Kardinal Tarcisio Bertone wies die Vorwürfe zurück

© REUTERS/ALESSANDRO BIANCHI

Vatikan
12/20/2015

Kardinal Bertone: "Ich führe kein Luxusleben"

Schlechtes Gewissen? Tarcisio Bertone, der mit der teuren Renovierung seiner Wohnung Schlagzeilen machte, spendete nun 150.000 Euro an eine Kinderklinik.

Ex-Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, ehemals rechte Hand von Papst Benedikt, hat als der verschwenderische Kardinal im Zuge des Vatileaks-2-Skandals für Schlagzeilen gesorgt. Wenige Tage vor Weihnachten hat Bertone nun 150.000 Euro an die Stiftung der vatikanischen Kinderklinik Bambino Gesu gespendet. Für Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi ist das ein klares Schuldeingeständnis des 81-jährigen Kardinals.

In seinem Sachbuch "Avarizia" hat Fittipaldi über die aufwendige Renovierung von Bertones luxuriöser, 300 Quadratmeter großer Dachgeschoßwohnung berichtet, die mit Stiftungsgeldern finanziert wurde. Gemeinsam mit seinem Kollegen Gianluigi Nuzzi (Buch: Alles muss ans Licht) hatte Fittipaldi mit Enthüllungen über Verschwendung, Korruption und Geldwäsche im Vatikan den zweiten Vatileaks-Skandal ins Rollen gebracht.

"Keine Entschädigung"

Bertones Wohnung befindet sich nur unweit vom Gästehaus Santa Marta, wo Papst Franziskus in einem einfachen Zwei-Zimmer-Apartment lebt. Der Kardinal erklärte zu seiner Geldzahlung: "Es ist eine freiwillige Spende und keine Entschädigung. Ich werde in Raten zahlen, ich führe kein Luxusleben." Er hätte viele Jahre gearbeitet, dabei ein bisschen Geld verdient und auch einige wohlwollende finanzielle Zuwendungen erhalten. Diese hätte er aber immer dafür verwendet, bedürftigen Personen zu helfen, rechtfertigt sich Bertone.

"Jemand behauptet, dass ich die Kinderklinik entschädigt habe. Das ist vollkommen falsch, denn nicht ich, sondern andere haben dem Krankenhaus einen Schaden zugefügt. Ich habe mich zu dieser Schenkung entschlossen, um dem Krankenhaus meine Nähe zu bezeugen", sagte Bertone der Zeitung La Repubblica.

Die Vorwürfe gegen ihn seien absurd, klagte Bertone. Er bestritt, dass er in einer Luxuswohnung lebe. Die Wohnung sei so groß wie jene anderer Kardinäle. Er teile sie mit einer kleinen Gemeinschaft von Ordensschwestern, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen, so Bertone.

Teure Renovierung

Der Stiftung der Kinderklinik wird vorgeworfen, mit 200.000 Euro die teuren Renovierungsarbeiten in Bertones Wohnung mit riesiger Dachterrasse finanziert zu haben. Im Gegenzug sollte der Kardinal das Appartement für Veranstaltungen zur Spendenwerbung zur Verfügung stellen. Das Geld war eigentlich für kranke Kinder sowie für medizinische Forschung vorgesehen.

Seit Ende November führt der Vatikan gegen Fittipaldi und Nuzzi einen Prozess wegen Publikation vertraulicher Dokumente. Weiters stehen die Juristin und Vatikan-Mitarbeiterin Francesca Chaouqui, der spanische Monsignor Lucio Vallejo Balda und sein Mitarbeiter Nicola Maio als mutmaßliche Informanten der beiden Journalisten vor Gericht. Der Prozess wird voraussichtlich Mitte Februar 2016 fortgesetzt.

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