Chronik | Welt
20.04.2017

Vietnam: Dorfbewohner verbarrikadieren sich mit 20 Geiseln

Die Dorfbewohner protestieren damit gegen die Enteignung ihres Landes durch die Behörden.

Im Norden Vietnams haben Dorfbewohner 20 Polizisten und kommunale Würdenträger als Geiseln festgehalten, um gegen die drohende Enteignung ihres Landes durch die Behörden zu protestieren. Eine Sprecherin der Dorfbewohner drohte am Donnerstag mit Gewalt gegen die Geiseln, sollte die Polizei eine Befreiungsaktion starten. Zudem verbarrikadierten sich die Einwohner.

Für das kommunistische südostasiatische Land, in dem die Behörden sich häufig rabiat Grund und Boden für Baumaßnahmen aneignen, ist der Protest ein ungewöhnlicher Vorgang.

Geiselnahme begann am Samstag

In dem rund 50 Kilometer von Hanoi entfernten Dorf My Duc sollen die Bewohner Boden für die von der Armee gehaltene Telekommunikationsgesellschaft Viettel abgeben. Aus Protest dagegen hatten die Dorfbewohner am Samstag insgesamt 38 Polizisten und kommunale Vertreter als Geiseln genommen. Drei konnten flüchten, 15 weitere wurden am Montag freigelassen.

Die 20 noch festgehaltenen Geiseln würden gut behandelt, sagte die Dorfbewohnerin, die namentlich nicht genannt werden wollte. Die Gefangenen erhielten ausreichend Nahrung und saubere Kleidung. Sollte die Polizei aber eine Befreiungsaktion starten, dann würden die Dorfbewohner vor Gewalt nicht zurückschrecken. Die Unterkünfte der Geiseln, um die herum der Boden mit Öl getränkt worden sei, würden bei einem Polizeieinsatz angezündet, sagte sie.