„This land ist your land, this land ist my land ...“ Das Recht auf Freiheit nehmen sich nicht nur Viehzüchter, sondern auch ihre schwer bewaffneten Unterstützer in Nevada

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Streit ums Land
04/26/2014

Wie der Wilde Westen heute tickt

Ein rassistischer Viehzüchter wurde zum zeitweiligen Helden der Ultrakonservativen.

Noch bis vor Kurzem feierte ihn das konservative Amerika als Nationalhelden: Der Rancher Cliven Bundy ist für sein Vieh und seine Freiheit gegen die US-Regierung aufgestanden. Seitdem er aber in einem Interview für die New York Times diese Woche die Afro-Amerikaner "Neger" nannte, ist sein Stern im Untergehen. Einer von Bundys wichtigsten Befürwortern, der ultrakonservative republikanische Senator Rand Paul aus Kentucky, distanzierte sich prompt. "Seine rassistischen Aussagen sind beleidigend", sagte der Senator. Das muss man auch aus dem politischen Winkel sehen: Paul hat ein Auge auf den Präsidentschaftswahlkampf 2016 geworfen.

Seit Wochen hält der Fall Bundy das konservative Lager in Atem. Alles begann wie in einem Hollywood-Western: Irgendwo in der Wildnis des Bundesstaates Nevada versammelten sich Anfang April Dutzende Männer mit Cowboy-Hüten und richteten auf ihren Pferden sitzend die Gewehre auf die Polizei. Ein shoot-out ist im letzten Moment vermieden worden, weil die Staatsgewalt versprach, dem Rancher Cliven Bundy das Vieh zurückzugeben. Dass die Regierung es zuvor einkassiert hatte, trieb den Streit zwischen Cowboys und Staat auf die Spitze.

Jahrzehntelang grasten Bundys Rinder auf öffentlichem Land neben seiner Ranch in Nevada. 1993 verlangte der Staat von ihm Steuern dafür. Bundy weigerte sich, zu zahlen. Da seine Familie seit 1877 in dieser Gegend Tiere gehalten habe, stünde seiner Herde auch das Recht auf freies Grasen zu, erklärt der Rancher. Washington sieht es anders: Bundy schulde etwa eine Million Dollar an Steuern für die Landnutzung. Der Rancher blieb stur und die Behörden konfiszierten am Ende sein Vieh. Doch dann eilten ihm sogleich Verteidiger der amerikanischen Freiheit aus dem ganzen Land gegen die Polizei zur Hilfe.
Bundy ist kein Einzelfall, und sein Problem ist auch nicht neu für die USA. "Seit den 1990er- oder vielleicht sogar den 80er-Jahren gibt es im Westen der USA definitiv eine Tendenz zu dem, was ich als illegale Beschlagnahmung von Vieh bezeichne. Bundy ist das jüngste Beispiel dafür", sagte der 84-jährige Rancher Raymond Yowell, auch aus Nevada, im erzkonservativen Sender Fox News. Seine 132 Rinder hat man 2002 beschlagnahmt und verkauft, um seine ausstehenden Steuern zu zahlen.

Dabei geht es um mehr als das Recht auf kostenloses Grasen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie groß die Rolle der Bundesregierung im Leben der Amerikaner sein soll und darf. So sehen Republikaner schon die allgemeine Krankenversicherung als Verstoß gegen das Recht auf Freiheit.

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