Chronik | Welt
20.04.2018

Streiks an US-High-Schools wegen Waffengewalt

Ausstände nach Massaker in Parkland und anlässlich Columbine-Jahrestag. Studie: Schießereien an US-Schulen nehmen rasant zu.

Mit einem ganztägigen Streik wollen in den USA am Freitag Tausende Schüler gegen Waffengewalt protestieren und für härtere Gesetze eintreten. Unter dem Motto "Genug ist genug" beginnen die landesweiten Ausstände um 10.00 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MESZ).

Der Streik reiht sich gut neun Wochen nach dem Schulmassaker von Parkland in eine Kette von Protesten. Am 14. Februar hatte in Florida ein 19-Jähriger 14 Schüler und drei Erwachsene erschossen. Daraus entstand ein breites Bündnis protestierender junger Menschen.

Die Ausstände am Freitag gehen auf die 16 Jahre alte Initiatorin Lane Murdock aus Connecticut zurück. Was sie als Reaktion auf das Attentat von Parkland mit einer Online-Petition auf der Plattform change.org startete, mündet nun in rund 2.500 angemeldete Veranstaltungen. Die Petition wurde von deutlich mehr als 250.000 Menschen unterzeichnet.

19 Jahre nach Columbine-Massaker

Am Freitag jährt sich außerdem das Massaker an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado zum 19. Mal. Im Jahr 1999 hatten zwei Teenager zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen. Anschließend töteten sie sich selbst.

Zu Beginn der Ausstände am Freitag sollen 13 Sekunden der Stille stehen, je eine für alle Getöteten von Columbine. Die Protestierenden sind aufgerufen, orangefarbene Kleidung zu tragen.

Die Schüler werfen der Politik vor, dass sie auch nach Parkland trotz vieler Versprechen keine durchgreifenden Änderungen der Gesetzgebung durchgesetzt hat. Jedes Jahr sterben in den USA viele Tausend Menschen durch Waffengewalt. Schulen werden wiederholt Ziel von Attentaten.

Schießereien an US-Schulen haben massiv zugenommen

Schießereien an US-Schulen haben einer Studie zufolge in den vergangenen zwei Jahrzehnten rasant zugenommen. In den vergangenen 18 Jahren seien dabei mehr Menschen als im gesamten 20. Jahrhundert getötet worden, heißt es in der am Donnerstag im "Journal of Child and Family Studies" veröffentlichten Untersuchung.

In die Statistik aufgenommen wurden dabei Schießereien, bei denen mindestens ein Schütze absichtlich mindestens vier Menschen getötet oder verletzt hat. Untersucht wurden nur entsprechende Taten an Schulen für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren seit 1940. Schießereien von Banden oder an Universitäten wurden nicht berücksichtigt.

Bis 1940 habe es keine derartigen Massenschießereien an Schulen gegeben, heißt es in dem Bericht. 1940 gab es demnach eine solche Schießerei, in den 50er und 60er Jahren gab es keine entsprechenden Taten. 1979 erschoss eine 16-Jährige dem Bericht zufolge zwei Erwachsene und verletzte acht Schüler und einen Erwachsenen in einer Volksschule. Seither hätten derartige Schießereien stetig zugenommen.

In den 90er Jahren wurden der Studie zufolge 36 Menschen bei 13 Schulschießereien getötet. Von 2000 bis 2018 zählten die Studienautoren 66 Tote bei 22 Massenschießereien an US-Schulen. Dies sei mehr als in den sechs Jahrzehnten von 1940 bis 1999, als bei 22 Schießereien an Schulen 55 Menschen getötet worden seien.

Als alarmierend bezeichneten die Autoren zudem die Tatsache, dass die große Mehrheit der Schützen im 21. Jahrhundert Heranwachsende gewesen seien. Dies deute darauf hin, dass es inzwischen einfacher für sie sei, an Waffen zu kommen und sie möglicherweise öfter an psychischen Problemen litten.