Nach ihrem Tod wurde Tugce zu einer Heldin.

© APA/EPA/BORIS ROESSLER

Deutschland
06/12/2015

Fall Tugce: Drei Jahre Haft gefordert

Staatsanwaltschaft plädiert auf Körperverletzung mit Todesfolge.

Im Prozess um den tödlichen Angriff auf die Studentin Tugce Albayrak hat die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten Sanel M. wegen Körperverletzung mit Todesfolge eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert. "Er hat erhebliche Schuld auf sich geladen", sagte Staatsanwältin Birgit Lüter am Freitag vor dem Landgericht Darmstadt.

Die Anwälte der Familie Albayrak, die im Prozess als Nebenkläger auftritt, plädierten ebenfalls für eine Jugendstrafe, zweifelten aber daran, ob die von der Staatsanwaltschaft geforderten drei Jahre und drei Monate ausreichen. Ein genaues Strafmaß forderten sie nicht.

Sanel M. gibt Ohrfeige zu

Sanel M. soll die 22-jährige Tugce Mitte November auf dem Parkplatz vor einem Schnellrestaurant in Offenbach nach einem Streit geschlagen haben, woraufhin sie fiel und mit dem Kopf auf den Asphalt schlug. Einige Tage später, an ihrem 22. Geburtstag, erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Das Bewusstsein hatte sie bis dahin nicht mehr erlangt.

"Rollen waren schnell verteilt"

Der Angeklagte räumte im Prozess ein, ihr eine Ohrfeige gegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft wertete zugunsten des Angeklagten sein Geständnis. Dies sei von Reue getragen gewesen, sagte Lüter. Zudem sei von ihm in der Öffentlichkeit "ein verzerrtes Bild" gezeichnet worden. Zu seinen Lasten führte sie auf, dass er bereits wegen verschiedener Delikte verurteilt worden sei. Die Tat habe "keinesfalls Ausnahmecharakter", sagte Lüter.

Ihr Kollege Alexander Homm mahnte eine objektive Betrachtung des Falls an. "Die Rollen waren sehr schnell verteilt", sagte der Oberstaatsanwalt. Tugce Albayrak sei das "Symbol für Zivilcourage" gewesen, Sanel M. dagegen ein "dumpfer, unbelehrbarer Schläger". Es seien zum Teil "jegliche Grautöne" vermieden worden. Ein Verfahren müsse beiden Seiten gerecht werden.

Tugces Familie zweifelt an Reue

Der Anwalt der Familie Albayrak, Macit Karaahmetoglu, zeigte sich dagegen überzeugt, dass es sich bei der Tat des Angeklagten um ein abgesprochenes Vorgehen mit einem Freund gehandelt habe, um die jungen Frauen zu bestrafen. Die Gruppe um Tugce Albayrak war bereits im Schnellrestaurant mit den jungen Männern um Sanel M. aneinandergeraten. Die Erklärung des Angeklagten zum Prozessbeginn sei auch nicht von Reue getragen, sondern von Prozesstaktik geleitet gewesen, sagte der Anwalt.

"Er ist sich ganz offensichtlich nicht im Klaren darüber", was er der Familie Tugces angetan habe, sagte Karaahmetoglu. Es sei "unerlässlich", mit einer "längeren Gesamterziehung" auf den Angeklagten einzuwirken. Er bezweifle, dass drei Jahre und drei Monate dafür ausreichten. Am Freitagnachmittag wird es noch das Plädoyer der Verteidigung geben. Das Urteil wird am Dienstag kommender Woche erwartet.

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