Radarbilder deuten auf Kursänderung hin

Die verschollene Boeing überflog möglicherweise in verringerter Flughöhe die Straße von Malakka.

Aussicht aus einem der Suchfluzeuge: Eine der Tho-Chu-Inseln  Suchaktion

Das seit Tagen vermisste malaysische Passagierflugzeug ist Militärkreisen zufolge möglicherweise über die Straße von Malakka geflogen. Problem daran: Das liegt in die entgegengesetzte Richtung der eigentlichen Flugroute: Der malaysische Krisenstab weitete das Suchgebiet am Dienstag erheblich aus, auch auf die Meeresenge von Malakka vor der Westküste Malaysias. Die Maschine habe ihren Kurs geändert und die Flughöhe verringert, nachdem sie die Stadt Kota Bharu an der Ostküste überflogen habe, sagte ein Vertreter des Militärs der Nachrichtenagentur Reuters. Die malaysische Zeitung Berita Harian zitierte Luftwaffenchef Rodzali Daud mit den Worten, die Maschine sei am Samstag um 2.40 Uhr nahe der Insel Pulau Perak am nördlichen Ende der Straße von Malakka in 9000 Metern Höhe auf dem Militärradar aufgetaucht. Das wäre gut eine Stunde, nachdem das Flugzeug vom Radar der zivilen Flugsicherung verschwunden war.

Die viel befahrene Schifffahrtsstraße von Malakka liegt entgegengesetzt zur Flugroute nach Peking. Bis zur Straße von Malakka hätte die Maschine Hunderte Kilometer unentdeckt durch einen Luftraum mit hohem Verkehrsaufkommen fliegen müssen. Die Piloten hatten weder einen Notruf abgesetzt noch hatten die Bordcomputer der Bodenkontrolle technische Probleme signalisiert.


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Nach vier Tagen intensiver Suche mit Dutzenden Flugzeugen und Schiffen gibt es immer noch keine Spur des Flugzeugs. Die Boeing 777-200 ist seit Abbruch des Funkkontakts am Samstag in der Früh spurlos verschwunden. Das Flugzeug der Malaysia Airlines war in Kuala Lumpur gestartet und sollte nach Peking fliegen. An Bord waren 239 Menschen.

Gestohlene Pässe

A combination photo shows two men whom police said Foto: Reuters/HANDOUT Die beiden Iraner reisten mit falschen Pässen: Links Mehrdad. Er hatte gestohlene österreichische Papiere.

Die beiden Passagiere mit gestohlenen Pässen an Bord waren keine Terroristen. Ermittler identifizierten die beiden am Dienstag als Iraner, die lediglich mit gestohlenen Pässen nach Europa gelangen wollten. Der Jüngere wollte zu seiner Mutter nach Frankfurt, wie der malaysische Polizeichef Khalid Abu Bakar am Dienstag sagte. Ronald Noble, Generalsekretär der Polizeiorganisation Interpol in Lyon: "Je mehr Informationen wir bekommen, desto mehr sind wir geneigt, daraus zu schließen, dass es sich um kein Attentat handelt." Damit verlief eine mögliche Spur zur Klärung des mysteriösen Verschwindens von Flug MH370 im Sande.

Der 19-jährige Iraner Mehrdad P. soll mit dem Pass des Salzburgers gereist sein. Polizeichef Khalid Abu Bakar sagte am Dienstag in Kuala Lumpur: "Wir denken, dass er nach Deutschland auswandern wollte." Die malaysische Polizei stehe in Kontakt mit der Mutter in Frankfurt. "Sie erwartete ihn dort", so der Polizeichef. Ein Iraner namens Ali hatte das Ticket für den 19-Jährigen in Pattaya in Thailand gebucht, wie die Polizei dort berichtete. Das Ticket war für einen Flug von Kuala Lumpur über Peking und Amsterdam nach Frankfurt/Main gebucht. Der Iraner buchte dort ein zweites Ticket für einen Mann über Peking und Amsterdam nach Kopenhagen. Er wurde nach Angaben des Polizeichefs noch nicht identifiziert. Laut Medien könnte sein Ziel Schweden gewesen sein.

Der Käufer der Tickets habe erst andere Airlines buchen wollen, berichteten Lokalmedien unter Bezug auf die Reiseagentur in Pattaya. Er habe dann die Tickets für die spätere Unglücksmaschine genommen, weil sie billiger gewesen seien.

CIA schließt Terroranschlag nicht aus

Der US-Geheimdienst CIA schloss hingegen einen Terroranschlag als Ursache des mysteriösen Verschwindens des malaysischen Passagierflugzeugs weiter nicht aus. Es gebe "mehrere mögliche Bekennerhinweise", die bisher jedoch nicht untermauert oder bestätigt worden seien, sagte CIA-Chef John Brennan am Dienstag.

Es war das erste Mal, dass ein US-Beamter über mögliche Bekennerhinweise zu dem verschollenen Flugzeug sprach. Es gebe weiterhin viele offene Fragen zum Verschwinden von Flug MH370, sagte Brennan. "Wir beobachten das sehr genau. Es ist ganz klar ein Rätsel."

Vier Erklärungsversuche

Nach Angaben von Polizeichef Khalid verfolgen die Ermittler vier mögliche Erklärungsstränge: eine Entführung, Sabotage, psychologische Probleme bei Passagieren oder der Besatzung als Grundlage einer Selbstmordaktion oder aber persönliche Probleme. In diesem Zusammenhang werde untersucht, ob jemand eine hohe Versicherung abschloss oder hohe Schulden hatte.

Diese Ermittlungen standen in den vergangenen Tagen im Schatten der Überprüfung der beiden Iraner.

Die Maschine war nach Angaben von Malaysia Airlines im Hangar in Kuala Lumpur zuletzt am 23. Februar gewartet worden. Mechaniker hätten keinerlei Probleme an der Maschine entdeckt. Der nächste Check sei erst am 19. Juni fällig gewesen. Die Maschine war 2002 ausgeliefert worden und hatte gut 53.000 Flugstunden hinter sich.

Französische Justiz nahm Ermittlungen auf

Die französische Justiz hat indes Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen. Das verlautete am Dienstag aus Justizkreisen in Paris. In der Maschine, die auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking am Samstag spurlos verschwunden war, befanden sich auch vier französische Passagiere. Es handelt sich um drei Schüler des französischen Gymnasiums in Peking und um die Mutter von zwei der Kinder. Die Einleitung von Ermittlungen erfolgt in solchen Fällen in Frankreich praktisch automatisch.

Suche ausgeweitet

Die Ermittler nahmen am Dienstag ein deutlich größeres Gebiet unter die Lupe. Malaysia Airlines berichtete, dass auch über Land in Nord-Malaysia und Süd-Vietnam nach Überresten der Maschine gesucht werde. Bei der Suche setzt China nun auch Satelliten ein. Wie die Zeitung der chinesischen Volksbefreiungsarmee am Dienstag berichtete, wurden zehn Satelliten neu ausgerichtet, um die Suchaktion nach der Boeing 777 zu unterstützen.

Das Meer zwischen Malaysia und Vietnam ist nach Angaben von Meereswissenschaftlern nur rund 60 Meter tief - das ist weniger als die Spannweite der Boeing. Auch über Land in Nordmalaysia und Südvietnam wurde gesucht.

Vier statt fünf Passagiere verpassten Flug

Malaysia Airlines hat am Dienstag außerdem frühere Angaben über fünf Passagiere korrigiert, die angeblich den Flug verpassten. "Es gab vier Passagiere, die MH370 gebucht hatten, aber nicht kamen", teilte die Fluggesellschaft am Dienstag mit. Am Sonntag hatten Ermittler bei einer Pressekonferenz gesagt, fünf Passagiere hätten eingecheckt, seien aber nicht am Gate erschienen. Ihr Gepäck sei deshalb wieder ausgeladen worden. Wie es zu der Fehlinformation kam, sagte die Airline nicht.

Vermeintliches Opfer von Flug MH370

Christian Kozel: "Gigantisches Medieninteresse"

Er hatte nur wenige Minuten für sein 72. Interview. Christian Kozel, 61 Jahre alter pensionierter Masseur aus Salzburg, ist dieser Tage weltweit gefragt. Denn sein Name steht auf der Passagierliste jenes Flugzeuges, das seit Tagen auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking verschwand. Doch Christian Kozel lebt und ärgert und freut sich zugleich.

Seit der Salzburger am Samstagmittag von der Polizei darüber informiert worden ist, dass ein Mann mit seinem vor zwei Jahren im thailändischen Phuket gestohlenen Reisepass ein Ticket gekauft haben muss, hört das Telefon nicht auf zu läuten. "Das Interesse an meiner Person ist gigantisch, unvorstellbar. Ich habe in den vergangenen zwei Tagen 71 Interviews gegeben, und zwar für Medien als aller Welt. Aus Amerika, Asien und vor allem aus Deutschland. Auch österreichische Medien haben mir wegen meiner Passgeschichte die Türen eingerannt", sagte er zur APA.

Unverständlich ist für den pensionierten Masseur, dass das Flugzeug bisher nicht gefunden werden konnte. "Für mich persönlich ist dieser Hype jetzt anstrengend, aber auch spannend. Aber zugleich trauere ich um die vermutlich Toten und ihre Angehörigen, die seit Tagen in Ungewissheit leben müssen."

"In Zeiten elektronischer Totalüberwachung des Bürgers darf so etwas einfach nicht mehr passieren. Ist es wirklich so leicht, einen österreichischen Pass zu fälschen, Behörden zu täuschen und die umständlichen Kontrollen auf Flughäfen auszutricksen?", fragte der Salzburger Pensionist.

Natürlich sei gerade Thailand ein Land, in dem besonders viele Pässe gestohlen werden. "Die Leute fliegen hin, trinken zu viel, manche gehen ins Bordell, sind unaufmerksam und werden bestohlen", meinte der in Wien geborene Wahlsalzburger und betonte, selbst nur an Urlaub interessiert gewesen zu sein. "Aber was dann an Bürokratie auf mich zukam, war grauenhaft. Ich sage Ihnen, es wäre viel leichter gewesen, in Thailand einzuwandern, die Staatsbürgerschaft zu beantragen und für immer dortzubleiben, als Papiere für die Rückreise zu bekommen."

(apa/rts / sho/csm/mn) Erstellt am
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