Die Kinderhilfsorganisation "Smile of the Child" kümmert sich um Maria.

© Reuters/JOHN KOLESIDIS

Griechenland
10/23/2013

Roma-Mädchen Maria könnte Amerikanerin sein

Im Fall der in Griechenland gefundenen Maria hat sich ein Paar aus Kansas gemeldet.

Nach der Veröffentlichungen von Bildern der in einer griechischen Roma-Siedlung gefundenen Maria, meldete sich ein Paar aus Kansas City (USA) bei den Behörden. Ihre Tochter Lisa wurde im Jahr 2011 ebendort entführt, die Suche blieb bis heute erfolglos. Nun schöpfen sie auf Grund der Ähnlichkeit mit Maria neue Hoffnung.

Ein beinahe identer Fall ist nun auch in Irland bekannt geworden. Offenbar ist in einem Vorort von Dublin ein sieben Jahre altes blondes Mädchen in einer Roma-Siedlung gefunden worden. Die Kleine befindet sich bereits in einer Betreuungseinrichtung, berichtet CNN. Mehr Details sind bisher nicht bekannt.

Interpol

Indes hat sich die internationale Polizeiorganisation Interpol in die Suche eingeschatet. Interpol verbreitete am Dienstag auf Bitten der griechischen Behörden eine Aufforderung an alle 190 Mitgliedstaaten, ihre Datenbanken mit den Daten des kleinen Mädchens abzugleichen, wie die Behörde in Lyon mitteilte. Generalsekretär Ronald Roble sagte bei der Generalversammlung der Organisation im kolumbianischen Cartagena am Dienstag, die Interpol-Datenbank habe bei der Suche nach Verwandten des Mädchens keinen Treffer ergeben.

In der sogenannten Gelben Notiz, einer Vermisstensuche, schickte die Organisation neben dem Foto auch das DNA-Profil der kleinen Maria um die Welt - allerdings ergab auch die Abgleichung mit der DNA des Mädchens bisher keinen Treffer. Außerdem veröffentlichte Interpol eine Blaue Notiz, mit der weitere Informationen über das Paar, bei dem das Mädchen gefunden wurde, gesammelt werden sollen.

Mädchen gibt Rätsel auf

Die griechische Polizei hatte die kleine Maria am Mittwoch in einem Roma-Lager in der Stadt Farsala entdeckt. Es war aufgefallen, weil es mit seiner hellen Haut und den blonden Haaren seinen angeblichen Eltern überhaupt nicht ähnelte. DNA-Tests bestätigten, dass es sich bei dem Paar nicht um die leiblichen Eltern handelte.

Der 39-jährige Mann und die 40 Jahre alte Frau wurden am Montag wegen des Vorwurfs der Kindesentführung in Untersuchungshaft genommen. Ihren Angaben zufolge wurde ihnen das Kind von der Mutter, einer bulgarischen Roma-Frau, übergeben. Laut einer zahnärztlichen Untersuchung ist Maria fünf bis sechs Jahre alt.

Video: Maria tanzend in der Roma-Siedlung

Größte ethnische Minderheit in der Europäischen Union

Mit dem Namen "Roma" werden verschiedene Volksgruppen bezeichnet, die sich selbst auch als Reisende oder Sinti bezeichnen. Seit Jahrhunderten ziehen sie durch Europa und bilden die größte ethnische Minderheit in der EU. Wie viele Roma es gibt, ist nicht genau bekannt, da in vielen Staaten Daten zur ethnischen Zugehörigkeit nicht erhoben werden dürfen. Schätzungen gehen von etwa zehn Millionen aus.

Betteln und Blumen verkaufen

Keine andere Gruppe ist europaweit so sehr aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Das gilt besonders bei Arbeitsplätzen sowie dem Zugang zu Bildung, zur Gesundheitsvorsorge und anderen staatlichen Angeboten. Viele leben in den Außenbezirken westlicher Großstädte, schlafen auf Gehsteigen und verdienen ihren Lebensunterhalt durch Betteln, das Verkaufen von Blumen, als Musikanten oder mit Gelegenheitsjobs. Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass viele Kinder nicht zur Schule geschickt werden und Mädchen oft jung heiraten müssen.

Umfragen zufolge verbinden die Europäer Roma oft mit Kriminalität. Einer Studie der EU-Kommission zufolge würde sich ein Viertel der Europäer unwohl fühlen, wenn ein Roma ins Nachbarhaus einziehen würde. Bei anderen ethischen Gruppen waren es nur sechs Prozent. Populistische Politiker fordern immer wieder unter Verwendung tradierter Klischees und Schlagworten wie "Überschwemmung" und "Völkerwanderung" den Ausschluss und die Abschiebung der Roma. Gemeint sind in aller Regel Roma aus Osteuropa, vornehmlich aus Bulgarien, Rumänien, Serbien und Mazedonien.

Abschiebungen

Der rechtliche Status ist je nach Land und Gruppe verschieden und hängt davon ab, ob sie in dem jeweiligen Staat als Minderheit anerkannt sind. Wie alle Bürger der EU haben sie das Recht, sich innerhalb der Union frei zu bewegen. Längere Aufenthalte sind möglich, wenn sie eine feste Arbeit vorweisen können. Wie andere EU-Bürger auch können Roma in ihr Ursprungsland zurückgeschickt werden, wenn sie als Risiko für die öffentliche Sicherheit eingestuft werden oder die Sozialsysteme belasten. Jedes Jahr werden Tausende Roma abgeschoben.

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