Erst hatte es geheißen, dass der Elefant nach Hodenhagen ziehen wird (Bild: Elefanten-Fußball im Serengeti-Park in Hodenhagen)

© dapd/Joerg Sarbach

Spaziergänger getötet
06/14/2015

Neues Zuhause für Zirkuselefanten

Elefantenkuh siedelt um. Tierschützer fordern unterdessen ein Verbot von Tieren im Zirkus.

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Spaziergänger in Baden-Württemberg soll die Elefantenkuh umziehen. In den Serengeti-Park im niedersächsischen Hodenhagen wird das 34-Jährige Tier aber doch nicht einziehen, korrigierte die dpa am Sonntag eine zuvor verbreitete Meldung. "Es geht in einen anderen Park", wurde ein Polizeisprecher zitiert. Den Namen des Tierparks wollte der Beamte nicht nennen: "Sonst geht es dort ab mit den Tierschützern."

Wie der 34 Jahre alte ausgerissene Zirkuselefant in Buchen im Odenwald aus seinem Zelt entkommen konnte, war nach wie vor unklar. "Wir wissen um die Umstände", sagte Sepe über das Tier. Hier im Park könne man mit der Elefantenkuh vielleicht sogar Zuchterfolge haben. In jedem Fall werde sie sich bei dem Elefantenbullen im Park schnell beruhigen.

Tierschützer fordern Verbot von Tieren im Zirkus

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" forderte unterdessen ein Wildtierverbot für Wanderzirkusse. "Bewegungsmangel und permanenter Stress führen häufig zu Verhaltensstörungen bei den Tieren, zu deren Folgen aggressives Verhalten gehört", sagte der Wildtierexperte der Organisation, Thomas Pietsch, laut Mitteilung. In Zirkussen in Europa und Nordamerika seien seit 1980 mindestens 52 Menschen von Elefanten getötet und fast 150 teilweise schwer verletzt worden. Der tragische Unfall müsse für alle Zirkusse Anlass sein, ihre Sicherheitskonzepte zu überprüfen und über ein Auslaufen der Haltung gerade gefährlicher Wildtiere nachzudenken, gab der deutsche Experte zu bedenken.

Auch die Tierrechtsorganisation "Peta" fordert ein Verbot von Tieren im Zirkus. Die Unterbringung in kleinen Gehegen, die Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur würden zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod führen, sagen Peta-Experten.

Wegen der der Gefährlichkeit des Tieres hatte Peta sich nach eigenen Angaben wegen bereits an das Innenministerium, das Umweltministerium, die Regierungspräsidien und zahlreiche Veterinärbehörden in Baden-Württemberg gewandt - mit der Aufforderung, das Tier aus dem Zirkus zu nehmen. Die Organisation kündigte nun an, Strafanzeigen wegen fahrlässiger Tötung gegen Behörden und Zirkusverantwortliche zu erstatten. „Elefanten und andere Wildtiere werden im Zirkus gequält und misshandelt - das macht sie zu tickenden Zeitbomben“, erklärte Peter Höffken, Wildtierexperte bei Peta Deutschland, in einer Mitteilung.

Diskussion im Gange

Das Drama in Baden-Württemberg hat mittlerweile in Deutschland eine Diskussion über die in der Manege beliebten Dickhäuter im Gange. "Im Zirkus wird suggeriert, das sind ganz liebe Tiere, aber das ist nur die halbe Wahrheit", gab der Zoologe und Wildtier-Experte Tobias Dornbusch am Sonntag zu bedenken.

Nach Angaben der kritischen European Elephant Group haben Zirkuselefanten in der westlichen Welt seit 1980 mindestens 53 Menschen getötet und 145 teils schwer verletzt. "Auf jeden getöten Löwendompteur kommen zwei oder drei getötete Elefantentrainer", sagte Dornbusch. Aufgrund der recht offenen Haltung und des ständigen Kontakts zu Menschen sei der Elefant das "gefährlichste Tier in Menschenhand".

Zirkusleute sehen das generell anders. "Wenn man dem Tier Vertrauen schenkt und Respekt, gibt es gar keinen Grund, dass es unruhig wird oder verrückt spielt", stellte Max Siemoneit-Barum, Tierschutzbeauftragter beim Circus Krone, fest.

Dornbusch erklärte weiters, Elefanten könnten in einem Zirkus grundsätzlich nicht artgerecht gehalten werden: "Kopfstand, Hinterbeinstand und so weiter - das hat mit artgerechter Haltung nichts zu tun. Im Zirkus muss ein Elefant auf den Menschen hören wie ein gut dressierter Hund." Dazu würden Elefantenhaken eingesetzt, Mistgabeln und manchmal auch Elektroschocker. Eigentlich sei ein Elefant verhaltensgestört, wenn er sich das gefallen lasse.

In Österreich herrscht Wildtierhalteverbot im Zirkus

Als "vorprogrammiert" hat am Sonntag die Wiener Agentur "Shifting Values" das Unglück in Baden-Württemberg bezeichnet. Die Agentur, die sich dem Wertewandel im Tier-, Arten- und Umweltschutz verschrieben hat, verwies darauf, dass in Österreich seit dem Jahr 2005 ein Wildtierhalteverbot in Zirkussen gilt.

"Wenige Länder innerhalb der EU sind dem Beispiel Österreichs gefolgt", bedauerte "Shifting Values" in einer Presseaussendung. Unfälle mit Wildtieren, die in Zirkusunternehmen gehalten werden, seien keine Überraschung. "Eine mobile Haltungseinrichtung kann weder für die Sicherheit von Mensch und Tier sorgen noch eine tiergerechte Haltung ermöglichen", stellte Nicolas Entrup, der Gründer der Agentur, fest.

Die Debatte über ein Wildtierhalteverbot in Zirkussen in Deutschland dauere seit Jahren an. Die verantwortlichen Entscheidungsträger würden die Faktenlage kennen, doch nicht reagieren, bemängelte Entrup. Er sehe daher "eine Mitschuld" der deutschen Bundesregierung am jetzigen Unglück..

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