Chronik | Welt
27.04.2018

Erdbeben-Kirchen in Italien werden Ziel von Plünderern

Aus beschädigten Gotteshäusern verschwinden wertvolle Kruzifixe, Reliquien und zuletzt sogar ein ganzes Chorgestühl.

In Italien wird die Plünderung von erdbebengeschädigten Kirchen zum Problem. Aus der seit sechs Jahren geschlossenen Pfarrkirche von Quistello bei Mantua in der Lombardei entfernten Unbekannte ein zwei Meter hohes Kruzifix mitsamt einer vergoldeten Umrahmung, wie die Tageszeitung "Gazzetta di Mantova" laut Kathpress berichtete.

Außerdem kamen ein Reliquienkästchen mit einem Knochenteil des heiligen Apostels Bartholomäus und eine Skulptur der Madonna als Kind abhanden. Anfang April war aus einer Kirche in dem unweit gelegenen Dorf Bondeno ein komplettes Chorgestühl aus dem 17. Jahrhundert verschwunden, zudem kamen zwei Weihwasserbecken und ein Teil eines Baldachins abhanden. Die Diebe hatten eigens ein Gerüst installiert, um die an der Apsiswand umlaufenden Sitzreihen mit ihren kostbaren Schnitzreliefs abzubauen.

Eine auf Kunstdiebstahl spezialisierte Sondereinheit der Carabinieri spürte den hölzernen Chor nach einer Woche in einem Magazin bei Brescia wieder auf. Zu den Umständen und möglichen Auftraggebern des ungewöhnlichen Diebstahls gab die Polizei bisher keine Einzelheiten bekannt.

Wie in Quistello war auch die Kirche San Tommaso in Bondeno durch das Erdbeben 2012 unbenutzbar geworden. Laut Medienberichten bat die Pfarrgemeinde schon damals, das Chorgestühl in eine provisorische Kirche zu übertragen. Dies habe das zuständige Denkmalamt in Absprache mit der Diözesanleitung aus konservatorischen Gründen abgelehnt.

Aus der Kirche in Quistello waren Kunstgegenstände von größerem Wert laut der "Gazzetta di Mantova" unmittelbar nach dem Beben in Sicherheit gebracht worden. Auf den jetzigen Diebstahl wurde der Ortspfarrer Don Roberto Buzzola der Zeitung zufolge durch Fotos in Sozialen Netzwerken aufmerksam. Demnach war einem früheren Pfarrvikar beim Stöbern auf Facebook und Flickr aufgefallen, dass auf einigen Bildern, die von sogenannten Urban Explorers bei illegalen Exkursionen in der Kirche geknipst wurden, die betreffenden Ausstattungsgegenstände noch zu sehen waren, während sie auf anderen fehlten.