Chronik | Welt
24.02.2015

Segen für lesbisches Paar: Proteste nach Strafversetzung

Konflikt in der Urschweiz: 42.000 Menschen unterschrieben Petition, damit Pfarrer nicht versetzt wird.

Der 61-jährige Wendelin Bucheli, katholischer Dorfpfarrer in Bürglen im Kanton Uri, hat ein lesbisches Paar gesegnet. Ende Oktober erschien darüber ein Artikel in einer Lokalzeitung – und in der Zwischenzeit tobt ein Glaubenskrieg zwischen den 4000 Bürgern von Bürglen und dem Bistum Chur. 42.000 Menschen haben eine Petition unterschrieben, dass der Pfarrer nicht nach Genf zwangsversetzt werden dürfe. Die Messen in Bürglen sind bestens besucht, der Pfarrer bekommt nach schwerer Krankheit Standing Ovations.

Neuester Höhepunkt des Konflikts zwischen dem erzkonservativen Bischof und dem Pfarrer: Man bezichtigt einander der Lüge.

Keine Wellen

Im Gemeindebrief von Bürglen wird darauf hingewiesen, dass die Segnung im Kanton Uri überhaupt "keine Wellen geschlagen habe".

Aber Pfarrer Bucheli hat sein Tun in einer Lokalzeitung, dem Urner Wochenblatt, erklärt: "Heutzutage werden Tiere, Autos und sogar Waffen gesegnet. Warum soll man nicht auch ein Paar segnen, das seinen Weg gemeinsam mit Gott gehen möchte?" Für den Bischof und das Bistum Chur ist klar, dass Buchelis Segnung, die er "von der Form her" mit einer Trauung verglichen hatte, "die kirchliche Lehre über Ehe und Familie verunkläre". Nun, da die Segnung auch weit über die Landesgrenzen hinaus "Aufsehen erregt" habe, könne man dies nicht einfach so stehen lassen.

Bischof Vitus Huonder, 72, ist für seine oft frauenfeindlichen und erzkonservativen Ansichten bekannt. Zum "Gender-Konzept stimme so ziemlich nichts"; Kinder, die bei Homosexuellen aufwachsen, wären denen "ausgeliefert". Selbst der für die Urschweiz zuständige Generalvikar Martin Kopp "ist erschüttert, dass das Fallbeil auf Pfarrer Bucheli niedersaust".