Stierhatz in Spanien

© APA/EPA/EMILIO NARANJO

Tier wehrt sich
08/27/2015

Heuer viele Tote bei Stiertreiben in Spanien

Mindestens zehn Teilnehmer wurden im Juli und August getötet.

Stiertreiben ist in Spanien in Tausenden Orten ein fester Bestandteil der Volksfeste. Im heurigen Sommer sind dabei ungewöhnlich viele Menschen ums Leben gekommen. Mindestens zehn Todesfälle sind bisher dokumentiert. Die Veranstalter sprechen von einem Zufall, die Fans des Spektakels meinen: "Ein Null-Risiko gibt es nicht."

Die tödlichen Zwischenfälle liegen deutlich über jenen in den vergangenen Jahren. Die Zahl der Verletzten dürfte in die Hunderte gehen. "Die Fiesta ist mit Blut befleckt", beklagte die Zeitung "El Mundo".

Mehr Stiertreiben

Die jüngste Entwicklung dürfte damit zu tun haben, dass in Spanien derzeit deutlich mehr Stiertreiben stattfinden als vor wenigen Jahren. 2014 waren es im ganzen Land fast 16.000, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Viele Gemeinden hatten die Erfahrung gemacht, dass sie bei ihren Volksfesten mehr Besucher anlocken, wenn eine Stierhatz auf dem Programm steht. Zudem werden die Stiere von den Züchtern günstig angeboten, weil die Zahl der regulären Stierkämpfe, bei denen die Tiere von einem Torero in der Arena getötet werden, drastisch zurückgegangen ist und es daher ein Überangebot an Stieren gibt.

Das "Mekka der Stierhatz" ist Pamplona. Dort hatte das Volksfest der Sanfermines den US-Schriftsteller Ernest Hemingway so sehr beeindruckt, dass er die Stiertreiben in seinem Roman "Fiesta" beschrieb und weltweit berühmt machte. Um das Risiko der Teilnehmer in Grenzen zu halten, gilt in der nordspanischen Stadt ein strenges Reglement. Angetrunkene dürfen nicht teilnehmen, das Mitführen von Handys ist untersagt. Zudem stehen zahlreiche Ärzte und Sanitäter bereit, die Erste Hilfe leisten können.

Laxe Sicherheitsvorkehrungen

In anderen Orten geht man mit den Sicherheitsvorkehrungen eher lax um. "Wenn man in Pamplona von einem Stier auf die Hörner genommen wird, ist man in wenigen Minuten in einem Operationssaal", berichtet Diego. Der 28-Jährige nimmt seit vielen Jahren an Stiertreiben teil. "In anderen Orten stirbt man auf dem Weg zum Krankenhaus."

Bei den "encierros" (Stiertreiben) lässt man Kampfstiere durch die Straßen eines Ortes laufen und gibt jungen Männern die Gelegenheit zu Mutproben. Die Spektakel sind auch in der Region Katalonien erlaubt, wo Stierkämpfe in der Arena verboten sind. Die Teilnehmer an einer Hatz sind keine Toreros, sondern Laien, die im Umgang mit den Stieren zuweilen unerfahren sind und nicht wissen, wie die Tiere reagieren. Andere treten in Badeschlapfen an und sind oft alkoholsiert.

Die Veranstalter betrachten die Stiertreiben dagegen als "sicher". Die Zunahme der Todesfälle in diesem Jahr sei "zufällig", sagte Eduardo Flores, der die "encierros" organisiert, die derzeit in der Madrider Vorstadt San Sebastian de los Reyes stattfinden. Die Tierschützer fordern dagegen ein Verbot. "Die Stiertreiben sind gefährlich für die Menschen und eine Qual für die Tiere", meinte ein Sprecher der Tierschützerpartei Pacma.

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