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Oslo
07/22/2015

Norweger gedenken der Opfer Breiviks

Norweger gedenken der 77 Opfer des rechtsradikal motivierten Massenmords am 22. Juli 2011.

Für viele Menschen ist Anders Behring Breivik zum personifizierten Bösen geworden. Vor vier Jahren tötete der rechtsradikale Norweger 77 Menschen, acht im Osloer Regierungsviertel und 69 auf der Ferieninsel Utöya. Der 22. Juli 2011 wird auf ewig im Gedächtnis der Gesellschaft bleiben. Heute, Mittwoch, gedenken die Norweger der Opfer und wollen mit Wissen den Terrorismus bekämpfen.

Norwegisches Trauma

Als Polizist verkleidet und mit einem gefälschten Ausweis fährt Breivik am Nachmittag des 22. Juli mit einem gemieteten VW-Transporter ins Zentrum Oslos. Dort stellt er den Wagen, beladen mit einer fast 1.000 Kilo schweren Bombe, vor dem Regierungsgebäude ab. Kurz vor halb vier detoniert die Bombe. Acht Menschen werden dabei getötet. Wegen den Sommerferien wurde die Absicht Breiviks, die gesamte Regierung umzubringen, nicht erfüllt. Er fährt zur 40 Kilometer entfernten Ferieninsel Utöya, auf der ein Ferienlager einer sozialdemokratischen Jugendorganisation stattfindet. Der damals 32-Jährige bewaffnet sich mit einer Pistole und einem Schnellfeuergewehr.

Bild: Norwegische Ferieninsel Utöya

Es ist 17:08 Uhr. Breivik beginnt sein Massaker. Er feuert um sich und tötet in mehr als 70 Minuten 69 Teilnehmer des Jugendlagers. Viele stürzen ins Wasser, um dem Angriff des Rechtsradikalen zu entkommen. Um 18:25 Uhr rücken Angehörige der Anti-Terror-Einheit an und nehmen Breivik fest. Er hat beide Waffen weggelegt. Die Polizei setzt ihn mehrere Stunden in einem Holzhaus auf der Insel fest, ehe er nachts in die Osloer Polizeizentrale gebracht wird.

Emotionslos vor Gericht

Während des zehnwöchigen Verhandlungsprozesses begründet der Sohn eines Diplomaten und einer Krankenschwester sein Verbrechen mit seinem Hass auf muslimische Zuwanderer sowie die sozialdemokratischen Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft. Seine Opfer auf der Ferieninsel habe er danach ausgesucht, ob sie linksgerichtet aussahen. Seine Ideologie hat er in einem wirren 1.500-seitigen "Manifest" niedergeschrieben, das er Stunden vor der Tat an rund 1.000 Adressaten versandt hatte.

Bild: Anders Behring Breivik bei der Urteilsverkündung

Ende August 2012 wird die Höchststrafe über Anders Behring Breivik verhängt: 21 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung, die alle fünf Jahre verlängert werden kann. Breivik bleibt emotionslos und verzichtet darauf, Berufung einzulegen.

Terrorismus mit Wissen bekämpfen

Vier Jahre später. Im Osloer Regierungsviertel wurde eine umstrittene Ausstellung zu den Anschlägen eröffnet. Der Grünen-Vertreter Anders Skyrud Danielsen warnte vor der Gefahr einer "Pilgerstätte für Rechtsextreme". John Christian Elden, einer der Anwälte der Nebenkläger aus dem Prozess, twitterte bereits vor der Eröffnung: "Ein Breivik-Museum im Regierungsviertel? - Nein, danke!". Doch die Dokumentation werde helfen, den Terrorismus mit Wissen zu bekämpfen, betonte die norwegische Regierungschefin Erna Solberg.

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