Jack the Ripper - auch damals schon ein Medienphänomen

© REUTERS/Ho

Großbritannien
09/08/2014

Rätsel um "Jack the Ripper" soll gelöst sein

Ein Hobby-Detektiv will den Ripper entlarvt haben: Es soll ein polnischer Immigrant gewesen sein.

Aaron Kosminski - das könnte der Name sein, der ein 126 Jahre altes Rätsel löst. Kosminiski, ein Immigrant aus Polen, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in Londons Armenvierteln als Friseur verdingte, soll Jack the Ripper gewesen sein; jener blutrünstiger Schlächter, der mit Vorliebe des Nachts Prostituierte ermordete und verstümmelte. Mindestens fünf besonders brutale Morde gehen auf sein Konto - er wurde nie geschnappt, obwohl die Medien schon damals zur Treibjagd bliesen.

Die kriminalistische Sensation will nun Russell Edwards aufgedeckt haben. Der Londoner Geschäftsmann und Hobby-Detektiv wurde bereits vor Jahren vom "Ripper-Virus" infiziert. Er erstand im Jahr 2007 bei einer Auktion ein Schultertuch, das am Tatort der Tötung von Catherine Eddowes im September 1888 gefunden wurde. Die Frau, die damals nahe dem heruntergekommenen Viertel Whitechapel ausgeweidet gefunden wurde, gilt als das vierte Opfer der Serienmörders.

Das damals entdeckte Textil enthalte DNS-Spuren, die von Aaron Kosminski stammen, behauptet der 48-jährige Hobby-Forscher. Der Immigrant sei "definitv, kategorisch und absolut" der Mann, der hinter den grausamen Frauenmorden steckt, zitiert ihn der Guardian.

Buch erscheint

Für die DNS-Analyse der Blutspuren an dem Schal hat der Brite den Molekularbiologen Jari Louhelainen engagiert. Der Businessmann Russell machte zudem eine Verwandte des nun verdächtigen Kosminski ausfindig - so konnten die DNS-Spuren verglichen werden. Diese Forschung sei eine dreieinhalbjährige Reise geworden. "Als wir die Wahrheit entdeckten, war es das aufregendste Gefühl meines ganzen Lebens", sagt Edwards. An dieser Erkenntnis habe er auch 14 Jahre lang gearbeitet. Aber erst, als er "einen Batzen Geld" für den Schal ausgab, stand er vor dem Durchbruch. "Ich habe das einzige Stück, das einen forensischen Beweis darstellt, in der gesamten Geschichte dieses Falls", meint der Brite stolz. Nur Ungläubige, die den Mythos ins Ewige perpetuieren wollten, würden noch Zweifeln anhängen. Kein Wunder, dass Edwards so überzeugt von seiner Entdeckung ist - das Buch, das er zusammen mit dem Wissenschafter Louhelainen herausgibt ("Naming Jack the Ripper") , erscheint in Großbritannien noch im September. Bereits jetzt hat die Mail on Sunday Vorabdrucke veröffentlicht.

Zweifler verstummen nicht

Andere Ripper-Experten aber wollen die Sensation nicht so akzeptieren und hegen weiterhin Zweifel. Der Schal etwa sei im Laufe der Jahrzehnte durch zahllose Hände gegangen, eine Verunreinigung durch fremde Spuren sei wohl wahrscheinlich. Außerdem habe der Schal gar nicht der ermordeten Eddowes gehört, sondern sei nur am Tatort gefunden worden. Er könnte von wem auch immer stammen. Flugs fingen Interessierte im Netz an, Gründe zu finden, wieso es Kosminski keinesfalls gewesen sein kann. Auch der britische Genetiker Alec Jeffreys, der vor 30 Jahren den genetischen Fingerabdruck erfand, meldet Zweifel an. Er forderte im "Independent" eine unabhängige Überprüfung der Funde. Jeffreys sagte dem Blatt: "Noch wurde kein tatsächlicher Beweis vorgelegt."

Das Tuch wurde seinerzeit vom diensthabenden Polizisten mit Erlaubnis der Vorgesetzten vom Tatort mit nach Hause genommen. Die Ehefrau des Beamten wurde mit dem blutverschmierten Schal "beschenkt", doch aus erklärlichen Gründen habe sie diesen nicht tragen wollen, sondern lagerte ihn ein, so Edwards. "Gottseidank wurde der Schal nie gewaschen".

Kosminski sei schon lange einer der sechs Hauptverdächtigen gewesen - und nun habe man den Beweis. Der damals erst 23-jährige Einwanderer kam 1881 nach London. Er duchlief mehrere Irrenanstalten und starb 1899 an Wundbrand.

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