Chronik | Welt
11.06.2017

Papst: "Aseptische Analyse produziert sterile Maßnahmen"

Franziskus: Migrationsfrage ist nicht am Schreibtisch lösbar. Regierungen müssten Verantwortung für Flüchtlinge auf ihrem Staatsgebiet übernehmen.

Papst Franziskus hat die Regierungen zur Verantwortung für Flüchtlingen auf ihrem Staatsgebiet aufgerufen. Man müsse mit konkreten Verpflichtungen auf die Not von Migranten antworten. "Wir können unsere Ohren nicht vor ihrem Ruf verschließen", schrieb Franziskus laut Kathpress an die 33. Vollversammlung des Lateinamerikanischen Parlaments, die am Wochenende in Panama tagte.

Die Migrationsfrage lasse sich nicht am Schreibtisch und ohne Kontakt mit den Betreffenden analysieren, so der Papst. Hinter jedem Migranten stehe ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte, Kultur und Idealen. "Eine aseptische Analyse produziert sterile Maßnahmen", ließ Franziskus die 23 Mitgliedsstaaten wissen.

Die Begegnung mit Personen aus Fleisch und Blut helfe dagegen, die durch die Auswanderung verursachten Narben zu verstehen und Lösungen zu finden, die sowohl für die Migranten wie auch für die Aufnahmeländer praktikabel seien. In der gleichen Weise seien sicherheitspolitische Maßnahmen daraufhin zu überprüfen, ob sie der Realität entsprächen.

Nachdrücklich warb der Papst für Zusammenarbeit in der Migrationspolitik. Dialog sei notwendig, um "die Solidarität mit denen zu stärken, die ihrer Grundrechte beraubt wurden", und zugleich grundlegend für die Aufnahmebereitschaft. Die Staaten Lateinamerikas und der Karibik rief der Papst auf, "Schlüsselakteure" beim Umgang mit Migration zu werden. Sie spielten eine international bedeutende Rolle. Statt bloßer Nothilfe sei eine mittel- und langfristige Planung nötig, betonte Franziskus.

Das Treffen des Lateinamerikanischen Parlaments befasste sich mit einem parlamentarischen Dialog über Migration im Blick auf den UN Global Compact, einen Leitlinienkatalog zur gerechten Gestaltung der Globalisierung. Die Versammlung fand Freitag und Samstag in Panama statt.