Diese beiden Jungs haben überlebt.

© APA/AFP/JOHAN ORDONEZ

Guatemala
03/09/2017

Mindestens 28 Tote bei Brand in Kinderheim

Die Bewohner sollen wegen sexuellen Missbrauchs eine Revolte gestartet haben.

Bei einem Brand in einem überfüllten Heim für misshandelte Kinder in Guatemala sind am Mittwoch mindestens 28 Mädchen ums Leben gekommen. 24 Verletzte, darunter sechs in lebensbedrohlichem Zustand, wurden nach Krankenhausangaben behandelt. Medienberichten zufolge kam es in der Einrichtung zum Streit und die Minderjährigen steckten Matratzen in Brand. Das Feuer breitete sich danach auf den Rest der Einrichtung aus.

Mutmaßlicher sexueller Missbrauch

Medienberichten zufolge war in dem Heim in der Nacht eine Revolte gegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauch durch das Personal sowie schlimme Lebensbedingungen ausgebrochen. Nach dem die Staatsanwaltschaft zunächst den Tod von 19 Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren bestätigt hatte, erlag später ein weiteres Mädchen im Alter von 14 Jahren seinen schweren Verbrennungen, wie ein Krankenhaussprecher sagte. Die meisten Leichen waren laut Mayra Veliz von der Staatsanwaltschaft vollständig verkohlt. Die Opferzahlen seien nur vorläufig, da der Brandort noch nicht komplett abgesucht sei.

Das Feuer war in einem Heim in San Jose Pinula ausgebrochen, einer Ortschaft in der Nähe der Hauptstadt Guatemala-Stadt. Nach Feuerwehrangaben wurden die Verletzten mit Verbrennungen ersten, zweiten und dritten Grades in Krankenhäuser der Hauptstadt gebracht. Das Mariä-Himmelfahrt-Heim war 2006 gebaut worden. In der vom staatlichen Wohlfahrtdienst überwachten Einrichtung lebten Minderjährige, die in ihren Familien misshandelt wurden oder auf der Straße lebten. Vorgesehen war das Heim für 400 Bewohner, Medienberichten lebten dort aber fast doppelt so viele.

Berichten zufolge hatten Kinder und Jugendliche in der Nacht gegen sexuellen Missbrauch durch das Personal, mangelnde Verpflegung und allgemein schlechte Lebensbedingungen in dem Heim protestiert. Es hatte bereits zuvor Berichte über Misshandlungen in der Unterkunft gegeben, Dutzende Heimkinder waren vergangenes Jahr davongelaufen. Nach Angaben einiger Parlamentarier gab es seit 2015 Hinweise darauf, das Jugendliche aus der Einrichtung als Prostituierte rekrutiert wurden.

"Tragödie"

Unicef bezeichnete das Unglück in dem Heim als "Tragödie". Die Kinder und Jugendlichen dort "müssen geschützt werden", erklärte das UN-Kinderhilfswerk im Kurzbotschaftendienst Twitter. Das guatemaltekische Parlament hielt eine Schweigeminute für die Brandopfer ab. Guatemalas Staatsanwältin für Kinderrechte, Hilda Morales, erklärte, sie werde die Schließung des Heims verlangen. Die Mitarbeiter im Heim, die ihre Pflicht vernachlässigt hätten, sollten strafrechtlich verfolgt werden.

Der Staatsanwalt Harold Flores sagte dem Radiosender Emisoras Unidas, seit vergangenem Jahr habe es verstärkt Beschwerden gegeben, dass Bewohner des Heims vor sexuellem Missbrauch geflohen seien. Zur Klärung der Brandursache und der Verantwortlichen des Unglücks sei eine Untersuchung eingeleitet worden.

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