Im Süden Italiens kommen die meisten Flüchtlinge per Boot an, im wirtschaftlich besser gestellten Norden will man sie nicht haben.

© REUTERS/ALESSANDRO BIANCHI

Italien
07/17/2015

Italien: Aufstand gegen Flüchtlinge in Treviso

Der reiche Norden Italiens will von einer quotenmäßigen Aufteilung von Asylwerbern nichts wissen.

Matratzen und Möbel wurden in der Nacht in Brand gesteckt. Aufgebrachte Anrainer hinderten Carabinieri daran, Nahrungsmittel für Flüchtlinge zu liefern. Mit Gewalt wehrten sich Bewohner in der Nähe von Treviso gegen die Ankunft von 100 Flüchtlingen in zwei Wohnblöcken der Gegend. „Präfekt Marrosu, nimm sie zu dir nach Hause“ war auf einem Plakat an einer Hauswand zu lesen.

Die Präfektur der norditalienischen Stadt war einem Aufruf des italienischen Innenministeriums nachgekommen, dringend Unterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Der Bürgermeister der 10.000-Einwohner-Gemeinde Quinto di Treviso beugte sich mittlerweile den Protesten und kündigte an, die Flüchtlinge in einer ehemaligen Kaserne unterzubringen.

Die Aufnahmelager in Sizilien und Kalabrien, wo die meisten Flüchtlinge nach der lebensgefährlichen Fahrt über das Mittelmeer ankommen, sind überfüllt. Doch der wirtschaftlich weit stärkere Norden des Landes will von einer quotenmäßig gerechten Verteilung von Asylwerbern nichts wissen. Die beiden von der Lega Nord regierten Regionen Veneto und Lombardei, aber auch Ligurien weigern sich, Menschen aufzunehmen. Der rechte Gouverneur Liguriens, Giovanni Toti, und Lega-Parteikollege Roberto Maroni, Präsident der Lombardei, folgen dem Beispiel Venetiens. Sie leisten heftigen Widerstand gegen Flüchtlingsunterkünfte und warnen vor sozialen Unruhen.

„Afrikanisierung“

Venetos Lega Nord-Präsident Luca Zaia sprach gar von einer „Afrikanisierung“ der Region. Er solidarisierte sich mit den ausländerfeindlichen Protesten. „Wir unterstützen keine Gewalt, aber wir werden bis zum Ende dagegenhalten“, erklärte Zaia.

Die Nachricht an Premier Matteo Renzi ist klar: Er solle keine Flüchtlinge mehr nach Venetien schicken. „Wir sagen Nein. Wir stellen uns gegen die weitere Aufnahme von Flüchtlingen“, zeigt sich Zaia stur. In Venetien würden bereits 517.000 Migranten leben. Das entspreche elf Prozent der lokalen Bevölkerung. Die Arbeitslosigkeit nehme zu.
Nicht nur in Treviso gibt es Proteste. Auch andere Städte wie Verona und Padua – beide Städte werden von Lega Nord-Bürgermeistern regiert – zeigen keine Solidarität mit vor Not und Krieg flüchtenden Menschen.

Besonders Urlaubsorte an der nördlichen Adria will man vor Flüchtlingen abschirmen. Man fürchtet bei hoher Flüchtlingspräsenz negative Auswirkungen auf den Fremdenverkehr.

Auch an der römischen Peripherie kam es am Freitag zu Krawallen gegen den geplanten Einzug von hundert Flüchtlingen in eine ehemalige Schule in Casale San Nicola.

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