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Italien
10/03/2014

Lampedusa trauert: Große Schiffskatastrophe jährt sich

Am 3. Oktober vor einem Jahr starben 360 Menschen - in den letzten 20 Jahren waren es 20.000.

Der 3. Oktober vor einem Jahr war ein schwarzer Tag für Lampedusa, die italienische Insel, die so viele Tragödien kennt. Das etwa 20 Meter lange Boot mit mehr als 500 Menschen an Bord sank am Weg von Libyen in die Festung Europa. Mehr als 360 Flüchtlinge kamen uns Leben. Es war eines der größten Unglücke dieser Art - und stieß zumindest die Diskussion über die Unverhältnismäßigkeit der europäischen Flüchtlingspolitik an. Diese dauert jedoch bis heute fort.

Ein Jahr nach dieser Katastrophe gedenkt die italienische Mittelmeerinsel heute der Opfer. Überlebende des Flüchtlingsdramas und Angehörige der Opfer beteiligten sich am Donnerstagabend an einer multikonfessionellen Zeremonie. Gedenkveranstaltung mit Überlebenden und Hinterbliebenen sind auch am heutigen Freitag geplant. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sowie Italiens Außenministerin und designierte EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und die italienische Parlamentspräsidentin Laura Boldrini trafen auf der Insel ein und beteiligten sich an einer Podiumsdiskussion über Initiativen zur Vorbeugung weiterer Flüchtlingstragödien im Mittelmeer. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Gemeinde Lampedusas.

Gegen die Politiker wurde am Freitag auch demonstriert: Eine Gruppe skandierte Sprechchöre gegen Schulz. Einwohner Lampedusas demonstrierten zudem am Hafen und forderten konkrete Initiativen gegen die Flüchtlingswelle aus Nordafrika. Sie protestierten gegen den Beschluss der italienischen Behörden, das vor einige Monate gesperrte Auffanglager auf der Insel wieder zu öffnen. Die Bürgermeisterin Lampedusas, Giusy Nicolini, rief Europa auf, konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer Flüchtlingstragödien zu ergreifen. "Italien kann nicht allein für ein Drama historischen Ausmaßes aufkommen", sagte die Bürgermeisterin der 6.500 Seelen-Insel.

20.000 Menschen

"In den letzten 20 Jahren sind 20.000 Menschen im Mittelmeer gestorben. Das Flüchtlingsdrama am 3. Oktober 2013 war nur ein Unglück inmitten einer dramatischen Serie. Allein in diesem Jahr sind circa 3.000 Menschen bei Seeüberfahrten ums Leben gekommen. Solange Europa keine Initiativen zum Schutz der Flüchtlinge ergreift, werden weitere tausende Menschen sterben", sagte ein Sprecher des Komitees "3 Oktober", das Überlebende der Flüchtlingstragödie vor einem Jahr und deren Angehörige vereint.

Einige Fischer warfen Blumenkränze am Ort der Schiffstragödie ins Meer. Außerdem wurde auf dem Meeresboden zur Erinnerung an die Opfer eine Gedenktafel angebracht. Am Freitagnachmittag werden Überlebende und Angehörige der Opfer durch das Zentrum Lampedusas ziehen. 368 Laternen zum Andenken an jedes Opfer werden in die Luft steigen. Nach einem Gebet sollen die Bilder der Überlebenden und Helfer ausgestellt werden, die sich am Tag des Unglücks auf Lampedusa befanden.

Strom reißt nicht ab

Auf Lampedusa trafen inzwischen am Freitag wieder acht Flüchtlinge ein, die im Mittelmeer gerettet wurden. Die verletzten Migranten, die aus Libyen abgefahren waren, wurden auf Lampedusa behandelt und dann nach Palermo gebracht. Auf ihren Körpern seien Folterspuren sichtbar, berichtete einer der Ärzte, der die Migranten behandelte. Der Gesundheitszustand der Flüchtlinge sei nicht besorgniserregend.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte indes eine Fortführung der Mittelmeer-Operation "Mare Nostrum" zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Der Einsatz habe bisher 141.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet, sagte die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Selmin Caliskan. "Mare Nostrum" müsse so lange fortgeführt werden, bis die Operation von "etwas Adäquatem" ersetzt werde. Dies müsse dann von der gesamten EU gestützt und als gemeinsame Verantwortung getragen werden, sagte Caliskan.

Das Eingangstor für Flüchtlinge:

ITALY LAMPEDUSA MIGRANTS INFLUX

ITALY LAMPEDUSA MIGRANTS INFLUX

In this photo taken on July 2, 2013 and made avail…

ITALY LAMPADUSA MIGRATION

ITALY MIGRATION REFUGEES

ITALY MIGRANTS CRISIS

A view of the immigrant shelter in Lampedusa, the …

Migrants attend a Mass celebrated by Pope Francis …

Lampedusa: Immer wieder große Flüchtlingsdramen

Oktober 2013: Mehr als 360 Flüchtlinge ertrinken nahe der italienischen Insel Lampedusa. Das Boot fängt Feuer und kentert. Die Küstenwache kann 155 Menschen in Sicherheit bringen. Sie stammen überwiegend aus Somalia und Eritrea.

September 2012: Vor der Westküste der Türkei kommen mehr als 60 Menschen ums Leben, überwiegend Kinder und Frauen. Das Boot der Flüchtlinge hatte einen Felsen gerammt und war gekentert. Mehr als 100 Menschen waren an Bord des nur etwa 15 Meter langen Bootes - vor allem Palästinenser, aber auch Syrer und Iraker.

Juni 2012: 54 Flüchtlinge kommen bei dem Versuch ums Leben, in einem Schlauchboot von Libyen aus das Mittelmeer Richtung Italien zu überqueren. Starke Winde treiben sie schon in Sichtweite der Küste wieder aufs Meer. Ohne Wasservorräte an Bord trinken die Flüchtlinge Meerwasser. Nur ein Mann aus Eritrea überlebt.

August 2011: Ein Boot erreicht mit 270 überlebenden Flüchtlingen aus Afrika Lampedusa. Unter Deck liegen die Leichen von 25 Männern. Sie waren im Lade- und Maschinenraum zusammengepfercht und nach dem Ablegen in Libyen vermutlich an Abgasen erstickt. Viele Frauen und Kinder starben an Hunger, Durst und Entkräftung. 100 Leichen seien über Bord geworfen worden, berichtet ein Überlebender.

Juni 2011: Vor der tunesischen Küste gerät ein Boot mit Flüchtlingen aus Afrika und Asien auf dem Weg nach Italien in Seenot. Nur wenige können gerettet werden, bis zu 270 Menschen bleiben verschollen.

April 2011: Beim Kentern eines libyschen Flüchtlingsschiffes vor Lampedusa ertrinken bis zu 250 Menschen. Die Opfer kommen aus Somalia, Eritrea und anderen Staaten Afrikas.

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