French President Francois Hollande looks on as he stands on the steps of the Elysee Palace after a meeting in Paris, September 9, 2014. REUTERS/Christian Hartmann (FRANCE - Tags: POLITICS)

© REUTERS/CHRISTIAN HARTMANN

Frankreich
09/10/2014

Hollande weist "Verachtung für Arme" zurück

Das französische Staatsoberhaupt übt Kritik an Aussagen seiner früheren Partnerin Valerie Trierweiler.

Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande fühlt sich verletzt durch Behauptungen seiner früheren Partnerin Valerie Trierweiler, er habe Arme verächtlich "die Zahnlosen" genannt. Das sei eine Lüge und ein Schlag gegen sein ganzes Leben, sagte er in einem Interview dem Nouvel Observateur zu Trierweilers Bestseller "Merci pour ce moment" (etwa: "Danke für diese Zeit").

Spott und Häme

"Ich bin nie auf der Seite der Mächtigen gewesen. Ich bin zwar nicht ihr Feind, ich weiß aber, woher ich komme", so der sozialistische Staatschef. Seine Großväter seien ein kleiner Schneider und ein Grundschullehrer aus einer armen Bauernfamilie gewesen, ergänzte er: "Könnte ich denn die Familienverhältnisse verachten, aus denen ich stamme?"

Vor allem diese Behauptungen der ehemaligen Premiere Dame Frankreichs über den linken Staatschef haben Hollande viel Kritik eingebracht (siehe unten). Die 320 Seiten lange Abrechnung Trierweilers mit dem angeblich ihr untreuen Hollande hat in Frankreich reißenden Absatz gefunden. In den ersten vier Tagen der Vermarktung fand das Buch bereits 145.000 Abnehmer.

Spott über "zahnlosen" Hollande im Internet

Das Drama um Frankreichs Präsidenten und seiner Ex-Partnerin ist um eine Facette reicher: In ihrem Buch schreibt Valerie Trierweiler über ihre Zeit mit Francois Hollande, der Sozialist möge arme Menschen nicht. "Er, der Mann der Linken, spricht im Privaten von den 'Zahnlosen' und ist dabei stolz auf seinen Humor."

Hohn und Spott

Diese abschätzige Bemerkung über arme Menschen bringt ihn Hohn und Spott im Internet eingebracht. Die Twitter-Gemeinde veralberte den Präsidenten, der im privaten Kreis Arme als "Zahnlose" bezeichnet haben soll, und verbreitete unter anderem bearbeitete Fotos, die den Sozialisten ohne Zähne zeigen.

Der Hashtag #SansDents (deutsch: Ohne Zähne) stand am Donnerstag bei Twitter in Frankreich an der Spitze der Trendcharts. Als Witz kursierte im Netz zudem, dass Menschen ohne Zähne immerhin "Flanby" essen könnten. Der Name eines bekannten Puddings hängt Hollande wegen seiner früher rundlichen Figur und seines wenig kernigen Auftretens bis heute als Spitzname an.

Hollandes Ex-Ex unterstützt ihn

Zur Seite sprang dem Staatschef am Donnerstag ausgerechnet seine Ex-Ex: Umweltministerin Segolene Royale, mit der Hollande vor Trierweiler liiert war und mit der er vier Kinder hat, bezeichnete die angebliche Zahnlosen-Äußerungen als "Unsinn".

"Das ist das Gegenteil seiner politischen Identität. Man muss ernsthaft bleiben", sagte die Sozialistin den Sendern RMC und BFMTV.

Sturm und Drang im Elysee: Francois Hollande

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.