Diese beiden Journalisten wurden ermordet. Viele sahen die Tat via Social-Media-Autoplay.

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Virginia
08/27/2015

USA: Todesschüsse während einer Live-Sendung

Reporterin und Kameramann wurden getötet. Der Schütze stellte auf der Flucht ein Video der Tat online.

Eine Reporterin und ein Kameramann sind in den USA während einer Live-Fernsehsendung erschossen worden. Die Schüsse trafen die 24-jährige Alison Parker und den 27-jährige Adam Ward am Mittwoch aus nächster Nähe bei einem Interview, wie ihr Sender WDBJ7 mitteilte. Der Schütze, offenbar ein frustrierter Ex-Kollege, stellte noch Videos seiner Tat online. Er wurde schließlich festgenommen und starb im Krankenhaus an den Schussverletzungen, die er sich auf der Flucht selbst zugefügt hat.

Das tödliche Drama ereignete sich gegen 06.45 Uhr Ortszeit. Reporterin Alison Parker interviewte gerade lächelnd in einer Ferienanlage in Moneta im östlichen US-Bundesstaat Virgina eine Frau zum Thema Tourismus, als der Schütze auftauchte. In der Live-Schaltung für die morgendliche Nachrichtensendung des Lokalsenders waren plötzlich Schüsse und Schreie zu hören, dann fiel die Kamera zu Boden. Während die Kamera weiterlief - dabei waren die Beine des Schützen zu sehen - fielen mindestens acht weitere Schüsse. Die Kamera fing noch ein verschwommenes Bild von dem dunkelgekleideten Schützen auf, dann schaltete der Sender zu der geschockten Moderatorin ins Studio.

Video von der Bluttat im Internet
Parker (links) schreit als die ersten Schüsse fallen. Kurz darauf ist sie tot.
https://images.spunq.telekurier.at/46-72244980.jpg/149.220.705
/WDBJ7
Virginia shooting…
Virginia shooting
Der mutmaßliche Schütze stellte später Videos von seiner Bluttat ins Internet. Darauf ist der Täter zu sehen, wie er eine Pistole schwingt und dann auf die Reporterin zielt. Niemand scheint dies zu bemerken, weil der Kameramann ihm mit dem Rücken zugewandt steht und die Reporterin auf ihr Interview konzentriert ist. Dann werden acht Schüsse auf die Reporterin abgefeuert, die zu flüchten versucht

Das Twitter-Konto, auf dem das Video zu sehen war, wurde nach kurzer Zeit gesperrt. Unter diesem Namen hatte der 41-jährige Vester Lee Flanagan für den Sender gearbeitet. "Alison hat rassistische Kommentare gemacht", twitterte er nach der Tat. Anscheinend beschwerte er sich auch darüber, dass die Journalistin angestellt und er nicht weiterbeschäftigt worden sei.

"Schwieriger Mensch"

WDBJ-Manager Jeff Marks sagte Fox News, der 41-Jährige sei ein schwieriger Mensch gewesen, mit dem man nicht gut habe zusammenarbeiten können. Er habe sich schlecht behandelt gefühlt, an seien Vorwürfen sei aber nichts dran gewesen. Er habe zwei Jahre für den Sender gearbeitet. Der Sender ABC erhielt nach eigenen Angaben ein 23-seitiges Fax von jemandem mit dem Namen des Mannes. ABC bezeichnete das Fax als "eine Art Manifest" und übergab es den Behörden.

Flanagan schickte aber offenbar auch eine Art Manifest an den Sender ABC, der nach eigenen Angaben dies per Fax fast zwei Stunden nach der Schießerei erhielt. Darin beschreibe der Autor, dass er als Schwarzer und Homosexueller "Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Schikane bei der Arbeit" habe erleiden müssen. Nach der Schießerei in einer Kirche in Charleston im Juni, in der neun Schwarze getötet wurden, sei dies in Wut umgeschlagen.

Flanagan wurde später von der Polizei in einem Fahrzeug aufgespürt, wollte sich aber nicht kontrollieren lassen. Er habe "sich geweigert anzuhalten und hat beschleunigt", berichtete Rick Garletz von der Polizei Virginia. Wenig später sei Flanagan von der Straße abgekommen und mit einer Schusswunde, die er sich selbst zugefügt habe, aufgefunden worden. Im Krankenhaus sei er gestorben.

Der Leiter von WDBJ7, Jeffrey Marks, hatte kurz nach der Tat live iden Tod seiner Mitarbeiter bekannt gegeben. Die Verlobte des Kameramanns habe vom Kontrollraum aus die Schießerei direkt miterleben müssen. Der Freund von Parker, Chris Hurst, der als Moderator ebenfalls für WDBJ7 arbeitet, erklärte via Twitter, er sei "wie betäubt". Er und Parker hätten heiraten wollen. Schwer verletzt wurde bei der Schießerei auch die Interview-Partnerin des Fernsehteams.

Das Weiße Haus in Washington rief nach der Bluttat den Kongress auf, endlich Gesetze zur strengeren Waffenkontrolle zu billigen. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte auf Twitter, "die Gewalt mit Handfeuerwaffen zu beenden".

https://twitter.com/mashable/status/636553989476249601
Mashable (@mashable

Der Schütze wurde laut Polizei auf einer Autobahn von der Polizei aufgespürt; eine Fahrzeugkontrolle verweigerte der Mann, er gab stattdessen Gas. Einige Minuten später kam sein Auto von der Fahrbahn ab und wurde schwer beschädigt. Die Polizisten fanden den Mann in dem Wagen mit einer Schusswunde vor, er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er seinen schweren Verletzungen erlag . Er hat sich offenbar um einen Suizid gehandelt.

Die Tat heizte erneut die Debatte in den USA über das Waffenrecht an. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton rief per Twitter dazu auf, "die Gewalt mit Handfeuerwaffen zu beenden".

https://twitter.com/HillaryClinton/status/636562456618381312
Hillary Clinton (@HillaryClinton

Weißes Haus für schärfere Waffengesetze

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Mitarbeiter eines US-Fernsehsenders hat das Weiße Haus dringende Maßnahmen zur Verschärfung der Waffengesetze angemahnt. "Das ist ein weiteres Beispiel für Waffengewalt, die allzu alltäglich in kleinen und großen Gemeinden in den Vereinigten Staaten wird", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, am Mittwoch.

Den Kongress rief er nach dem tödlichen Drama während einer Live-Fernsehsendung auf, Gesetze zur strengeren Waffenkontrolle zu billigen. US-Präsident Barack Obama hatte gesagt, das Scheitern schärferer Waffengesetze sei für ihn die größte Quelle der Frustration in seiner Amtszeit. Die USA bezeichnete er als die einzige fortschrittliche Nation der Welt, in der es nicht genug Sinn für Gesetze zur Waffensicherheit gebe. Eine bedeutende Anzahl von US-Bürgern, unterstützt von einer starken Waffenlobby, lehnt aber jegliche Verschärfungen ab.

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