Chronik | Welt
29.06.2018

Fünf Tote in Annapolis: "Heute sind wir sprachlos"

"Wir sind untröstlich, am Boden zerstört. Unsere Kollegen und Freunde sind weg", schrieb der Herausgeber der "Capital Gazette",

Einen Tag nach dem Angriff auf eine US-Lokalzeitung in Annapolis haben trauernde Journalisten ihrer fünf getöteten Kollegen in der neuen Ausgabe ihres Blattes gedacht. "Wir sind untröstlich, am Boden zerstört. Unsere Kollegen und Freunde sind weg", schrieb der Herausgeber der Capital Gazette, Rick Hutzell, auf der Titelseite, die das Blatt am Freitag vorab über Twitter veröffentlichte.

"Heute sind wir sprachlos", heißt es in dem ebenfalls über Twitter verbreiteten Leitartikel. "Diese Seite wird heute absichtlich leer gelassen, um der Opfer zu gedenken." Es folgen die Namen der Getöteten.

In der Redaktion der Capital Gazette in Annapolis im Bundesstaat Maryland hatte ein 38-Jähriger am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) fünf Menschen erschossen. Unter den Opfern sind zwei Frauen - eine Verkaufsassistentin, die erst seit kurzem bei dem Blatt arbeitete, sowie eine Lokalreporterin und Kolumnistin. Getötet wurden auch ein langjähriger Sportjournalist, ein Leitartikel-Autor und der stellvertretende Chefredakteur. Zwei Menschen erlitten Verletzungen.

Belästigungsvorwürfe

Der Täter soll am Freitagvormittag dem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Berichten der Capital Gazette handelt es sich um einen Mann aus der rund 40 Kilometer entfernten Stadt Laurel, der mit dem Blatt seit Jahren einen erbitterten Rechtsstreit ausfocht. Das Blatt hatte 2011 über Belästigungsvorwürfe gegen den Mann berichtet. Daraufhin sei dieser vor Gericht gezogen und habe verloren. Weder der Kolumnist, der damals berichtete, noch der damalige Herausgeber und Verleger arbeiteten heute noch für die Zeitung.

Als "Kriegsgebiet" beschrieb ein Reporter der Capital Gazette die Szenen nach dem Angriff. Er sei um sein Leben gerannt und musste dabei über die Leiche eines Kollegen springen, berichtete ein Fotograf des Blattes. Nach Schilderung von Augenzeugen versteckten sich die Mitarbeiter unter Schreibtischen.