Chronik | Welt
25.07.2017

Der Stadt Rom geht das Wasser aus

Schlechte Verwaltung: Rationierungen angeordnet, aber in zehn Tagen wurde eine lecke Leitung nicht repariert.

Touristen wie Römer suchen an heißen tagen Abkühlung bei den kleinen Trinkwasserbrunnen, die an jeder Straßenecke stehen. Über 2500 Fontanelle sind über ganz Rom verteilt. Noch sprudelt frisches Wasser, doch ab Freitag wird den 1,5 Millionen Römern der Wasserhahn abgedreht werden. Hitze und Trockenheit erfordern diese drastischen Schritte.

Das italienische Wasserleitungsnetz ist mit einer Länge von insgesamt 425.000 Kilometer dringend sanierungsbedürftig. Die Modernisierung würde fünf Milliarden Euro verschlingen. Die Instandhaltung des Wassernetzes wird in Italien seit Langem sträflich vernachlässigt. Während EU-Länder 80 Euro pro Einwohner in das Wassernetz investieren, sind es in Italien lediglich 32 Euro. Der Umweltschutzverband Legambiente kritisierte, dass durchschnittlich 39 Prozent des Wassers auf dem Weg in die Haushalte verloren gehen. In Rom geht sogar die Hälfte verloren.

Schlampige Verwaltung

Ins Zentrum der Kritik gerät dabei Fünf-Sterne-Bürgermeisterin Virginia Raggi. Die chaotische und unprofessionelle Stadtführung hätte die Lage verschlimmert.

Seit zehn Tagen versuchen die Bewohner im Stadtviertel Monteverde die Verantwortlichen im städtischen Wasserversorgungs-Unternehmen Acea zu erreichen. Die lecken Wasserleitungen, die 24 Stunden am Tag die Via Gaetano Storchi überfluten, sind nicht nur eine Gefahr für die Stabilität der Häuser und der Straße. Auch Unmengen an Trinkwasser werden sinnlos vergeudet. "Bis jetzt sind alle Anrufe nutzlos gewesen, gestern kam kurz jemand vorbei, aber bisher ist nichts geschehen. Angeblich wäre kein Geld für die Reparatur da", beklagt eine Bewohnerin.

Ironie dabei: Obwohl die Stadtverwaltung das Leck nicht repariert, hat Bürgermeisterin Raggi die Bewohner zu Sommerbeginn bereits aufgefordert, mit dem kostbaren Nass sparsam umzugehen. Trinkwasser sollte nicht zur Bewässerung von Gärten, zum Autowaschen oder für Pools verschwendet werden. Natürlich überprüft niemand, wer sich an diese Anweisung tatsächlich hält.

Schon in wenigen Tagen wird Acea kein Wasser mehr aus dem nahegelegenen Bracciano-See, der einen historischen Tiefstand erreicht hat, pumpen dürfen.

"Es ist eine Tragödie. Der Wasserstand des Sees ist so weit gesunken, dass eine Umweltkatastrophe droht", betonte der Präsident der Region Latium, Nicola Zingaretti. "Das Wasser in Rom geht aus. Ich würde gerne Donald Trump einladen, damit er versteht, was es bedeutet, Klima-Abkommen nicht einzuhalten", so Zingaretti. Zehn Regionen, darunter die Basilicata, Kalabrien und Sizilien, haben kaum noch Wasser. Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen sind ausgetrocknet. Die landwirtschaftlichen Schäden belaufen sich auf zwei Milliarden Euro.