Die Behörden suchen nun nach den Eltern des vierjährigen Mädchens.

© Reuters/HANDOUT

Griechenland
10/21/2013

Gefundenes Mädchen ist älter als vier

Laut dem Roma-Pärchen habe ihnen eine Bulgarin "Maria" anvertraut. Das Kind ist bei einer Hilfsorganisation untergebracht.

Das möglicherweise entführte Mädchen Maria in Griechenland ist mindestens fünf bis sechs Jahre alt statt nur vier. Das ergaben zahnärztliche Untersuchungen, wie Behörden am Montag mitteilten. Das Ehepaar, bei dem Maria entdeckt wurde, sagte unterdessen am Montag in Larissa vor dem Haftrichter aus. Nach ersten Informationen blieb der 39-jährige Mann bei seiner Aussage, nach der eine Bulgarin dem Paar das Kind anvertraut habe, weil sie es nicht großziehen könne. Den Behörden bot der Mann demnach Hilfe bei der Suche nach den leiblichen Eltern des Kindes an. Zur Aussage der 40-jährigen Frau gab es zunächst keine Informationen.

Das Mädchen ist inzwischen bei einer Kinderhilfsorganisation untergebracht. Bei der Organisation sind bereits tausende Hinweise auf dessen Herkunft eingegangen. Die Organisation spricht von zehn vielversprechenden Spuren, das berichtet der Guardian.

Den Beamten war das hellhäutige, blonde Kind mit grünen Augen bei einer Razzia in einem Roma-Lager im mittelgriechischen Farsala am vergangenen Donnerstag aufgefallen, weil es keinerlei Ähnlichkeit mit den übrigen angeblichen Familienmitgliedern hatte. Eine Überprüfung der DNS ergab, dass das Erbgut des Paares und des Kindes nicht übereinstimmt. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Kindesentführung und Kinderhandel.

Problem Babyhandel

Bulgarien und Griechenland sind seit einigen Jahren mit einem florierenden Babyhandel auf beiden Seiten der Grenze konfrontiert. Wohlhabende kinderlose Paare aus Griechenland lassen es sich bis zu 30.000 Euro kosten, um auf illegalem Weg an ein Kind zu kommen. Ein umstrittenes nationales Gesetz ermöglicht neben staatlichen auch private Adoptionen.

Und im ärmsten EU-Land Bulgarien stellen Nichtregierungsorganisationen und staatliche Stellen fest, dass der Kinderhandel unter den oft mittellosen Roma-Clans blüht. Hochschwangere Frauen werden überredet, ihr Kind zur Adoption freizugeben und zur Entbindung nach Griechenland gebracht. Die dort geborenen Babys werden an griechische Paare verkauft, wobei der Großteil des Geldes in die Taschen der Mittelsmänner wandert. Gemeinsame Ermittlungen der bulgarischen und griechischen Behörden gegen die sogenannte Baby-Mafia blieben bisher ohne nennenswerte Erfolge.

Suche nach den Eltern

Anwälte des festgenommenen Paares hatten schon am Wochenende bekannt gegeben, das Mädchen sei von seiner leiblichen Mutter verlassen worden. "Es gab keine Entführung, keinen Diebstahl, keinen Menschenhandel", betonte der Anwalt Konstantinos Katsavos.

Das Roma-Paar hatte das Kind laut Polizei beim Standesamt in Athen als leibliches Kind eintragen lassen. Ermittlungen ergaben, dass das Paar in drei griechischen Orten insgesamt 14 weitere Kinder registrieren ließ. Allein fünf von ihnen sollten 1993 im Zeitraum von fünf Monaten, drei weitere zwischen 1994 und 1995 geboren sein.

Behörden hoffen auf Hinweise

Das Mädchen wurde in die Obhut einer Wohlfahrtsorganisation übergeben. Deren Leiter sagte dem Fernsehsender Mega, nach einer "Phase der Tränen und Angst" habe sich das Kind inzwischen beruhigt und "erkannt, dass es in guten Händen ist". Die Kleine spreche nur die Sprache der Roma, verstehe aber Griechisch. "Sie war sehr verwahrlost, sehr schmutzig und verängstigt", sagte der Präsident der Kinderhilfsorganisation "Das Lächeln des Kindes", Kostas Jannopoulo. "Sie wusste nicht, was mit ihr passiert, und weinte." Nun gehe es dem Mädchen gut, am Montag solle es nach Untersuchungen im Krankenhaus in ein Kinderheim kommen.

McCanns schöpfen Hoffnung

Am Freitag meldeten sich auch die britischen Eltern der seit sechs Jahren vermissten Madeleine McCann zu Wort. Der aktuelle Fall sei ein Zeichen dafür, dass verschwundene Kinder auch wiedergefunden werden können.

Griechische Polizei

Kinderhilfsorganisation "Das Lächeln des Kindes"

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare