Mit dieser Unterwasser-Drohne wollen die Australier die Blackbox des Flugzeugs am Meeresgrund ausfindig machen.

© Reuters/JASON REED

MH370
03/30/2014

Geborgene Teile sind Müll

Die Suche nach der Blackbox der vermissten Malaysia-Airlines-Maschine wird nun intensiviert.

Die Suche nach Wrackteilen der vermissten Malaysia-Airlines-Maschine bleibt bislang ergebnislos: Die am Samstag im Indischen Ozean geborgenen Teile gehören nach australischen Angaben entgegen erster Vermutungen nicht zu dem vor drei Wochen verschollenen Passagierflugzeug. Die Objekte stammten aus dem Fischfang, oder es handle sich um Müll, teilte die Seesicherheitsbehörde des Landes (AMSA) am Sonntag mit.

Zwei Schiffe hatten die Teile eingesammelt. Diese waren die ersten geborgenen Objekte, die zu der am 8. März verschwundenen Maschine mit 239 Menschen an Bord hätten gehören können. Somit geht die Suche nach Flug MH370 in einem Seegebiet 1850 Kilometer westlich der australischen Stadt Perth weiter: Am Sonntag beteiligen sich daran nach AMSA-Angaben zehn Flugzeuge. Vier Schiffe kreuzen im Suchgebiet, sechs weitere sollen im Tagesverlauf dazu stoßen.

Suche nach Blackbox

Die Suche nach der Blackbox des verschwundenen Flugzeugs wird jetzt intensiviert. In Perth sollte am Sonntag das Rettungsschiff "Ocean Shield" der australischen Marine starten. Es habe unter anderem ein spezielles Gerät an Bord, das die Signale der Boeing selbst aus 6000 Meter Wassertiefe empfangen könnte, teilte die australische Seesicherheitsbehörde (AMSA) am Sonntag mit.

Zusätzlich sei ein ferngesteuertes Unterwasser-Fahrzeug an Bord, das den Meeresboden nach der Maschine mit der Flugnummer MH 370 absuchen soll.

Es dürfte einige Tage dauern, bis die "Ocean Shield" in der Region gut 1700 Kilometer westlich von Perth ist. Zehn Suchflugzeuge sollten unterdessen dort aus der Luft weiter nach Wrackteilen suchen.

Flugzeug-Abstürze: "Aus jedem Unfall lernen wir"

Wie sicher ist Fliegen? Der mysteriöse Absturz der Boeing 777 der Malaysia Airlines schockt Flugpassagiere weltweit. Doch obwohl es sich um eines der schwersten Flugzeugunglücke der vergangenen Jahre handelt, ist Flugangst bei großen Airlines laut Unfallforschern unnötig: "Der Fluglinienverband IATA ermittelte, dass ein Passagier, würde er jeden Tag fliegen, etwa 6500 Jahre unterwegs sein müsste, bis er in einen tödlichen Unfall verwickelt ist", schrieben die Unfalluntersucher des Hamburger Büros JACDEC. Diese Aussage beruht zwar auf den Flugunfällen des Vorjahres – und Unglücke mit mehr als hundert Toten gab es 2013 gar nicht. Dennoch bleibt die Wahrscheinlichkeit, in einen tödlichen Flugunfall verwickelt zu werden, extrem gering.

"Aus jedem Unfall lernen wir", erklärt ein Manager des Flugzeugbauers Airbus. Dies bestätigt auch Melanie Wolf, Sprecherin des Triebwerkherstellers MTU in München: "Die Luftfahrt ist von extrem hohen Sicherheitsansprüchen geprägt, und wir lernen immer wieder daraus – sei es mit Blick auf die Entwicklung, sei es mit Blick auf die Fertigung oder Instandhaltung." MTU ist vom Unglücksflug gar nicht betroffen, denn die Triebwerke stammten von Rolls-Royce. Doch alle Hersteller warten nun auf Antworten, um die Flugsicherheit weiter zu verbessern.

Abgesicherte Systeme

Einzelne mechanische Probleme, die früher Katastrophen auslösen konnten, stellen schon längst keine größere Bedrohung mehr dar – die Systeme sind doppelt und dreifach abgesichert. Zweistrahlige Passagierjets etwa können sich heutzutage auch mit einem ausgefallenen Triebwerk mehr oder weniger problemlos in der Luft halten und landen.

Die moderne Technik – die maßgeblich dazu beiträgt, das Risiko Fliegen zu minimieren – bewahrt Piloten und Crew zunehmend vor Fehlentscheidungen. In den hoch automatischen modernen Maschinen sind Computer längst dabei, die Kontrolle zu übernehmen. Immer wieder zeigt sich aber auch, dass Instrumente die Piloten mit teilweise widersinnigen Anweisungen verwirrten oder schlicht überforderten. Trotz aller Bemühungen um eine Automatisierung der Abläufe im Cockpit kann es dann geschehen, dass ein kleiner Drehknopf oder ein Wartungsfehler am Anfang einer Katastrophe steht.

Fatale Flugzeugunglücke sind häufig eine Kombination menschlichen Versagens und technischer Probleme , so etwa der Absturz einer Air-France-Maschine über dem Atlantik im Jahr 2009. Der "menschliche Faktor" bleibt ein Risiko – auch wenn gerade Menschen immer wieder dafür sorgen, dass heikle Situationen nicht in Katastrophen enden, wie etwa beim "Wunder vom Hudson". Doch immer wieder machen einnickende Piloten auf ermüdenden Langstreckenflügen Schlagzeilen, und Irrtümer etwa bei der Interpretation einer Fluglotsen-Anweisung sind an der Tagesordnung. In der Hektik der Großstadt-Flughäfen mit ihren Ansagen im Sekundentakt gab es auch 2013 wieder Beinahe-Kollisionen auf Airports. Und allen beruhigenden Statistiken zum Trotz bleiben die Zahlen der gefährlichen Zwischenfälle konstant.

Immer wieder verschwanden Flugzeuge

Das Wunder vom Hudson: Eine spektakuläre Notwasserung

Es hätte eine große Katastrophe werden können – und endete als "Wunder vom Hudson": Nur der raschen und beherzten Reaktion eines Piloten verdanken 150 Passagiere und fünf Crewmitglieder eines Airbus A320 ihr Leben. Dem erfahrenen Flugkapitän Chelsey Sullenberger gelang eine beispiellose Notwasserung im Hudson River in New York, nachdem Vögel in die Triebwerke geraten waren.

Bei dem Flug von New York nach Charlotte am 15. Jänner 2009 waren nach dem Vogelschlag beide Triebwerke ausgefallen und sofort in Brand geraten. "Das war der furchtbarste Moment meines Lebens", sagte "Sully" später. Im Cockpit war dem 59-Jährigen nichts anzumerken: Mit kontrollierter Stimme meldete er dem Tower am La-Guardia-Airport, dass er zum Flughafen zurückkehren und notlanden müsse. Doch der Airbus war da schon zum Segelflugzeug geworden, an eine Notlandung nicht mehr zu denken. "Wir gehen auf den Hudson runter", entschied Chelsey Sullenberger blitzschnell – und setzte zur Notwasserung an.

Mit Tempo 250 aufs Wasser

Dieses Manöver stellt eine Meisterleistung des Piloten dar, da die Triebwerke beim Eintauchen ins Wasser normalerweise unsymmetrisch abreißen und das Flugzeug in den meisten Fällen zerbricht. In diesem Fall riss zwar auch ein Triebwerk ab, dennoch gelang es dem Piloten, die Maschine auf Kurs zu halten und so ein Auseinanderbrechen zu vermeiden. Nicht nur, dass der Airbus sich nicht überschlug oder zerbrach, als er mit Tempo 250 auf das Wasser knallte – die Passagiere blieben auch noch unverletzt. Ein tiefer Schnitt im Bein einer Stewardess war die schlimmste Verletzung.

Nach der geglückten Notwasserung verhielten sich "Sully" und seine Crew weiter wie Helden. Sie sorgten mit einer gut koordinierten Evakuierung dafür, dass keine Panik ausbrach. Sie halfen jedem einzelnen Passagier hinaus; auch die verletzte Stewardess kümmert sich darum, dass alle auf die Tragflächen des nur sehr langsam sinkenden Flugzeugs gelangten. Schiffe kamen den Passagieren zu Hilfe. "Sully" verließ die Maschine als Letzter, nachdem er noch zwei Mal durch die Kabine gegangen war, um zu kontrollieren, ob auch wirklich alle draußen sind.

Chelsey Sullenberger wird in den USA nach wie vor als Held gefeiert. Der heute 63-Jährige, der seit 1980 bei US Airways angestellt war, ging im Jahr 2010 in Pension. Er ist trotz des Rummels um seine Person bescheiden geblieben: "Ich habe doch einfach nur meinen Job gemacht."

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