Der deutsche Reisepass wird künftig ohne "geb." auuskommen müssen.

© dapd/Mario Vedder

Deutschland
10/03/2014

"Dr. Geb.": Verwirrung um Namen im Pass

Ein Deutscher klagte, der EuGH entschied: Der Namenszusatz in Reisepässen ist zu verwirrend.

In Österreich ist es der „Mag.“ oder der „Dr.“, im besten Fall sogar der „DDDr.“, der im Ausweis neben dem eigenen Namen stehen darf und oft Irritationen provoziert. In Deutschland ist es zusätzlich der Geburtsname im Reisedokument, der im Ausland regelmäßig für Verwirrung sorgt.

So erging es auch einem Geschäftsmann aus Karlsruhe: Meist waren die Zollbeamten nämlich höchst irritiert, wenn sie in seinen Reisepass schauten. Da stand nämlich bislang sein Name - Dr. U. (ausgeschrieben) und dahinter „geb.“ für „geboren“ plus sein Geburtsname. Herauskam in den Beamten ausgefüllten Behördenformularen oft eine völlig neue Namenskreation: Mal hieß der Mann „Herr Geb“, mal sogar „Dr. Geb.“. Von seinem echten Namen keine Spur.

Geschäft geplatzt

„Das hat dramatische Folgen für meinen Mandanten“, sagt sein Anwalt Rico Faller. Einmal platzte deshalb sogar ein Geschäft: Der Unternehmer wollte in seinem Hotel Geschäftspartner treffen, doch als diese an der Rezeption mit seinem Geburtsnamen nach ihm fragten, erhielten sie die Auskunft, es gebe nur einen deutschen Hotelgast mit einem anderen Namen. Prompt glaubten die Interessenten an einen Betrüger und brachen den Kontakt ab. „Das führt die Funktion eines Reisepasses ad absurdum“, sagt sein Anwalt Faller. Vor allem in weit entfernten Ländern außerhalb Europas: „Wie wollen Sie einer Behörde auf Sri Lanka erklären, dass der Name im Pass gar nicht der richtige ist?“, fragt der Anwalt.

Herr U. war die Scherereien auf seinen Reisen irgendwann satt und beantragte bei der Stadt Karlsruhe eine Änderung seines Passes. Und zwar so, „dass auch für Nicht-Deutsche klar und unmissverständlich zum Ausdruck komme, was sein richtiger Name sei“, heißt es in der Klage. Der Unternehmer argumentierte, dass seine Grundrechte verletzt würden, „weil der Grundrechtsschutz auch den Schutz des Namens und der Identität beinhaltet“.

Ende des „geb.“

Als die Stadt sich weigerte, klagte der Geschäftsmann 2011 - und konnte nun einen Erfolg verbuchen. Nach Ansicht der Luxemburger Richter muss das Kürzel „geb.“ aus deutschen Reisepässen verschwinden. Zudem soll der Geburtsname in einem Feld erscheinen, das nicht nur in Deutsch, sondern auch noch in einer anderen Sprache (etwa Englisch oder Französisch) bezeichnet wird. Vorbild ist das Namens-Feld mit dem dreisprachigen Titel „Name/Surname/Nom“.

Somit könnten Reisepässe in Deutschland bald ganz anders aussehen – allerdings nur dort, denn in Europa ist die deutsche „geb.“-Bezeichnung ziemlich einmalig. In Deutschland ist seit 1993 geregelt, dass Eheleute einen gemeinsamen Familiennamen (Ehenamen) tragen sollen. Der Partner, der bei der Namenswahl nachgegeben hat, kann seinen Geburtsnamen dann voranstellen oder hinzufügen. In Österreich sind Doppelnamen möglich, der Reisepassinhaber hat die freie Wahl.

Unverständlich

Für viele Deutsche, die im Ausland leben, wäre das allerdings eine ziemliche Erleichterung. Egal ob sie dort zum Arzt müssen oder eine Versicherung abschließen wollen - immer wenn sie ihren Reisepass vorlegen, beginnen die Schwierigkeiten. In Internetforen klagen Vielreisende und Auslandsdeutsche - zumeist Frauen - ihr Leid über „den blöden Zusatz mit dem Geburtsnamen“. So schreibt Silke, die den Namen ihres japanischen Ehemanns angenommen hat, auf der Seite „Embjapan - die Japan-Community im Internet“: „Dann müssen wir immer ewig lang rumerklären. (...) Das versteht hier in Japan niemand, gibt's hier wohl auch gar nicht.“ Oft passe der Name inklusive „geb.“ und Geburtsnamen gar nicht auf Anmeldeformulare, klagen andere.

Ist Ihnen Ähnliches mit einem Magister oder Doktor im Ausweis passiert? Schildern Sie Ihre Erlebnisse in den Kommentaren!

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