Verschwörungs­the­o­rien rund um 9/11

Es gibt gängige Theorien, die immer wieder im TV, in Büchern und vor allem im Internet behandelt werden. Eine Auflistung.

Bin Laden lebt noch
Verschwörungstheoretiker in aller Welt sind sich sicher: Osama bin Laden ist gar nicht tot. Hauptindiz: Die Seebestattung. Warum sollten die USA den einzigen wirklichen Beweis für Bin Ladens Tod - seine Leiche - im Meer versenken, fragen User in unzähligen Internetforen und geben gleich selbst die Antwort: Weil es sich bei dem Toten nicht um Bin Laden handelte, oder weil es gar keine Leiche gab. Dafür spreche auch die Mimik von US-Präsident Obama bei der Verkündung von Bin Ladens Tod: Er habe ständig geblinzelt, was auf eine Lüge hindeute. Auch von DNA-Tests und möglichen Fotos wollen sich die Verschwörungsfans nicht von ihrer Überzeugung abbringen lassen. Bin Laden ist CIA-Agent
Aber wo ist Bin Laden, wenn er noch lebt? Diese Frage entzweit die Gemeinschaft der Verschwörungstheoretiker. Die einen orten ihn in einem geheimen US-Gefängnis, in dem er gefoltert werde, die anderen in einer luxuriösen Villa irgendwo in den USA - auf freiem Fuß. Grund: Bin Laden sei in Wirklichkeit ein Agent des Geheimdienstes CIA, der bei den Terroranschlägen des 11. September 2001 gemeinsame Sache mit den USA gemacht habe und dessen angeblicher Tod die "9/11-Lüge" aufrechterhalten solle. Für die Kooperation zwischen dem Terrorpaten und der US-Regierung würden u. a. frühere Verbindungen zwischen dem Bin-Laden-Clan und der Familie von Ex-Präsident Bush sprechen. Die USA sind El Kaida
Manche Verschwörungstheoretiker gehen noch weiter: Für sie gibt es weder Bin Laden noch die El Kaida wirklich. Beide seien von den USA nach dem Kalten Krieg als neuer Feind erfunden worden, um weltweite Militäreinsätze zur Sicherung der US-Vormachtstellung und den Einmarsch in erdölreiche Länder wie den Irak rechtfertigen zu können. Die von Bin Laden veröffentlichten Videos seien allesamt Fälschungen. Um einen konkreten Anlass für die Kriege in Afghanistan und im Irak zu haben, habe man die Terroranschläge von 9/11 inszeniert. Vorbild: Der angeblich ebenfalls inszenierte japanische Angriff auf Pearl Harbor 1941, der zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg führte. Für eine US-Inszenierung der Anschläge in New York und Washington sprechen angeblich mehrere Punkte. So habe Bush völlig unberührt gewirkt, als er von den Angriffen erfahren habe. Zudem hätte der Einschlag der Jets in die Türme des World Trade Centers nie ausgereicht, um sie einstürzen zu lassen - weshalb Sprengladungen oder kleine Atombomben in den Gebäuden versteckt gewesen sein müssen. Auch seien die für den Absturz einer Boeing 757 "viel zu geringen" Schäden am Pentagon und das Fehlen großer Flugzeugtrümmer verdächtig gewesen. Die Verschwörungstheoretiker vermuten einen Beschuss mit Marschflugkörpern oder den Einsatz eines sprengstoffbeladenen Lkw. Auch auf hoher politischer Ebene sind Verschwörungstheorien gängig: Die USA hätten die Angriffe auf das World Trade Center in New York inszeniert, um das "zionistische Regime" - gemeint ist Israel - zu retten und den Verfall der amerikanischen Wirtschaft zu stoppen. Mit dieser Aussage sorgte der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Vorjahr für einen Eklat in der UNO-Vollversammlung. Er ist nicht der einzige Staatsmann, der sich unter die Anhänger von Verschwörungstheorien reiht. Auch andere Gegner der USA wie Kubas Revolutionsführer Fidel Castro oder der venezolanische Präsident Hugo Chavez haben öffentlich Zweifel geäußert, ob nicht "das amerikanische Imperium" die Anschläge "inszeniert" hat. Aber auch in den eigenen Reihen sind Theorien entstanden. So forderten im Jänner die USA die Entlassung ihres eigenen Mannes als Sondergesandter des UNO-Menschenrechtsrates für die palästinensischen Autonomiegebiete: Richard Falk habe in seinem Internetblog geschrieben, dass die Anschläge vom 11. September von der US-Regierung eingefädelt, ausgeführt und später verschleiert worden seien, so der Vorwurf. Der Jus-Professor, der das Vorwort zum Buch "The New Pearl Harbor: Disturbing Questions About the Bush Administration and 9/11" des Amerikaners David Ray Griffin geschrieben hat, bestritt das und ist bis heute auf seinem Posten. Er habe lediglich betont, dass die Untersuchungen bei Attentaten "transparent, umfassend und ehrlich" sein müssten. Im November 2005, als der von den USA ausgerufene "Krieg gegen den Terror" mitten in Gange war, trafen sich die Verschwörungstheoretiker sogar zu einem Kongress in Brüssel. In der Abschlusserklärung war von einer "Militärkoalition" die Rede, die sich in die "grenzenlose Ausbeutung der weltweiten Energieressourcen" gestürzt habe. Internetforen sind ohnehin voll mit Diskussionen über eine 9/11-Verschwörung. Eine vor drei Jahren durchgeführten WorldPublicOpinion-Umfrage mit mehr als 16.000 Teilnehmern zeigte, dass nur in 9 von 17 Ländern eine Mehrheit davon überzeugt war, dass die Al-Kaida die Anschläge verübte.
(KURIER/KURIER.at/APA) Erstellt am
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