Kirche
01/20/2015

Papst: Karnickel-Sager und andere Sprüche

Natürliche Verhütung ist ihm ein Anliegen. Acht Kaiserschnitte hält er für "unverantwortlich".

Papst Franziskus ist immer für eine Überraschung gut. Das bewies er kürzlich auf dem Rückflug von seiner Asienreise. In Manila feierte der Pontifex eine Rekordmesse mit sieben Millionen Besuchern – das sind mehr Pilger, als je nach Rom zu einer Feier gekommen sind.

Im Gespräch mit Journalisten im Flugzeug hoch über den Wolken hatte das katholische Kirchenoberhaupt dann die Lacher auf seiner Seite: "Manche Menschen glauben – entschuldigen Sie den Ausdruck –, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen", sagte der Papst mit Blick auf das Verhütungsmittelverbot in der katholischen Kirche.

Drei Kinder sind ideal

Es gelte vielmehr das Prinzip der "verantwortungsbewussten Elternschaft". Eltern können, so der Papst, die Zahl ihrer Kinder planen: Drei Kinder pro Familie wären ideal. Das sei auch die Meinung von Experten, um das Bevölkerungswachstum zu erhalten, meinte der 78-jährige Argentinier. Denn Geburtenrückgänge hätten zur Folge, dass ab 2024 etwa in Italien das Geld ausgeht, um Renten zu bezahlen. Als Negativbeispiel nannte der Papst eine Frau, die nach sieben Kaiserschnitten das achte Mal schwanger war. Das sei unverantwortlich. "Will sie sieben Waisen zurücklassen?"

Laut katholischer Lehre ist der Einsatz künstlicher Verhütungsmittel wie Pille oder Kondom verboten. Natürliche Verhütung wie zum Beispiel durch Eisprungkontrolle ist dagegen erlaubt. Trotz seiner lockeren Sprüche unterstützt Franziskus klar die Haltung von Papst Paul VI., der als Gegner der Anti-Baby-Pille als "Pillen-Paul" in die Geschichte einging.

Einsatz für die Armen

Der päpstliche "Karnickel-Sager" sorgt für Erstaunen. Premier Matteo Renzi, selbst bekennender Katholik, meinte in einem TV-Interview: "Einen solchen Satz erwartest du nicht von einem Papst. Mich beeindruckt der Papst und sein Einsatz für die Armen." Renzi hat Franziskus bereits vier Mal persönlich getroffen. Auch in klerikalen Kreisen findet Franziskus Zuspruch.

"Mir hat diese Stellungnahme von Franziskus sehr gefallen. Bereits die Enzyklika ,Humane Vitae‘ von Papst Paul VI. spricht von einer verantwortungsvollen Elternschaft. Im Sinne einer freien Entscheidung, weil entstehendes Leben eine ernste Angelegenheit ist", erklärte Erzbischof Domenico Mogavero. Gerade bei existenziellen Fragen, so der Geistliche, müsse man mit beiden Füßen am Boden stehen und die Privatsphäre von Personen und Ehen über kirchliche Prinzipien stellen.

Veraltet

Im Alltag ist die Kirchendoktrin zur Empfängnisverhütung längst veraltet. Bei der nächsten Familiensynode im Herbst soll das Thema Sexualität erneut eine zentrale Rolle spielen. Hoffnungen für eine Öffnung der Kirche in diesem Bereich wurden bei der Synode im vergangenen Oktober allerdings stark gebremst.

Der Papst über....

Grenzen der Meinungsfreiheit: "Wenn Dr. Gasbarri, mein lieber Freund, meine Mutter beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag. Denn man kann den Glauben der anderen nicht herausfordern, beleidigen oder lächerlich machen."– Papstamt: "Nein, ich wollte nicht Papst werden. Ein Mensch, der Papst werden will, liebt sich nicht selbst."

– Zukunft der Kirche: "Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich wünsche mir eine arme Kirche für die Armen."

– Frauen in der Kirche: "Die Räume einer einschneidenden weiblichen Präsenz in der Kirche müssen weiter werden. Die Frauen stellen tiefe Fragen, denen wir uns stellen müssen. (...) Maria – eine Frau – ist wichtiger als die Bischöfe. (...) Der weibliche Genius ist nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden."

– Scheidung und Abtreibung: "Der Beichtstuhl ist kein Folterinstrument, sondern der Ort der Barmherzigkeit. Ich denke auch an die Situation der Frau, deren Ehe gescheitert ist, in der sie auch abgetrieben hat. Jetzt ist sie wieder verheiratet, ist zufrieden und hat fünf Kinder. Die Abtreibung belastet sie und sie bereut wirklich. Sie will als Christin weitergehen. Was macht der Beichtvater?"

Homosexualität: "In Buenos Aires habe ich Briefe von homosexuellen Personen erhalten, die ,soziale Wunden‘ sind, denn sie fühlten sich immer von der Kirche verurteilt. Aber das will die Kirche nicht. Auf dem Rückflug von Rio de Janeiro habe ich gesagt, wenn eine homosexuelle Person guten Willen hat und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt."

– Frieden und Solidarität: "Wir sind aufgerufen, uns der Gewalt und Ungerechtigkeiten in vielen Teilen der Welt bewusst zu werden, denen wir nicht gleichgültig und tatenlos gegenüberstehen können. (...) Jeder von uns muss sich einbringen, damit wir eine wirklich gerechte und solidarische Gesellschaft schaffen können. Das Rom des neuen Jahres wird besser sein, wenn es keine Menschen mehr gibt, die wegschauen, die sich nicht in die menschlichen Probleme einmischen, Probleme von Männern und Frauen, die – ob wir es wollen oder nicht – unsere Brüder sind."

– Flüchtlinge: "Wir sind eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie man weint. Wir haben uns an die Leiden anderer gewöhnt. Es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an. (...) Die Wohlstandskultur macht uns unempfindlich für die Schreie der anderen und führt zur Globalisierung der Gleichgültigkeit. Allzu oft sind wir durch unser angenehmes Leben geblendet und weigern uns, diejenigen wahrzunehmen, die vor unserer Haustür sterben."

– Krankheiten der Kurie: "Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes. Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit."

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