Chronik | Welt
10.04.2018

Skrupellose Schlepper: 111 Migranten in einem Lkw

Menschenschmuggler verlangten 7.000 Euro für Trip in die EU. Ein Verdächtiger in der Steiermark festgenommen.

7.000 Euro pro Person hat eine Schlepperbande von Flüchtlingen aus Afghanistan, dem Irak, Pakistan und Syrien für eine Reise in die EU verlangt. Zielländer waren vor allem Österreich und Deutschland, berichtete Vincenz Kriegs-Au vom Bundeskriminalamt (BK). Ermittler aus vier Ländern haben die Gruppe, die nicht davor zurückscheute, mehr als 100 Personen in einen Lkw zu pferchen, zerschlagen.

Insgesamt soll die Bande mindestens 180 Migranten in die EU geschmuggelt haben, hieß es in einer Europol-Aussendung am Dienstag. Die Tour führte über Bulgarien, Rumänien und Slowenien nach Österreich. Die Erhebungen von Kriminalisten dieser vier Staaten nahmen im April des Vorjahres ihren Lauf. Damals wurde ein Transport mit 111 Migranten, darunter 42 Kinder, an der rumänisch-ungarischen Grenze in Nadlac gestoppt.

Hausdurchsuchungen in Wien

Unter koordinativer und operativer Beteiligung des BK schlugen die Behörden gestern, Montag, zu. In der Steiermark wurde ein Verdächtiger festgenommen, der in der Hierarchie der Organisation an höherer Stelle anzusiedeln ist, betonte Kriegs-Au. Bei der Aktion unterstützte das Landeskriminalamt Steiermark das BK. In Wien kam es zu fünf Hausdurchsuchungen, es wurden Bargeld, Dokumente, Mobiltelefone und Telefonwertkarten sichergestellt.

Insgesamt wurden bei dem Schlag zehn Personen festgenommen, acht davon in Rumänien, wo es zu 19 Hausdurchsuchungen kam. Kopf der Gruppierung war laut Europol ein Pakistani. Seit Juli 2016 sollen die Täter Flüchtlinge in Autos, Vans und Lkw über die Balkanroute in das Unionsgebiet gebracht haben. "Wir gehen von weit mehr als 180 Geschleppten aus, die wir bisher nachweisen konnten", sagte Kriegs-Au. "Angesichts der skrupellosen Vorgangsweise der Bande kann man sagen, dass mit ihrer Zerschlagung Schlimmes verhindert wurde."

Europol zufolge waren die Schlepper gut organisiert. Jedes Mitglied hatte demnach seine ganz spezifische Aufgabe: vom Finden der Flüchtlinge in Lagern und Asylzentren über die Organisation von Zwischenquartieren und dem Transport in grenznahe Regionen bis zur Rekrutierung von Fahrern und der Bereitstellung von Fahrzeugen für die eigentliche Schleppung. Der europäischen Polizeiagentur zufolge wurden heuer bereits 21 illegale Grenzübertritte gestoppt. Im Schnitt wurden dabei jeweils 17 Flüchtlinge gefunden.