Chronik | Welt
07.06.2018

Schweizer Italien-Enklave Campione hat kein Geld mehr

Gemeinde am Luganersee erklärt sich für zahlungsunfähig. Ihrem Casino - dem größten Europas - droht die Insolvenz.

Der Gemeinderat der italienischen Enklave Campione d'Italia am Luganersee in der Schweiz hat die Gemeinde für zahlungsunfähig erklärt. Das von Insolvenz bedrohte Casino hat seine Zahlungen bisher nicht geleistet. Campione fehlen damit rund 30 Millionen Franken, umgerechnet 25,8 Mio. Euro in der Bilanz, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag berichtete.

Das größte Casino Europas gehört zu 100 Prozent der Gemeinde Campione. 40 Jahre lange hatte sie von den Einnahmen des Casinos profitiert und wurde zwischenzeitlich zu einer der reichsten Gemeinden Italiens.

Pleite-Casino

Das Casino hat heute jedoch immense Geldsorgen. Es liegt ein Konkursantrag auf dem Tisch, der vom Gericht allerdings derzeit auf Eis gelegt ist. Mit der Bankrott-Erklärung wird nun ein kommissarischer Verwalter eingesetzt, der sich um die Finanzen kümmern soll.

Die Behörde um Gemeindepräsident Roberto Salmoiraghi ihrerseits muss sich um das Weiterfunktionieren der Gemeinde kümmern, und in Zusammenarbeit mit dem Verwalter die Umstände aus der Welt schaffen, die zum Finanzfiasko geführt haben.

500 Casino-Mitarbeiter bangen um Job

Den rund 100 Gemeindeangestellten drohen Gehaltskürzungen, wobei sie bereits seit Februar keinen Lohn mehr erhalten haben. Falls das gemeindeeigene Casino die Tore endgültig schließen muss, sind die Arbeitsplätze von rund 500 Casino-Mitarbeitern sowie 100 Gemeindeangestellten bedroht.

Gemeindepräsident Salmoiraghi forderte am Donnerstag einen runden Tisch mit dem Innenministerium sowie dem Wirtschafts- und Finanzministerium - und will nicht aufgeben: "Wir werden wie Phönix aus der Asche wieder aufstehen."