Deutschland: Wenigste Straftaten seit 25 Jahren

Symbolbild. © Bild: APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ / TOBIAS SCHWARZ

Starker Rückgang bei Wohnungseinbrüchen und auch etwas weniger Gewaltkriminalität.

Die Kriminalität in Deutschland geht laut Statistik zurück: Die Behörden erfassten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten, die niedrigste Zahl seit 1992. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die erfasste Kriminalitätsrate sogar niedriger als in den vergangenen 30 Jahren, wie das Innenministerium am Dienstag in Berlin bekanntgab. Auf 100.000 Einwohner kommen demnach weniger als 7.000 Fälle.

Der Anteil der aufgeklärten Straftaten ist laut Innenministerium mit 55,7 Prozent so hoch wie nie seit Beginn der Zählung 2005. Ausländerrechtliche Verstöße wie zum Beispiel die illegale Einreise sind dabei ausgeklammert. Die Aufklärungsquote hängt aber stark vom Tatbereich ab: Bei Wohnungseinbrüchen mit Diebstahl werden nur 17,8 Prozent der Fälle aufgeklärt, bei Tötungsdelikten sind es 95,6 Prozent.

Drei Viertel der 1,98 Millionen Tatverdächtigen des vergangenen Jahres waren den Angaben zufolge Männer. Etwa 30 Prozent sind keine Deutschen.

Einen Rückgang von 11,8 Prozent verzeichneten die Behörden beim Diebstahl. So sanken die Fälle von Wohnungseinbruchsdiebstahl um 23,0 Prozent, beim Taschendiebstahl um 22,7 Prozent. Auch die Gewaltkriminalität ist leicht zurückgegangen - um 2,4 Prozent.

Mehr Kinderpornographie und Gewalt gegen öffentlich Bedienstete

Um 12,9 Prozent angestiegen sind dagegen Delikte, bei denen Pornografie verbreitet wurde. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, sprach von einem "erschütternden Ausmaß" der Kinder- und Jugendpornografie.

Gewerkschafter warnten zudem vor zunehmender Gewalt gegen Polizisten und Rettungskräfte. "Die zahlreichen Gewaltdelikte gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind auch Symptom des schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalts und Folge eines zu schlanken Staates", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) wurden im vergangenen Jahr 74.400 Polizeibeamte Opfer von vollendeten und versuchten Straftaten - rund 2.600 mehr als 2016.

Weniger politische Gewalt

Die politisch motivierte Kriminalität geht erstmals seit 2012 wieder zurück. Im vergangenen Jahr registrierten die Sicherheitsbehörden in diesem Bereich 39.505 Straftaten, 4,9 Prozent weniger als 2016. ehr als die Hälfte aller gemeldeten Straftaten waren 2017 rechtsmotivierte Delikte.

Bei den Gewalttaten mit politischem Hintergrund war der Rückgang um 12,9 Prozent auf 3.754 Straftaten sogar noch stärker. Dass die Zahl der Gewaltdelikte durch Vertreter der linken Szene im vergangenen Jahr um mehr als 15 Prozent auf 1.967 Fälle stieg, hat vor allem mit den Krawallen rund um den G-20-Gipfel im Sommer in Hamburg zu tun.

Einen deutlichen Anstieg gab es auch bei religiös motivierten Gewaltdelikten, hinter denen hauptsächlich Menschen mit islamistischem Weltbild stehen. Hier verzeichneten die Behörden einen Anstieg um mehr als 95 Prozent auf 92 Straftaten. Allerdings sind die Zahlen in diesem Bereich nur begrenzt vergleichbar, da die Kategorien der Statistik leicht verändert wurden.

Antisemitische Straftaten kommen von Rechten

Aus den Zahlen lassen sich vor allem zwei Entwicklungen ablesen: Die politischen Spannungen in der Türkei haben sich 2017 weniger stark in Deutschland niedergeschlagen als in den Vorjahren. Und: Nachdem sich die Aufregung über die Zuwanderung von Hunderttausenden von Flüchtlingen etwas gelegt hat, ist die Zahl der Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte zurückgegangen.

Das Gleiche gilt für den Bereich der sogenannten Hasskriminalität. Hier verzeichnete die Polizei einen Rückgang der fremdenfeindlichen Straftaten um 28,4 Prozent. Die Zahl der antisemitischen Straftaten stieg allerdings um 2,5 Prozent auf 1.504 Fälle. Fast 95 Prozent dieser judenfeindlichen Delikte hatten laut dem deutschen Innenminister Horst Seehofer (CSU) einen rechten Hintergrund.

( Agenturen ) Erstellt am 08.05.2018