Wie im Hörsaal: Zwei Wochen lang reden Bischöfe aus aller Welt über die geänderten Lebensrealitäten in Ehe und Familie.

© APA/EPA/CLAUDIO PERI / POOL

Vatikan
10/06/2014

Papst eröffnet Familiensynode

Vor dem Petersdom herrschte Feststimmung: In Scharen strömten Gläubige aus aller Welt, darunter viele Familien mit Kindern, gestern, Sonntag, auf den Petersplatz.

Papst Franziskus hat die Bischofssynode mit einem eindringlichen Appell eröffnet: In seiner Predigt forderte er die 191 Bischöfe, die bis 19. Oktober hinter verschlossenen Türen über Ehe und Familie beraten, auf, auf die geänderten Lebensrealitäten der Familien einzugehen. Österreich wird durch den Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn vertreten.

Solche Versammlungen seien nicht dazu da, „schöne und originelle Ideen zu diskutieren oder zu sehen, wer intelligenter ist", warnte der Papst vor internen Machtkämpfen. Es gehe darum, sich „um die Familie zu kümmern" und an Gottes "Plan der Liebe für sein Volk mitzuarbeiten. Der Papst machte aber auch deutlich, dass die geltende kirchliche Lehre hierbei nicht das alleinige Kriterium sein dürfe. Im Vorfeld der Synode kam es zu einem Tauziehen zwischen konservativen Kardinälen, die jegliche Öffnung in Ehe- und Familienfragen ablehnen, und liberalen Kreisen. Mit einer nächtlichen Gebetswache auf dem Petersplatz, an der sich zehntausende Gläubige beteiligten, wurde die Synode eingeleitet.

Auch über Twitter bat Franziskus um Unterstützung: „Während wir die Synode über die Familie antreten, wollen wir den Herrn bitten, uns den Weg zu zeigen.“ Der Papst ermunterte die verantwortlichen Bischöfe zu einem „ehrlichen, offenen und brüderlichen Dialog“. Die Geistlichen werden auch von Laien beraten, darunter einigen Ehepaaren, die von ihren Alltagserfahrungen berichten. Grundlage für die Synode ist ein Arbeitspapier, in das die Umfrageergebnisse der weltweiten Glaubensbefragung, die der Papst in Auftrag gab, einflossen.

Die Öffentlichkeit soll täglich über den Verlauf der Beratungen informiert werden. Bei der Familiensynode wird über Ehe ohne Trauschein, Geburtenkontrolle, Patchwork-Familien, wiederverheiratete Geschiedene bis hin zu Homo-Ehe und Abtreibung debattiert.

Konkrete Beschlüsse sind von diesem Treffen noch keine zu erwarten. Für Herbst 2015 ist die nächste Weltbischofssynode anberaumt. Auf dem Petersplatz wurden Ausgaben der Bibel kostenlos an Besucher verteilt. Beim Angelus-Gebet rief der Papst dazu auf, sich vom „Wort Gottes“ bereichern zu lassen. Die Bibel sei allerdings kein Einrichtungsgegenstand: „Es braucht die Bibel nicht, um sie in ein Regal zu stellen, sondern um sie an der Hand zu haben und oft in ihr zu lesen.“

Bilder der Eröffnung

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