© Deleted - 2019072

Sandy
10/31/2012

KURIER-Reporterinnen im Sturm

Während Washington glimpflich davonkam, wurde New York voll getroffen. Ein Stimmungsbericht

Bedrohlich pfeift der Sturm um das zwölf Stock hohe Haus am Gramercy Park, rüttelt hektisch an den Fenstern. Dann wieder Sekunden der Stille, unterbrochen vom Sirenen-Geheul von Feuerwehr und Rettung unten in den Straßen Manhattans. Gleich schlägt der Wind wieder wild an die Scheiben, gefolgt von peitschendem Regen. Das Licht flackert. Im Fernsehen will eine regennasse Frau erzählen, was im Battery Park, unten am Ende von Manhattan, los ist. Sie beginnt – und ist gleich wieder weg. Bild- und Tonausfall. Weiter geht’s im TV-Studio mit Berichten und Warnungen.

"Gehen Sie weg von Fenstern", sagt Bürgermeister Michael Bloomberg. Nur zu gerne folgt man ihm. Und hofft dabei inständig, dass es dem fetzigen Sturm nicht gelingt, eines oder mehrere einzuschlagen.

Aktuelle Informationen zu den Schäden durch Sandy finden Sie hier.

Ein TV-Reporter erzählt, dass jetzt auch noch der Lincoln Tunnel und die Brooklyn Bridge geschlossen werden und dass Manhattan damit praktisch vom Festland abgeschnitten ist. Und dass es womöglich nur mehr eine Frage von kurzer Zeit ist, bis umfallende Bäume, Kräne und Hausteile das Licht in ganz Manhattan ausgehen lassen.

Für acht Uhr Montagabend war der Beginn der schlimmsten Auswirkungen von Hurrikan Sandy angekündigt. Und die Vorhersage stimmt perfekt: Durch die peitschenden Angriffe des Sturmes beginnt auch noch das Haus leicht zu schwanken. Nur keine Panik aufkommen lassen. Wenige Minuten später fällt der Strom aus. Man kann sich nur wieder hinlegen und auf Tageslicht warten.

Gegen ein Uhr Früh wird der Sturm schwächer. Immer noch kommen Böen, sie sind aber nicht mehr so stark. Die Feuerwehrautos und Rettungswagen, die ununterbrochen vorbeifahren, haben nachts nur das Blaulicht aufgedreht. Das Folgetonhorn wird abgeschaltet. Das macht das Schlafen einfacher.

Aufatmen in Washington

Am Dienstag in der Früh ist es kalt in Washington D.C., aber zumindest regnet es nicht mehr. Der Wind ist weg, nur umgefallene Bäume und abgebrochene Äste liegen auf den Straßen. Die Regierungsgebäude bleiben geschlossen, ebenso wie die U-Bahnstationen.

Nach zwei Tagen, in denen der "Supersturm" Sandy die Hauptstadt der Vereinigten Staaten in Geiselhaft genommen hat, regiert unter den Betroffenen der Galgenhumor. "Sandy! War das etwa schon alles?" ruft ein Tourist aus Missouri, der im Hotel festsitzt. "Dort wo ich herkomme, nennt man das nicht Hurrikan." Die Antwort einer Belgierin: "Wo ich herkomme, nennen wir das Winter."

Tatsächlich ist Washington, D.C. besser davongekommen als die meisten anderen Bundesstaaten, die in Sandys Einzugsgebiet lagen. Nach den fürchterlichen Schreckensmeldungen, die etwa aus New York und West Virginia eintreffen, herrscht in Washington am Dienstag Erleichterung.

In den meisten Teilen der Stadt funktioniert der Strom, die Telefone, das Internet. Verwandte können informiert werden, dass nichts Schlimmes geschehen ist.

Sandy zog am Dienstag weiter in Richtung Nordwesten; Washington blieben ergiebiger Regen und heftiger Wind aber zunächst weiter erhalten. Sogar manche Schneeflocke soll gesichtet worden sein. Eine wirkliche Entwarnung zur Wettersituation konnte zumindest in den Morgenstunden noch nicht gegeben werden.

Im Dunklen frieren

Die schlimmsten Sturmkapriolen waren hier schon am frühen Dienstagmorgen über die Stadt gezogen, bei Windspitzen von rund 100 km/h fiel der heftige Regen teilweise horizontal. Da traute sich niemand mehr vor die Tür. Die Temperaturen stürzten in den Keller. Die rund fünf Grad Celsius wurden vor allem für jene Haushalte zum Problem, die keinen Strom mehr hatten – viele befürchten, dass sie bis zu einer Woche lang im Dunklen frieren müssen. Doch dank der eindringlichen Warnungen der Tage zuvor hatten sich die meisten mit dem Nötigsten eingedeckt. Zum Glück, denn geöffnete Geschäfte suchte man hier vergeblich.

Auch der öffentliche Verkehr stand am Dienstag noch still. Das war auch ein Grund dafür, dass die Hauptstadt noch nicht zu normalen Verhältnissen zurückkehren konnte. Wer musste, nahm ein Taxi – zähneknirschend, denn die Washingtoner Taxi-Kommission schlug wegen Sandy 15 US-Dollar pro Fahrt auf den üblichen Preis. Die Situation soll sich in den kommenden Tagen bessern, in Washington wird das übliche Leben wohl weit schneller wieder aufgenommen werden können als in anderen Großstädten der Region.

Mehr zum Thema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

 

 

 

 

 

 

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.