Monsignor Lucio Angel Vallejo Balda und Francesca Chaouqui.

© APA/AFP/UMBERTO PIZZI

Vatikan
11/30/2015

Vatileaks II: Prälat gesteht Beziehung zu PR-Agentin

Francesca Chaouqui bestreitet alles und erbittet sich mehr Zeit - Prozess vertagt.

Der Prozess gegen fünf Personen wegen unerlaubter Veröffentlichung vertraulicher Dokumente über finanzielle Missstände im Vatikan ist am Montag fortgesetzt und kurz daraufhin auf den 7. Dezember vertagt worden. Dies berichtete der mitangeklagte Journalist Gianluigi Nuzzi laut italienischen Medien.

Das vatikanische Gericht habe beschlossen, einem Antrag der Anwältin der angeklagten italienischen PR-Agentin Francesca Chaouqui nachzugeben, die mehr Zeit für die Vorbereitung der Verteidigung gefordert hatte, berichtete Nuzzi. Ursprünglich hatten Vatikan-Insider mit einem Urteil in dem Prozess vor dem am 8. Dezember beginnenden Jubiläumsjahr gerechnet.

Prälat gesteht Beziehung zu Chaouqui - Klage

Noch bevor der Prozess fortgesetzt wurde, gab es neue Gerüchte in der "Vatileaks 2"-Affäre. Der inhaftierte Prälat Lucio Angel Vallejo Balda soll laut der römischen Tageszeitung La Repubblica (Montagsausgabe) eine Affäre zu einer PR-Agentin gestanden haben.

Vallejo Balda soll laut dem Blatt gegenüber den Ermittlern zugegeben haben, eine sexuelle Beziehung zu Chaouqui gehabt zu haben. Laut Balda hatte seine Geliebte Kontakte zu italienischen Geheimdiensten. Er selber habe dem Papst Chaouqui als Mitglied der Prüfungskommission der vatikanischen Finanzen COSEA vorgeschlagen, berichtete Repubblica.

Chaouqui kündigte daraufhin eine Klage gegen den inhaftierten Prälat Lucio Angel Vallejo Balda an. Balda wolle sie aus Rache verleumden, sagte Chouqui zu Repubblica.

Psychiatrisches Gutachten abgelehnt

Das vatikanische Gericht lehnte unterdessen die Forderung der Rechtsanwälte Baldas ab, den spanischen Monsignore einem psychiatrischen Gutachten zu unterziehen. Dieser befindet sich seit einem Monat in einer Zelle der vatikanischen Gendarmerie in Untersuchungshaft.

Anklage gegen fünfte Person

Anklage wurde zudem gegen eine fünfte Person, Nicola Maio, erhoben, der wie Chaouqui und Balda früherer Mitarbeiter der Cosea-Kommission ist. Die drei werden beschuldigt, eine "kriminelle Vereinigung" mit dem Ziel der Veröffentlichung von Dokumenten gebildet zu haben, die "wesentliche Interessen des Heiligen Stuhls und des Staates betreffen", heißt es im Vatikan-Dokument, mit dem der Prozess gegen die fünf Angeklagten beschlossen wurde. Den Prozess führt Gerichtspräsident Giuseppe Dalla Torre zusammen mit drei weiteren Richtern.

Nuzzi wirft dem Vatikan in seinem jüngsten Buch "Alles muss ans Licht" vor, ein System von Korruption, Günstlingswirtschaft, Privilegien und Geldwäsche zu unterhalten. Gegen ihn und Fittipaldi leitete die vatikanische Justiz ein Verfahren wegen "möglicher Beihilfe zur Verbreitung vertraulicher Informationen und Dokumente" ein. Nuzzi bezeichnete den Prozess am Montag als "surreal". "Ich habe keinerlei Verbrechen begangen. Daher will ich freigesprochen werden. Sollte ich verurteilt werden, würde ich keine Begnadigung akzeptieren", kommentierte der Journalist.

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