Feigl: "Vor allem für Schwellenländer ist es am besten, sich vorerst bestimmte Ziele zu setzen, wie die Sterblichkeit bei Müttern zu verringern und die Gesundheit von Kindern zu verbessern."

© Reuters/STRINGER SHANGHAI

Forschung
02/07/2014

Ingredienzien für gerechte Gesundheitssysteme

Demokratie, Bildung, wirtschaftlicher Erfolg sind ausschlaggebend, aber es gibt eine Ausnahme.

Was braucht ein Land, um ein gerechtes Gesundheitssystem zu etablieren? Wissenschafter versuchen eine Antwort auf diese Frage zu geben: Einer aktuellen Studie zufolge entwickeln sich in reichen Ländern mit gebildeten Einwohnern und geringen Einkommensunterschieden am ehesten Gesundheitssysteme, die nahezu allen Bürgern offen stehen. Sind die Bevölkerungsgruppen dagegen zersplittert, die Macht unausgewogen verteilt oder regiert gar ein Diktator, sinken die Chancen.

Das fand die österreichische Forscherin Andrea Feigl an der Harvard University (USA) heraus. Sie führte die Studie im Rahmen ihrer Doktorarbeit am Department of Global Health and Population an der Harvard School of Public Health (USA) durch und publizierte die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Health Policy.

Was braucht man also?

Wohlstand Wichtig ist die Forcierung der wirtschaftlichen Entwicklung. Erst wenn in einem Land ein gewisser Wohlstand herrscht, sei eine allgemeine Gesundheitsversorgung möglich, so Feigl.

Bildung Je höher das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes ist und je mehr Leute zumindest einen Volksschulabschluss haben, umso wahrscheinlicher ist es, dass es dort ein für alle zugängliches Gesundheitssystem gibt.

Demokratie Wird ein Land demokratisch regiert, steigen die Chancen gleich um das Zehnfache.

Soziale Gerechtigkeit Hohe Einkommensunterschiede, viele zersplitterte ethnische Gruppen und ungleich verteilte politische Macht jedoch senken die Wahrscheinlichkeit auf ein gemeinsames Vorsorgesystem.

Ausnahme Freilich gibt es auch "Ausreißer", zum Beispiel ein seit jeher demokratisch regiertes Land, das über das höchste BIP verfügt, aber bis 2014 keine gemeinsame Gesundheitsvorsorge hat: die Vereinigten Staaten von Amerika.

Erkenntnisgewinn

Die Erkenntnisse könnten ärmeren Ländern helfen, die das Gesundheitssystem für ihre Einwohner verbessern wollen, erklärte Feigl. "Vor allem für Schwellenländer ist es am besten, sich vorerst bestimmte Ziele zu setzen, wie die Sterblichkeit bei Müttern zu verringern und die Gesundheit von Kindern zu verbessern", erklärte sie.

Neben einem gesunden Wirtschaftswachstum sollten Schwellenländer Fortschritte im Bildungssektor und eine funktionierende Demokratie anstreben sowie der Ungleichheit den Kampf ansagen.

Forschungsgrundlagen

Mit einem Kollegen untersuchte Feigl Datensätze von 1880 bis 2008 aus insgesamt 194 Staaten. Von diesen hatten zwar 74 laut den jeweiligen Landesgesetzen universelle Gesundheitssysteme, aber nur bei 51 hieß das tatsächlich, dass mehr als 85 Prozent der Bevölkerung Zugang zur Gesundheitsvorsorge hatten und über 90 Prozent der schwangeren Frauen eine ausgebildete Geburtshelferin in Anspruch nehmen konnten, so die Forscher.

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