiert, etwa in der malaysischen Online-Community Lowyat. In einem Dokument sei etwa ein rund 40 Zentimeter großer Riss im Rumpf eines 14 Jahre alten Flugzeugs erwähnt. Boeing habe daraufhin eine metallurgische Frakturanalyse durchgeführt, bei anderen alten Fliegern habe man keine Risse gefunden.

Der Luftfahrtkonzern Boeing aber verneinte, dass das Flugzeug der Malaysian Air unter diese Direktive falle. Die Anweisung betrifft Flugzeuge, die in den USA registriert sind. Zudem arbeite man eng mit der FAA zusammen, berichtet Reuters.

Verwirrung um Radar

In diesem Szenario, in dem die Besatzung durch Ohnmacht die Kontrolle verliert, würde der Autopilot weiterfliegen - womöglich einen anderen Weg. Immer wieder tauchten Berichte auf, dass das Flugzeug auch woanders gewesen sein könnte als auf dem eigentlichen Kurs der MH370 von Kuala Lumpur nach Nordosten in Richtung Peking. Zuletzt hatte das malaysische Militär berichtet, dass 45 Minuten nach dem Verschwinden der Malaysia-Airlines-Maschine Hunderte Kilometer weiter westlich ein Flugzeug auf dem Radar gesehen worden sei. Ob es sich dabei um die vermisste Boeing handelte, sei aber unklar, betonte der Chef der Luftwaffe, Rodzali Daud, am Mittwoch vor der Presse in Kuala Lumpur. Ein Militärradar sei nicht in der Lage, Art und Kennung eines Flugzeugs zu identifizieren, sagte Rodzali. Malaysia habe die US-Behörden um Hilfe bei der Analyse der Daten gebeten, sagte Verkehrsminister Hishammuddin Hussein.

Sollte es sich bei der Maschine auf dem Militärradar um die vermisste Boeing 777-200 gehandelt haben, wäre sie allerdings in einem Luftraum mit hohem Verkehrsaufkommen unerkannt mindestens 20 Minuten unterwegs gewesen.

Gab es doch noch Daten?

Auch von anderer Seite gibt es Hinweise. Das vermisste Flugzeug könnte laut Wall Street Journal auch nach dem letzten bekannten Funkkontakt noch vier Stunden geflogen sein. Die Zeitung beruft sich auf zwei Luftfahrt- und Geheimdienstexperten, nach deren Angaben die Triebwerke der Boeing 777-200 entgegen allen bisherigen Angaben doch automatisch Daten funkten.

Malaysias Transportminister allerdings bestritt den Bericht. Vertreter des Flugzeugbauers Boeing sowie des Triebwerk-Herstellers Rolls-Royce, die in Kuala Lumpur bei den Ermittlungen helfen, hätten diese Angaben nicht bestätigt. Das letzte Signal, das die Unternehmen von der um 0.41 Uhr gestarteten Boeing 777-200 aufgefangen hätten, stamme von 1.07 Uhr (Ortszeit) am vergangenen Samstag.

Brach die Boing-777 tatsächlich auseinander?

Ein halbes Jahr vor dem mysteriösen Verschwinden von Flug MH370 aus Malaysia hat die US-Luftfahrtbehörde FAA vor "Rissen und Korrosion" bei Flugzeugen der Boeing-777-Familie gewarnt. Die Probleme könnten zu einem "plötzlichen Druckabfall" in der Kabine oder gar zum "Auseinanderbrechen" des Flugzeugs in der Luft führen, heißt es in einem Entwurf für eine Direktive. Eine Boeing 777-200 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines war am Freitag eine Stunde nach ihrem Start in Kuala Lumpur von den Radarschirmen verschwunden. Trotz fieberhafter Suche fehlt bis heute jede Spur von der Maschine, die 239 Menschen an Bord hatte.

Nun ist auch eine internationale Satelliten-Suche gestartet worden. Auf Bitten Chinas seien Erd-Beobachtungssatelliten mehrerer Staaten zur Verfügung gestellt worden, teilte der Satelliten-Pool am Mittwoch auf seiner Internetseite mit. 15 Weltraumagenturen oder nationale Weltraum-Institute hatten ein Abkommen unterzeichnet, demzufolge im Notfall die Bilder ihrer Satelliten zur Verfügung gestellt werden. Zu den beteiligten Staaten zählen neben den EU-Ländern auch die USA, Japan, China und Indien.

Ausgeweitete Suche

Die Suche hat sich inzwischen auf eine Meeresregion Hunderte Kilometer von der letzten bekannten Position entfernt. Die Suchflugzeuge und Schiffe sind nach vergeblichen Bemühungen im Südchinesischen Meer seit Mittwoch verstärkt im Andamanischen Meer vor der Westküste Malaysias im Einsatz.

Sollte die Maschine dort gefunden werden, wäre sie mehrere hundert Kilometer von ihrem eigentlichen Kurs abgewichen. Das Militär hatte schon am Wochenende in seinen Radaraufzeichnungen einen möglichen Kurswechsel von Flug MH370 entdeckt. Die Boeing sei womöglich umgekehrt, hieß es. Rätselhaft bleibt, warum der Pilot sich dann nicht meldete und warum die Bordcomputer keine Probleme an die Bodenkontrolle funkten. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der letzte Funkspruch aus dem Cockpit angeblich "In Ordnung, gute Nacht" gewesen. Dies erklärte der malaysische Botschafter in Peking bei einem Treffen mit chinesischen Angehörigen der Passagiere, wie die Zeitung Straits Times aus Singapur berichtete.

"Wir sind schockiert"

Unterdessen kamen in Australien skandalöse Geschichten über den Copiloten des verschwundenen Malaysia Airlines-Flugzeugs ans Licht. Der 27-Jährige habe mit ihnen bei einem früheren Flug die ganze Zeit im Cockpit herumgealbert und dort auch geraucht, berichteten zwei Touristinnen Reportern. Beides ist streng verboten. "Wir sind schockiert", teilte die Fluggesellschaft mit. Die Vorwürfe würden sehr ernst genommen, hätten aber noch nicht überprüft werden können.

Die Boeing mit 239 Menschen an Bord war am Samstag verschwunden, kurz bevor sie den vietnamesischen Luftraum erreichen sollte. Bisher galt das Südchinesische Meer zwischen Malaysia und Vietnam als mögliches Absturzgebiet.

Zermürbende Situation für Angehörige

Die US-Firma DigitalGlobe hat aktuelle Satellitenbilder ins Netz gestellt und dazu aufgerufen, die Fotos vom Meer nach Hinweisen auf einen Absturz von Flug MH370 der Malaysia Airways zu durchforsten. Die Geduld der Angehörigen wird durch widersprüchliche Meldungen überstrapaziert. Viele wurden aus Peking nach Kuala Lumpur geflogen.

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