Das Kind ist bei der Hilfsorganisation "Das Lächeln des Kindes" untergebracht.

© APA/ORESTIS PANAGIOTOU

Griechenland
10/22/2013

Suche nach Marias Verwandten

Die Herkunft des in einer Roma-Siedlung gefundenen Mädchens gibt weiter Rätsel auf.

Die Suche nach Verwandten der kleinen Maria geht weiter: Das Kind war am Donnerstag vergangene Woche in einer Roma-Siedlung in Farsala in Griechenland durch Zufall entdeckt worden. Polizisten war das hellhäutige, blonde Mädchen mit grünen Augen aufgefallen, weil es keinerlei Ähnlichkeit mit dem Paar hatte, bei dem es lebte. Ein DNS-Test ergab, dass dies nicht die biologischen Eltern sind. Woher das Kind stammt, ist unklar.

Das Paar, bei dem Maria gefunden wurde, ist in Untersuchungshaft. Die 40-Jährige und der 39-Jährige sagten am Montag vor dem Haftrichter in der Stadt Larissa aus. Medieninformationen zufolge wird ihnen Kindesentführung und Urkundenfälschung vorgeworfen. Vor dem Haftrichter sagten sie laut Medienberichten, ein Paar aus Bulgarien habe ihnen das Kind anvertraut, weil es das Mädchen nicht großziehen konnte. Der Mann soll den Behörden angeboten haben, bei der Suche nach den leiblichen Eltern zu helfen. Sie leben demnach angeblich noch in Griechenland.

Der Vorsitzende der Roma-Gemeinde, in der Maria lebte, bestätigte die Angaben: Im Radio sagte Babis Dimitriou, das Kind stamme von einem bulgarischen Roma-Paar, das schon fünf Kinder gehabt habe. Das Paar habe in der Siedlung gelebt und sei nun weg.

Suche nach biologischen Eltern

Zahnärztliche Untersuchungen ergaben, dass das Mädchen mindestens fünf Jahre alt ist. Das teilte die Kinderschutzorganisation "Das Lächeln des Kindes" am Montag mit, die das Kind in Obhut genommen hat. Zunächst hatte es geheißen, Maria sei etwa vier.

Die griechische Polizei forschte unterdessen weiter nach Hinweisen auf organisierten Kinderhandel. Zur Ermittlung der biologischen Eltern der Kleinen wurden Gen-Proben in ausländische Labore geschickt.

Wie der Rundfunksender Skai am Montag meldete, ging bei den griechischen Behörden genetisches Material aus mindestens acht europäischen Ländern ein. Es stamme von Paaren, die hofften, dass Maria ihr vermisstes Kind sein könnte. Auch ein Paar aus Thessaloniki, dessen Neugeborenes 2009 unter mysteriösen Umständen verschwunden war, bat um eine DNS-Untersuchung.

Die von den Behörden eingesandten DNA-Proben stimmten weiters nicht mit dem Erbgut von 606 weltweit vermissten Personen überein, das Interpol vorliegt. Auf der Interpol-Liste seien 61 Kinder im ungefähren Alter des gefundenen Mädchens.

Standesbeamter suspendiert

Unterdessen wurde bekannt, dass der Fall in der Athener Stadtverwaltung zu personellen Konsequenzen geführt hat. Der Bürgermeister der griechischen Hauptstadt, Giorgos Kaminis, hat vier leitende Standesbeamte suspendiert. Das Auffinden des Mädchens hatte große Unregelmäßigkeiten vor allem im Athener Standesamt aufgezeigt, wo das Kind erst in diesem Frühjahr unter Vorlage falscher Papiere angemeldet worden war.

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